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Lesart / Archiv | Beitrag vom 16.10.2019

Steffen Kopetzky: "Propaganda"Krieg gegen die eigenen Ideale

Moderation: Joachim Scholl

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Steffen Kopetzky am Messestand von Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur. (Deutschlandradio/ David Kohlruss)
Steffen Kopetzky im Gespräch über sein Buch "Propaganda". (Deutschlandradio/ David Kohlruss)

Steffen Kopetzky porträtiert in seinem neuen Roman einen jungen US-Propagandaoffizier. Angetreten, um die Welt von Hitler zu befreien, muss er sich 20 Jahre später in Vietnam fragen, wie er von einem der "Guten" zu einem der "Bösen" geworden ist.

1944. Eisern verteidigt die deutsche Wehrmacht den Hürtgenwald in der Eifel bei Aachen gegen die vorrückende US-Army. "In Amerika ist diese vier Monate währende Schlacht sehr bekannt als das größte militärische Desaster im Zweiten Weltkrieg, die am längsten währende Schlacht, die meisten Toten", sagt der Schriftsteller Steffen Kopetzky. Er hat diese Schlacht als Ausgangspunkt für seinen neuen Roman "Propaganda" genommen. "Das hat mich irgendwie fasziniert, weil ich davon nie gehört habe." 

Erzählt wird die Geschichte des jungen Propagandaoffiziers John Glueck, der auf den Spuren seines Idols, dem Schriftsteller Ernest Hemingway, unterwegs ist. Er soll eine Reportage über den im Hürtgenwald stationierten Schriftsteller schreiben und gerät so mitten ins sinnlose Gemetzel, dem zehntausende Soldaten zum Opfer fallen.

Die Welt vom Faschismus befreien

"Die Generation von John Glueck, das waren die Leute, die ungefähr 1920 geboren waren", so Kopetzky. "Die sind voller Idealismus, Enthusiasmus und Entschlossenheit in den Krieg gezogen und haben gesagt: Wir müssen Europa, wir müssen die Welt vom Faschismus befreien. Wir treten für die Ideale Amerikas ein, für die Demokratie, für die Freiheit der Völker."

Doch in Wirklichkeit erlebt Glueck Generäle, die sinnlos unerfahrene GIs verheizen. Und der einzige Held, den er findet, ist ein deutscher Arzt, der Feuerpausen erwirkt, um die Verwundeten beider Seiten zu versorgen.

Trauma Vietnam

Die Erfahrung von Lügen und Propaganda im Krieg verschärft sich für die jungen Idealisten wie Glueck nach dem Zweiten Weltkrieg:

"Diese Generation hat sich dann nur 20 Jahre später in Vietnam wiedergefunden und hat sich gefragt: Wie konnte es kommen, dass wir, die wir doch die Guten waren, jetzt plötzlich die Bösen sind? Dass wir zum meistgehassten Land der Welt geworden sind? Dass wir einen Krieg führen in Vietnam, der unseren sämtlichen Idealen widerspricht? Diese Generation Amerikaner wollte ich gerne porträtieren."

(uko)

Steffen Kopetzky: "Propaganda"
Rowohlt, Hamburg 2019
495 Seiten, 25 Euro

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