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Fazit | Beitrag vom 04.05.2020

Staatliche Ballettschule Berlin"Kultur der Angst" statt Tanzfreude?

Elisabeth Nehring im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Blick in einen Ballettsaal der Staatlichen Ballettschule Berlin. (picture alliance/dpa/Stephanie Pillick)
Blick in einen Ballettsaal der Staatlichen Ballettschule Berlin. (picture alliance/dpa/Stephanie Pillick)

Die Staatliche Ballettschule Berlin steht für Tanzkunst auf höchstem Niveau. Doch es gibt heftige Kritik an der Ausbildung. Eine Expertenkommission kommt in ihrem Zwischenbericht zu dem Ergebnis, es herrsche Angst unter den Schülern und Schülerinnen.

Der Zwischenbericht der Expertenkommission zu den Zuständen der Staatlichen Ballettschule Berlin kommt zu keinem positiven Ergebnis. Die Allgemeinbildung komme zugunsten der tänzerischen Ausbildung zu kurz, Schüler und Schülerinnen seien häufig überfordert von dem Programm zwischen Proben, Training, Schule und Auftritten.

"Im Zwischenbericht ist aber auch von einem hierarchischen Management die Rede und dass demokratische Beteiligungsrechte nicht eingeräumt wurden und von großem Druck und beleidigenden Äußerungen, sexualisierter und sogar physischer Gewalt gegenüber Schülerinnen", sagt Tanzkritikerin Elisabeth Nehring.

Anonyme Vorwürfe gegen die Schulleitung

Dass es überhaupt einen Zwischenbericht einer Expertengruppe gibt, hat eine Vorgeschichte: "Das fängt mit anonymen Vorwürfen im letzten Jahr an, das geht dann über ein umfangreiches Dossier, das an die Senatsbilungsverwaltung gegangen ist, in dem auf 47 Seiten den Leitern Intransparenz, Führungslosigkeit und einseitige Leistungsorientierung vorgeworfen werden, allerdings auch wieder anonym", erklärt Elisabeth Nehring.

Die Vorwürfe richteten sich besonders gegen den Schulleiter und den Künstlerischen Leiter der Schule. Im Februar kam es daraufhin zur Freistellung der beiden Leiter und zum Einsatz der Expertenkommission. Noch vor Veröffentlichung des Berichts wurden die Leitungsposten der Schule neu ausgeschieben.

Kritik am Bericht

Für die Untersuchung sprach die Kommission bisher in 25 Gesprächen mit 45 schulischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Schülerinnen und Schülern aus den drei Abteilungen der Schule für Ballett, Artistik und Allgemeinbildung.

Es seien "schockierende Dinge", die in dem Bericht der Kommission benannt werden, so Nehring, allerdings müsse man auch an einigen Punkten Kritik an dem Bericht üben. Die Probleme würden zum einen nur allgemein beschrieben. Dabei seien konkrete Angaben und Beispiele nötig.

Zum anderen müsse man "der Ausgewogenheit halber vermerken, dass alle positiven Meinungen zur Schule, die sich in zahlreichen Schülerinnen-E-Mails finden, die uns Journalisten auch vorliegen, in dem Bericht überhaupt nicht erwähnt werden."

Außerdem bemängelt Nehring, "dass auch nirgendwo verzeichnet wird, dass Schülerinnen ausgesagt haben, sie seien explizit von einer Dame, die auch mal auf der Schule war, aufgefordert worden, Negatives über die Schulleitung zu sagen."

Schulleiter bisher nicht angehört

Des Weiteren seien weder der Schulleiter noch der Künstlerische Leiter, gegen die die Vorwürfe erhoben werden, bisher angehört worden. "Das ist aus meiner Sicht ein eklatanter Mangel des Berichts, den ich mir gar nicht erklären kann", so Nehring.

In einer Stellungnahme sprachen die beiden Schulleiter von "Verleumdungen, Falschbehauptungen und Anschuldigungen", die kursierten.

(nho)

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