Romanverfilmung

Großes Kino an tollen Schauplätzen

Szene aus "Der Medicus" von Philipp Stölzl © picture alliance / dpa
Von Hannelore Heider · 25.12.2013
Ein Film mit großen Schauspielern und einer Entdeckung: Tom Payne als "Medicus". Die Romanvorlage von Noah Gordon wird opulent in Szene gesetzt. Doch die Darstellung der Religionsfehden zwischen Christen, Muslimen und Juden hätte mehr Sensibilität vertragen.
Diese deutsche Großproduktion mit internationaler Starbesetzung wird die Erwartungen der allein in Deutschland Millionen zählenden Lesergemeinde von Noah Gordons 1986 veröffentlichtem Roman "Der Medicus" nicht enttäuschen.
Regisseur Philipp Stölzl hat genau die Publikumsansprache des Weltbestsellerautors getroffen - jene Balance aus packender, durchaus konventioneller Erzählung und einer das Massenpublikum niemals überfordernde Beimischung aus historischem wie naturwissenschaftlichem Wissen.
Die wichtigsten Rollen sind mit charismatischen Charakterdarstellern besetzt, der junge Hauptdarsteller Tom Payne ist eine Entdeckung und zusammen mit einer prächtigen Ausstattung der mittelalterlichen Schauplätze in Europa und Persien sowie einem gelungenem Computereinsatz könnte diese Bestsellerverfilmung wirklich ein Publikumserfolg werden!
In gekonnter Straffung der ausufernden Handlung wird uns das Schicksal des Waisenjungen Rob Cole (Tom Payne) erzählt, der von einem fahrenden Bader (Stellan Skarsgard) aufgenommen und in seinem Handwerk geschult wird. Doch der erwachsene Lehrling will mehr, er will die Funktion des menschlichen Körpers erkunden, um wirklich ein Heiler zu sein.
Deshalb macht er sich auf die gefährliche Reise in den Orient, in das Reich des großen persischen Mediziners Ibn Sina. Mit Ben Kinsley steht ihm am Hofe des Schahs Ala ad Daula (Olivier Martinez) nach Stellan Skarsgard der zweite charismatische Lehrer zur Seite. In Persien trifft er auch auf die schöne Prinzessin Rebecca (Emma Rigby), die er vor einer Zwangsheirat nicht bewahren kann, der er aber in tiefer Liebe über die politischen Wirren der Zeit und das Wüten der Pest hinweg verbunden bleibt.
Ein Film mit wirklich großen Schauwerten und einnehmenden, wenn auch wie in der fast 20 Jahre alten Buchvorlage arg gradlinigen Charakteren – hier hätte ruhig mehr kreative Innovation und auch Sensibilität walten können, zum Beispiel bei der Darstellung der Religionsfehden zwischen Christen, Muslimen und Juden. Inzwischen haben neuere Historienfilme da doch deutlich höhere Maßstäbe gesetzt.

"Der Medicus", BRD 2013; Regie: Philipp Stölzl; Darsteller: Tom Payne, Stellan Skarsgard, Ben Kingsley, Emma Rigby, Olivier Martinez, Elyas M'Barek; 155 Minuten, ab 12 Jahren

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