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Interview | Beitrag vom 09.04.2020

Schulalltag im "Ocean College"Das segelnde Klassenzimmer kehrt heim

Johan Kegler im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Das Segelschiff "Pelican of London" (picture-alliance/Zuma Wire)
Das Segelschiff "Pelican of London" läuft zu Ostern wieder in Cuxhafen ein und bringt Schüler und Schülerinnen des "Ocean College" zurück. (picture-alliance/Zuma Wire)

Ein halbes Jahr auf dem Schiff lernen und zur Schule gehen: Das ermöglicht das "Ocean College" für jene, deren Eltern es bezahlen können. Nun kehren die Schülerinnen und Schüler mitten in der Coronakrise nach Hause zurück.

Im "segelnden Klassenzimmer" wird immer noch gelernt, während anderswo die Schulen schon lange geschlossen sind. Am Ostersonntag soll das Segelschiff "Pelican of London"  in Cuxhaven einlaufen und 32 Schüler und Schülerinnen wieder sicher nach Hause bringen. Ein halbes Jahr waren sie mit drei Lehrkräften unterwegs, um im "Ocean College" ihren Schullalltag zu erleben, aber auch, um sich nautisch fortzubilden.

Probleme wegen der Coronakrise 

Durch die Coronakrise wurde die Schiffsreise sehr erschwert, sagt Schulleiter Johan Kegler, der das Projekt vom Büro aus begleitet. Kurz vor Bermuda hätten die Crew erste Meldungen über die Coronapandemie erreicht, sodass Hygienemaßnahmen wie Händewaschen nach Landgängen verstärkt worden seien. Auf den Azoren habe die Mannschaft dann nicht mehr an Land gedurft. "Das war dann schon sehr skurril", sagt Kegler, der im ständigen Kontakt zum Schiff und den besorgten Eltern daheim in Deutschland stand.

Auf den Azoren versorgten sich alle Segler normalerweise für die Rückreise nach Europa mit Proviant. Ein Bekannter habe dort für alle eingekauft. "Das war dann auch die besondere Herausforderung für die Schüler und Schülerinnen", sagt Kegler. Sie seien durch die Coronakrise fünf Wochen am Stück auf dem Schiff gewesen.

Teure Reise

Der Unterricht biete mehr als herkömmliche Schulen, sagt Kegler. Das Lernen auf dem Schiff beinhalte auch, dass mal das GPS ausgeschaltet und nur mit Kompass navigiert werde. Es gebe ein eigenes Labor an Bord, im Geschichtsunterricht gehe es um Christoph Kolumbus oder in der Nähe von Kuba sei die Kubakrise 1962 behandelt worden. Die Jugendlichen ab 15 Jahre hätten auf dem Schiff ihr Handy abgeben müssen und es nur während der Landgänge nutzen können. 

Zu den Kosten von 25.000 Euro für dieses Abenteuer sagt Kegler: "Das ist auf jeden Fall eine große Menge Geld." Aber die Kosten seien nötig, um das halbe Jahr auf dem Schiff zu finanzieren. Es müssten das gecharterte Schiff, Lehrer, die Mannschaft, Versicherung und Proviant bezahlt werden. Ein Drittel der Eltern könne das entspannt bezahlen, ein weiteres Drittel müsse sehr rechnen, die anderen seien sehr kreativ, um das Geld zusammen zu bekommen. Da würden Verwandte um Unterstützung gebeten, Kredite aufgenommen oder ein Crowdfunding organisiert. Auch Auslands-Bafög oder Stipendien seien möglich.  

(gem) 

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