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Studio 9 | Beitrag vom 30.12.2020

Sachbuchbestenliste JanuarBarack Obama toppt alle

Christian Rabhansl im Gespräch mit Ute Welty

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Die drei Cover der Sachbuchbestenliste 2020: "Ein verheißenes Land", "Die Rattenlinie" & "Sexkultur". (Illustration: Bianca Schaalburg, Montage: Deutschlandradio / Penguin, S. Fischer & Rowohlt)
Die Top drei der Sachbuchbestenliste Dezember: Ganz oben steht der erste Teil der Erinnerungen von Barack Obama an seine Jahre als Präsident der Vereinigten Staaten. (Illustration: Bianca Schaalburg, Montage: Deutschlandradio / Penguin, S. Fischer & Rowohlt)

In "Ein verheißenes Land" blickt Barack Obama zurück auf seine Zeit im Weißen Haus und setzt sich an die Spitze der Sachbuchbestenliste. "Die Rattenlinie" von Philippe Sands und Bettina Stangneths "Sexkultur" steigen auch neu ein und folgen dahinter.

Deutschlandfunk Kultur, ZDF und "Die Zeit" präsentieren gemeinsam die stärksten Sachbücher des Monats. Gekürt werden die Titel von einer Jury aus 30 Kritikerinnen und Kritikern.


1 (-) Barack Obama: "Ein verheißenes Land"
Aus dem Englischen von Sylvia Bieker, Harriet Fricke, Stephan Gebauer, Stephan Kleiner, Elke Link, Thorsten Schmidt und Henriette Zeltner-Shane
Penguin Verlag, München 2020
1024 Seiten, 42 Euro

Das Cover von Barack Obamas Buch "Ein verheißenes Land" auf orange-weißem Hintergrund. Auf dem Cover ist ein Foto von Obama in schwarz-weß zu sehen. (Penguin / Deutschlandradio)Barack Obama, "Ein verheißenes Land" (Penguin / Deutschlandradio)

Lange war es ruhig um Barack Obama. Jetzt, nach Ende der Trump-Jahre und dem Sieg Joe Bidens, ist die mit Spannung erwartete Autobiografie des Ex-Präsidenten erschienen. Obama schreibt von der Last der Präsidentschaft, den von Trump geförderten Rassismus. Der Ton ist manchmal cool, manchmal nachdenklich – und nicht frei von Selbstzweifeln. 85 Punkte

Interview mit Jürgen Trittin über das Buch


2 (-) Philippe Sands: "Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht. Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit"
Aus dem Englischen von Thomas Bertram
S. Fischer, Frankfurt am Main 2020
25 Euro, 544 Seiten

Das Cover von Philippe Sands Buch: "Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht: Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit" (S. Fischer / Deutschlandradio)Philippe Sands: "Die Rattenlinie – ein Nazi auf der Flucht: Lügen, Liebe und die Suche nach der Wahrheit (S. Fischer / Deutschlandradio)

Als "Rattenlinien" bezeichneten US-Agenten nach dem Krieg Fluchtrouten für Nazis. Einer jener flüchtigen NS-Verbrecher war Otto Wächter. Nach einer Begegnung mit dessen Sohn erzählt Philippe Sands, britischer Anwalt und Bestsellerautor, Wächters Leben. Eine Geschichte von Liebe, Intrigen, Spionage – und den Verstrickungen der katholischen Kirche. 55 Punkte


3 (-) Bettina Stangneth: "Sexkultur"
Rowohlt, Hamburg 2020
288 Seiten, 22 Euro

Das Cover von Bettina Stangneths Buch "Sexkultur" auf orange-weißem Hintergrund (Rowohlt / Deutschlandradio)Bettina Stangneth: "Sexkultur" (Rowohlt / Deutschlandradio)

Sex ist so natürlich, wie er Spaß machen kann. Und trotzdem: Im 21. Jahrhundert empfinden wir unsere Sexualität vor allem als Problem: als Ursache von Missbrauch und Unzufriedenheit. Die Philosophin Bettina Stangneth plädiert für einen ehrlichen, einen positiven Blick auf die schönste Sache der Welt. Ein Hohelied auf die leidenschaftliche Liebe. 48 Punkte

Unser Gespräch mit Bettina Stangneth


4 (-) Corine Pelluchon: "Manifest für die Tiere"
Aus dem Französischen von Michael Bischoff
C. H. Beck, München 2020
125 Seiten, 12 Euro

Das Cover von Corine Peluchons Buch "Manifest für die Tiere" auf orange-weißem Grund.  (C. H. Beck / Deutschlandradio)Corine Peluchon: Das "Manifest für die Tiere". (C. H. Beck / Deutschlandradio)

"Wie wir Menschen Tiere behandeln, betrifft im Kern die Frage nach unserer Menschlichkeit." Von dieser Prämisse aus fragt die Philosophin Corine Pelluchon: Wie lassen sich auch heutige Fleischesser für den Kampf gegen die Seelenzerstörung gewinnen? Sie zieht Parallelen zur Abschaffung der Sklaverei – und macht Vorschläge für eine Zeit nach dem Speziesismus. 45 Punkte

Unsere Rezension


4 (-) Baltasar Gracián: "Handorakel und Kunst der Weltklugheit"
Aus dem Spanischen von Hans Ulrich Gumprecht
Reclam, Ditzingen 2020 
302 Seiten, 25 Euro

Das Cover von Gracián Baltasars Buch "Handorakel und Kunst der Weltklugheit" auf orange-weißem Hintergrund (Reclam / Deutschlandradio)Gracián Baltasar: "Handorakel und Kunst der Weltklugheit" (Reclam / Deutschlandradio)

Das vor 350 Jahren erschienene Handorakel ist die Urgroßmutter aller Lebensratgeber und hat Intellektuelle stets fasziniert: 300 Aphorismen, in denen der spanische Prediger Baltasar Gracián beschreibt, wie man am Hof Erfolg hat. Psychologisch fundiert, pointiert und oft boshaft: ein Klassiker in der zeitgemäßen Neuübersetzung von Hans-Ulrich Gumbrecht. 45 Punkte


6 (-) Robert Bellah: "Der Ursprung der Religion"
Aus dem Englischen von Christine Pries
Herder, Freiburg 2020
904 Seiten, 99 Euro

Das Cover von Robert Bellahs Buch "Der Ursprung der Religionen. Vom Paläolithikum bis zur Achsenzeit" auf orange-weißem Hintergrund (Herder / Deutschlandradio)Robert Bellah: "Der Ursprung der Religionen. Vom Paläolithikum bis zur Achsenzeit" (Herder / Deutschlandradio)

Der vor sieben Jahre verstorbene Soziologe Robert N. Bellah wurde vor allem für den Begriff der "Zivilreligion" bekannt. In seinem Spätwerk, das nun erstmals auf Deutsch erscheint, rekonstruierte Bellah den Ursprung alles Religiösen. Er zeigt: Die Grundlagen unserer heutigen Weltreligionen reichen zurück bis in die Steinzeit. 35 Punkte


6 (-) Christina Pareigis: "Susan Taubes. Eine intellektuelle Biographie"
Wallstein, Göttingen 2020
472 Seiten, 29 Euro

Das Cover von Christina Pareigis' Buch: "Susan Taubes. Eine intellektuelle Biographie" auf orange-weißem Hintergrund (Wallstein / Deutschlandradio)Christina Pareigis: "Susan Taubes. Eine intellektuelle Biographie" (Wallstein / Deutschlandradio)

1939 erreichte Susan Taubes als Elfjährige New York. Vor ihr lag ein kurzes Leben, verstreut auf der Welt: Sie lebte in Harvard, Jerusalem oder Paris. Wie diese Ortlosigkeit des jüdischen Exils das unbedingt wiederzuentdeckende Werk dieser Intellektuellen prägte, zeigt diese Biografie. Dabei blieb Taubes’ Fluchtpunkt immer Budapest, die Stadt ihrer Kindheit. 35 Punkte

Unsere Rezension


8 (-) Ute Frevert: "Mächtige Gefühle. Von A wie Angst bis Z wie Zuneigung – Deutsche Geschichte seit 1900" 
S. Fischer, Frankfurt am Main 2020
496 Seiten, 28 Euro

Das Cover von Ute Freverts Buch: "Mächtige Gefühle, Von A wie Angst bis Z wie Zuneigung – Deutsche Geschichte seit 1900" auf orange-weißem Hintergrund (S. Fischer / Deutschlandradio)Ute Frevert: "Mächtige Gefühle, Von A wie Angst bis Z wie Zuneigung – Deutsche Geschichte seit 1900" (S. Fischer / Deutschlandradio)

Seit Langem ist die Historikerin Ute Frevert eine Expertin für die Wirkung von Emotionen in modernen Gesellschaften. Jetzt hat sie den Gefühlshaushalt der Deutschen analysiert. Ob Wut, Solidarität, Freude, Hass, Stolz oder Empörung: Empfindungen prägen die Geschichte des Landes – von Hitlers Aufstieg über Brandts Kniefall bis zur Willkommenskultur. 31 Punkte

Unser Gespräch mit Ute Frevert


9 (-) Katharina Pistor: "Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft"
Aus dem Englischen von Frank Lachmann
Suhrkamp, Berlin 2020
440 Seiten, 32 Euro

Das Cover von Katharina Pistors Buch "Der Code des Kapitals, Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft" auf orange-weißem Hintergrund (Suhrkamp / Deutschlandradio)Katharina Pistor: "Der Code des Kapitals. Wie das Recht Reichtum und Ungleichheit schafft" (Suhrkamp / Deutschlandradio)

Wie entsteht Kapital? Karl Marx hatte eine Antwort: Indem Kapitalisten die Arbeitskraft ihre Beschäftigten ausbeuten. Die Juristin Katharina Pistor sieht das anders: "Nicht ein physischer Produktionsprozess, sondern die rechtliche Codierung ist das Entscheidende." Kapital wird also nicht in Fabriken geschaffen, sondern hinter den Türen der Anwaltskanzleien. 30 Punkte

Unsere Rezension


10 (10) Yuval Noah Harari: "Sapiens"
Illustriert von Daniel Casanave und David Vandermeulen
Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn
C. H. Beck, München 2020
248 Seiten, 25 Euro

Buchcover von Yuval Noah Harari: "Sapiens" (C. H. Beck / Deutschlandradio)Yuval Noah Harari: "Sapiens" (C. H. Beck / Deutschlandradio)

Sein Bestseller "Eine kurze Geschichte der Menschheit" machte Harari weltberühmt. Nun gibt es die Hochgeschwindigkeitsreise durch die Zeit auch als Graphic Novel. Im ersten der vier Teile nimmt der gezeichnete Harari seine Nichte Zoe genauso väterlich an die Hand wie sonst seine Leser – und erklärt ihr den Aufstieg des schwächlichen Sapiens zum König der Tiere. 27 Punkte


So funktioniert die Abstimmung:

Jedes Jurymitglied vergibt an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.

Die Jury der Sachbuch-Bestenliste: 

René Aguigah (Deutschlandfunk Kultur)
Peter Arens (ZDF)
Susanne Billig (Deutschlandfunk Kultur)
Ralph Bollmann (FAS)
Stefan Brauburger (ZDF)
Alexander Cammann (DIE ZEIT)
Gregor Dotzauer (Der Tagesspiegel)
Heike Faller (DIE ZEIT)
Daniel Fiedler (ZDF)
Jenny Friedrich-Freksa (Kulturaustausch)
Manuel J. Hartung (DIE ZEIT)
Thorsten Jantschek (Deutschlandfunk Kultur)
Kim Kindermann (Deutschlandfunk Kultur)
Inge Kutter (DIE ZEIT)
Hannah Lühmann (DIE WELT)
Ijoma Mangold (DIE ZEIT)
Susanne Mayer (DIE ZEIT)
Tania Martini (taz)
Catherine Newmark (Deutschlandfunk Kultur)
Jutta Person (freie Literaturkritikerin)
Bettina von Pfeil (ZDF)
Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung)
Christian Rabhansl (Deutschlandfunk Kultur)
Anne Reidt (ZDF)
Anna Riek (ZDF)
Stephan Schlak (Zeitschrift für Ideengeschichte)
Hilal Sezgin (freie Autorin)
Catrin Stövesand (Deutschlandfunk)
Elisabeth von Thadden (DIE ZEIT)
Julia Voss (Leuphana-Uni Lüneburg)
DIE BESTENLISTEN DER VORANGEGANGENEN MONATE

Sachbuchbestenliste Dezember - Rückblicke und radikale Hoffnungen
(Deutschlandfunk Kultur, Aktuell, 25.11.2020)

Sachbuchbestenliste November - Wie die große Welt ins Dorf kommt
(Deutschlandfunk Kultur, Aktuell, 28.10.2020)

Sachbuchbestenliste Oktober - Der Nutzen der Geschichte für die Gegenwart
(Deutschlandfunk Kultur, Aktuell, 23.09.2020)

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