Seit 15:05 Uhr Interpretationen
Sonntag, 11.04.2021
 
Seit 15:05 Uhr Interpretationen

Literatur | Beitrag vom 07.03.2021

„Städte lesen: Das janusköpfige Iaşi“Glanz und Abgrund der rumänischen Kultur

Von Katrin Hillgruber

Beitrag hören Podcast abonnieren
Museum der Altmoldauischen Literatur und Kirche St. Nicolas in Iasi, Rumänien.  (Imago / Volker Preußer)
Museum der Altmoldauischen Literatur und Kirche St. Nicolas in Iaşi. In Stadt im Nordosten Rumäniens findet das größte Literaturfestival Osteuropas statt. (Imago / Volker Preußer)

Städte haben ihre eigene Geschichte. Besonders spannend, reich und wechselhaft ist die von Iaşi im Nordosten Rumäniens. Einst Zentrum der Moderne, dann Schauplatz von Pogromen. Heute findet dort das größte Literaturfestival Osteuropas statt.

Es ist eine Gegend, die man nicht im Blick hat. Und in der sich doch die wechselhafte Geschichte Europas in all ihren Facetten beispielhaft ablesen lässt: Im äußersten Nordosten Rumäniens, unweit der Grenze zur Republik Moldau, erstreckt sich über mehrere Hügel Iaşi, die viertgrößte Stadt Rumäniens, Zentrum der Region Moldau und Sitz der ältesten Universität des Landes.

Von seinen Bewohnern "Unser kleines Rom" genannt, verbindet sich hier europäische mit rumänischer Geschichte, mittelalterliche Vergangenheit mit vibrierender Gegenwart. Iaşi pflegt sein kulturelles Erbe. Viele seiner Schulen sind nach Dichtern benannt, ihre ehemaligen Wohnhäuser wurden zu Literaturmuseen umgestaltet. Jedes Jahr findet unter großer Anteilnahme der Bevölkerung FILIT statt, das größte Literaturfestival Osteuropas. Gerne reisen dazu auch Autoren wie der Amerikaner Jonathan Franzen an. Das literarische Leben in Iaşi hat Tradition.

Reise durch die Zeit

In der Villa des Dichters Vasile Pogor traf sich ab 1863 die literarische Gesellschaft Junimea ("strahlende Jugend"). Autoren wie Mihai Eminescu oder der volkstümliche Schwankdichter Ion Creangă debattierten mit Kritikern wie dem einflussreichen Titu Maiorescu und entwickelten dabei die Grundlagen des modernen Rumänisch.

Als Hort der Wissenschaft und der Künste erlebte die Stadt Ende des 19. Jahrhunderts ihre absolute Blütezeit. Noch heute zeugen davon elegante Bauten wie der imposante Kulturpalast im neogotischen Stil mit seinen silbergrauen Zinnen, das prächtige Nationaltheater der Wiener Architekten Fellner und Helmer oder das Hotel Trajan, das Gustave Eiffel, der Schöpfer des Eiffelturms, entwarf.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

Im 20. Jahrhundert dann wurde Iaşi zur Ideenschmiede der faschistischen "Eisernen Garde". Mit verheerenden Folgen. An einem Junitag 1941 massakrierten Anhänger des mit Nazi-Deutschland verbündeten Antonescu-Regimes mehr als 13.000 Juden.

Eine Reise durch die Zeit, eine Erkundung der Licht- und Schattenseiten des "rumänischen Oxford", das in Konkurrenz zur Hauptstadt Bukarest als Kulturmetropole des Landes gilt.

(huk)

"Städte lesen: Das janusköpfige Iaşi"
Glanz und Abgrund der rumänischen Kultur
Von Katrin Hillgruber
Es sprachen: Maria Hartmann, Markus Hoffmann, Robert Frank, Torsten Föste und Frauke Poolmann
Ton: Thomas Monnerjahn
Regie: Klaus-Michael Klingsporn
Redaktion: Carsten Hueck und Wiebke Porombka
Produktion: Deutschlandfunk Kultur 2021


Das Manuskript können Sie hier herunterladen.

Mehr zum Thema

Verlassene Geschichten
(Deutschlandfunk Kultur, Literatur, 17.07.2012)

"Man hat die Freiheit, die man sich nimmt"
(Deutschlandfunk Kultur, Literatur, 06.06.2010)

Die vergessene Grenze
(Deutschlandfunk Kultur, Literatur, 11.08.2009)

Literatur

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur