Klassismus

Diskriminiert wegen Armut

06:35 Minuten
Eine Putzfrau reinigt ein Klassenzimmer in einer Grundschule in Berlin-Tempelhof.
Die soziale Schicht kann eine Ursache für Diskriminierung sein. © imago images / photothek / Lisa Johannssen
Francis Seeck im Gespräch mit Axel Rahmlow · 17.03.2022
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Freundeskreis, Aufstiegschancen, Status: Die soziale Herkunft bestimmt unser Leben. Francis Seeck forscht über die Diskriminierung aufgrund sozialer Herkunft. Seeck glaubt: Es fällt jungen Menschen heute schwerer, Klassengrenzen zu überwinden.
Unter Klassismus versteht man die Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft oder des sozialen Status. Der Kulturbetrieb ist durch diesen Klassismus grundlegend geprägt, glaubt Francis Seeck. Es gebe etwa „Ausschlüsse“, was an einem Theater gezeigt werden dürfe. Ferner gebe es „Kulturbetriebe, wo es ganz wichtig ist, elitär aufzutreten, ein ganz gewisses Publikum zu erreichen“. Dort bestehe nicht die Bereitschaft, „diese wirklich zu öffnen für Menschen aus allen Klassen“.

Sozialer Aufstieg ist schwerer geworden

Nach Ansicht Seecks fällt es jungen Menschen heute nicht leichter, Klassengrenzen zu überwinden. Der soziale Aufstieg sei für die jüngere Generation sogar noch schwieriger. Es gebe immer mehr Leute, die in Armut leben würden, während sich zugleich der Reichtum vermehre.
Gründe für die Trennung der Klassen gibt es laut Seecks viele; einer sei die vermeintliche Leistungsgesellschaft. „Wir leben in einer Gesellschaft, in der immer gesagt wird, ‚Wer sich nur anstrengt, der kann alles schaffen.‘“ Dadurch würden sich vielen Menschen selbst die Schuld geben, wenn sie zum Beispiel in Armut lebten oder von Sozialleistungen abhängig seien. Die Folgen seien Scham und Einigelung und dass nur wenige klassenübergreifende Begegnungen stattfänden.

Diskirminierung durch Klassismus anerkennen

Um der Diskriminierung aufgrund von der sozialen Herkunft oder des sozialen Status entgegenzuwirken, müsse Klassismus erst einmal als Diskriminierungskategorie ernst genommen werden, glaubt Seeck. Im Vergleich zu Sexismus und Rassismus werde er oft „noch gar nicht anerkannt“. Ferner sei es wichtig, sich zu organisieren. Das findet laut Seeck jedoch bereits statt. Es gebe unter anderem immer mehr Arbeiterkinder im Kulturbetrieb, die sich austauschen und Forderungen stellen würden. Eine weitere Möglichkeit sei es, sich für eine Erhöhung des Hartz-IV-Satzes einsetzen.
(tmk)

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