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Fazit | Beitrag vom 26.02.2020

Sterbehilfe-Urteil Eine Stärkung der Autonomie

Reinhard Merkel im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Die Kunsttherapeutin Barbara Hummler-Anton (l) hält am 09.09.2014 im Hospiz St. Martin in Stuttgart (Baden-Württemberg) die Hand von Frau K. Foto: Sebastian Kahnert/dpa (zu lsw Korr: «Das Leben vor dem Sterben - Der Tod gehört im Hospiz dazu» vom 19.09.2014) | Verwendung weltweit (dpa)
Suizidwillige gehören in Arztpraxen, meint Reinhard Merkel. (dpa)

Der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel nennt die Entscheidung des Verfassungsgerichts zur Sterbehilfe "richtig und klug". Dieser Schutz der Selbstbestimmung in der Endphase des Lebens müsse nun durch Gesetze konkretisiert werden.

Das Bundesverfassungsgericht hat das Verbot organisierter Hilfe beim Suizid gekippt. Der Strafrechtsparagraf 217, der 2015 eingeführt wurde, sei mit dem Grundgesetz unvereinbar, urteilten die Richter.

"Das ist eine profunde, richtige, kluge Entscheidung", sagt der emeritierte Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie, Reinhard Merkel. Grundsätzlich seien Ärzte dazu da, den Patienten zu helfen, erläutert der 69-Jährige. Es gebe aber extreme Notlagen: "Dann ist es falsch zu sagen, jetzt nehmen wir die Ärzte aus dem Spiel. Damit nötig man Menschen zu Gewaltakten gegen den eigenen Körper."

Hilfe ist die erste Aufgabe

Gerade Menschen mit Selbstmordabsichten sollten in die Arztpraxen geschickt werden, bekräftigt Merkel: "Damit der Arzt sagen kann, wir haben noch Optionen, und ich kann in dieser und jener Hinsicht helfen." Die erste Aufgabe sei es, dem Suizidwilligen aus dieser desperaten Phase zu helfen.

Der emeritierte Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie, Reinhard Merkel, steht neben einem Radiomikrofon. (Vladimir Balzer)Der Gesetzgeber müsse jetzt genauer regulieren, fordert Merkel. (Vladimir Balzer)

Insofern habe das Verfassungsgericht die Autonomie gestärkt, die "Entscheidung über das eigene Leben und Sterben." Dieser Schutz der Selbstbestimmung sei nah an der geschützten Menschenwürde, so Merkel: "Das hat niemand für den Leidenden zu entscheiden."

Der Gesetzgeber ist gefragt

Der Gesetzgeber müsse jetzt die sogenannten Sterbehilfe-Vereine genauer regulieren, fordert Merkel: "Etwa vorschreibt, dass bei Suizidhilfen vorher ein psychologisches Gutachten eingeholt werden muss." Das gehöre aber nicht ins Strafgesetzbuch, sondern in das Ordnungswidrigkeitenrecht, sagt der Rechtsphilosoph: "Dann haben wir eine liberale, autonomie-freundliche Regelung dieser ganzen Sphäre."

(beb)

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