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Im Gespräch | Beitrag vom 09.04.2020

Sawsan Chebli über Solidarität in der Pandemie "Es gibt keine Grenzen, Corona trifft uns alle gleich"

Sawsan Chebli im Gespräch mit Britta Bürger

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Sawsan Chebli (SPD), Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, unterhält sich beim Imbiss und Cateringservice von Refueat mit Journalisten und weiteren Anwesenden. (picture alliance / dpa / Christoph Soeder)
Sawsan Chebli ist in Berlin Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. (picture alliance / dpa / Christoph Soeder)

Einkäufe erledigen, Seelsorge am Telefon leisten, Masken für andere nähen. Das Engagement vieler Menschen in der Coronakrise macht der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli Mut - es sei eine Herausforderung, diese Hilfsbereitschaft zu steuern.

In Zeiten von Corona entsteht eine neue "Krisenkultur". An Sportanlagen und Spielplätzen werden Gabenzäune für Obdachlose errichtet. Nachbarn kaufen für Alte und besonders Schutzbedürftige ein. Privatleute nähen Behelfsmund- und Nasenmasken für das nächstgelegene Krankenhaus oder Behindertenheim.

Das sind einige Beispiel für zivilgesellschaftliche Aktionen, die aufgrund der Covid-19 -Pandemie entstanden sind. Die Solidarität in Zeiten von Corona ist groß.

"Mehr Helfer als Menschen, die Hilfe in Anspruch nehmen"

Sawsan Chebli ist Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund und Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales. Die SPD-Politikerin sagt, es gebe ihr Mut und Kraft zu sehen, dass Menschen, die selbst ganz wenig hätten, bereit seien etwas abzugeben. Gerade in einer Zeit, in der es so viel Hass und Hetze gebe, sei das ein wichtiges Signal.

Coronavirus-NewsletterTelefondienste zur Seelsorge bekämen zurzeit immer mehr Anrufe. Es gebe momentan unfassbar viele einsame Menschen, sorgt sich die Staatssekretärin. Wenn sie zu Hause seien und nicht rauskönnten, sei das ein Riesenproblem. Auf der anderen Seite gebe es aber viele, die unterstützen wollen.

"Wir haben im Moment mehr Helfer als Menschen, die Hilfe in Anspruch nehmen", erzählt sie. "Bei akuten Krisen wie dieser packen auch viele junge Leute mit an. Unser Problem ist eher, dass die Angebote auch diejenigen erreichen, die die Hilfe benötigen. Hier versuchen wir als Land Berlin massiv zu steuern. Wir schalten Hotlines oder machen Aushänge in Häusern, damit auch die davon erfahren, die das Internet nicht nutzen."

Eigene Mutter seit Wochen nicht getroffen

Auch für Sawsan Chebli selbst ist die Pandemie eine große Umstellung: "Ich habe meine Mutter, die ich sonst wöchentlich besuche, seit einem Monat oder fünf Wochen nicht mehr getroffen. Ich würde mir nichts sehnlicher wünschen, als sie zu sehen. Dieser Zustand geht vorbei, wenn wir uns alle daranhalten. Für mich bedeutet das, dass ich sie nicht mehr besuche. Für sie, dass sie, soweit es geht, zu Hause bleibt und Hilfe annimmt."

In der Krise brauche es kreative Ideen, sagt Chebli. Das gelte auch für die Verwaltung. "Wir müssen die Ressourcen, die wir haben, einsetzen. Wir überlegen gerade, ob diejenigen, die jetzt zu Hause sind, im Homeoffice oder freigestellt, vielleicht zukünftig in der Freiwilligenarbeit tätig werden könnten."

Haben Sie Fragen zum Coronavirus? Schreiben Sie sie uns an corona@deutschlandfunkkultur.de. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen für unser Programm. Von Montag bis Freitag zwischen 9 und 10 Uhr beantworten Expertinnen und Experten sie live im Deutschlandfunk Kultur. Während der Sendung können Sie Ihre Fragen auch live stellen unter der Telefonnummer 0800 2254 2254.

Sawsan Chebli wünscht sich, dass das Engagement der Zivilgesellschaft auch nach Corona bestand hat. "Ich hoffe, wir werden uns später erinnern, wie uns diese Zeit zusammengeschweißt hat. Corona hat das ganze Land und unser Leben auf den Kopf gestellt. Vielleicht ziehen wir daraus die Lehre, dass wir alle in einem Boot sitzen. Es gibt keine Grenzen, Corona trifft uns alle gleich. Vielleichte ist die Pandemie deswegen auch eine Chance für uns."

Berlin unterstützt in der Krise die Nachbarschaftsplattform nebenan.de. Für Menschen, die Hilfe benötigen, aber das Internet nicht nutzen, hat das Land die Hotline 0800 8665544 geschaltet. 

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