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Fazit | Beitrag vom 05.06.2020

Run The Jewels: "RTJ4"Der Soundtrack zu Polizeigewalt und Rassismus

Jens Balzer im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Das Hip-Hop-Duo "Run The Jewels". (Tim Saccenti)
Das vierte gemeinsame Album der beiden US-Rapper Killer Mike und El-P war längst produziert, als die aktuellen Proteste in den USA ausbrachen. (Tim Saccenti)

Das Album der Stunde kommt vom Hip-Hop-Duo "Run The Jewels" und handelt von Polizeigewalt und Rassismus. "RTJ4" steht in der Tradition von Public Enemy, N.W.A und Boogie Down Productions. Ein Album voller Wut und Verzweiflung.

Die "Black Lives Matter"-Bewegung hat nun einen eigenen Soundtrack. Die in dieser Woche veröffentlichten Songs der beiden US-Rapper Killer Mike und El-P - als Duo bekannt unter dem Namen Run The Jewels - werden von Aktivisten, Künstlern und Kritikern als "Album der Stunde" gefeiert.

Auch für unseren Musikkritiker Jens Balzer ist das Album "RTJ4" "der wichtigste musikalische Kommentar zur Situation". An manchen Stellen wirke es so, als sei es erst in den letzten Tagen mit unmittelbarem Bezug auf die Ereignisse in Minneapolis aufgenommen worden – vor allem der Track "Walking in the Snow". Darin heißt es:

"Ihr schaut stumpf dabei zu, wenn die Cops jemanden wie mich ersticken / bis mir die Stimme bricht und ich nur noch flüstern kann / ich krieg‘ keine Luft."

"I Can‘t Breathe" ist auch der Slogan der aktuellen Proteste. Es waren die letzten Worte, die George Floyd vor seinem Tod noch sagen konnte.

2014 starb Eric Garner unter ähnlichen Umständen

Tatsächlich wurde das Stück aber lange vorher produziert, wie Balzer berichtet. Das Stück "I Can‘t Breathe" beziehe sich auf ein anderes Opfer des Rassismus, auf Eric Garner, der 2014 unter ähnlichen Umstanden bei einer Polizeikontrolle ums Leben gekommen ist - mit denselben letzten Worten.

"Das ist ein Album, das von Polizeigewalt und Rassismus handelt und das auf tragische Weise, aber dann irgendwie auch auf sehr gute Weise zur rechten Zeit gekommen ist", sagt Balzer.

Damit stellten sich Run The Jewels in die Tradition der klassischen Rap-Crews aus den 80er-Jahren: Public Enemy, N.W.A. und Boogie Down Productions. Also Crews, "die damals schon explizit politisch gegen Rassismus angerappt haben und die sich auch ganz deutlich auf die afroamerikanische Geschichte bezogen haben - mit vielen Samples und Referenzen".

"Ich habe eine Granate in meinem Herzen"

Auch Run The Jewels greifen auf Samples zurück, zum Beispiel auf Mavis Staples in dem Song "Pulling The Pin".

Zunächst rappt El-P hier unter anderem:

"Es fühlt sich an, als ob das Universum uns vergessen hat / als ob sich derselbe Moment in der Geschichte immer wiederholt / und uns verfolgt wie ein Gespenst."

Das sei genau das Gefühl, "das viele gerade haben, dass es einfach nicht zu Ende geht mit diesem elenden Rassismus; dass sich alles wieder von vorne wiederholt", meint Balzer.

Und dann singt Mavis Staples:

"Ich habe eine Granate in meinem Herzen / und sie haben den Auslöser gezogen."

Metaphorisch gesprochen, explodiere alles, was sich darin aufgestaut hat, in ihrem Herzen, die ganze Wut, die Trauer, die Verzweiflung, der Zorn.

(ckr)

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