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Kompressor | Beitrag vom 18.02.2021

Serie "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo"Eine überfrachtete Marke

Jörg Böckem im Gespräch mit Max Oppel

Das Foto zeigt Darstellerinnen und Darsteller aus der Neuauflage von "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo": Benno (Michelangelo Fortuzzi), Stella (Lena Urzendowsky), Michi (Bruno Alexander), Christiane (Jana McKinnon), Babsi (Lea Drinda). Die Serie wird bei Amazon Prime gezeigt. (Constantin Television / Mike Kraus)
„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ als neue Serie: Christiane F. (Jana McKinnon) und ihre Gang. (Constantin Television / Mike Kraus)

Das Buch "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" schlug 1978 ein wie eine Bombe, ebenso die spätere Verfilmung. Jetzt läuft eine Neuauflage als Amazon Prime-Serie. Den Journalisten und Ex-Junkie Jörg Böckem lässt das Ergebnis etwas ratlos zurück.

Am 18. Februar startet "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" als Serie auf Amazon Prime. Die Neuverfilmung muss sich am Original von Regisseur Uli Edel aus dem Jahr 1981 messen lassen, vor allem aber an der biografischen Buchvorlage, die das Magazin "Stern" 1978 herausbrachte.

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Der Journalist Jörg Böckem, selbst viele Jahre drogenabhängig und heute in der Prävention engagiert, hat sich die Serie über das Schicksal jugendlicher Junkies in West-Berlin bereits angeschaut. Sein Fazit fällt gemischt aus: Die Serie lasse ihn "ein bisschen ratlos zurück".

Die Buchvorlage: Sprengkraft von Goethes "Werther"

Zwar erkenne er sein eigenes Schicksal wieder, "Schmerz und Elend" seien realistisch dargestellt. Die Marke "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" sei jedoch "wahnsinnig überfrachtet durch den Erfolg". Die Macher der Neuauflage hätten das Problem gehabt, den Spagat zwischen dem Unterhaltungswert einer Serie und eben dieser Überfrachtung schaffen zu müssen.

"Das Buch wurde damals mit der Sprengkraft von Goethes 'Werther' wahrgenommen", sagt Böckem. Jedoch entspreche die Serie inhaltlich nicht dem aktuellen Diskurs über das Thema Drogensucht und füge diesem auch nichts Neues hinzu: "Ich habe beim Sehen gemerkt: Ja, es ist alles so – aber es ist dennoch eine starke Verkürzung."

Der Ex-Junkie findet zudem, dass die Botschaft der Serie – "Hände weg von Drogen" – nicht mehr zeitgemäß vermittelt werde. Die Prävention sei heute viel weiter und schlage viel differenziertere Wege ein.

Überzeugende Darstellerinnen und Darsteller

Sehr gut und überzeugend hingegen findet Böckem die jungen Darstellerinnen und Darsteller sowie das Drehbuch. Auch sei das Thema filmisch mit Bildern aus der Clubszene überzeugend modernisiert und optisch gut in Szene gesetzt worden.

(mkn)

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