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Interview / Archiv | Beitrag vom 13.05.2020

ReichtumKönnen Erben helfen, die Welt zu retten?

Thomas Druyen im Gespräch mit André Hatting

Geschäftsmann schaut auf Stapel von Geldmünzen (imago images / Ikon Images / Gary Waters)
Wer viel hat, kann damit viel Gutes tun. Aber wäre eine Vermögenssteuer nicht trotzdem sinnvoll, um den Wohlstand gerechter zu verteilen? (imago images / Ikon Images / Gary Waters)

Sie haben dicke Jachten und leben von Austern und Champagner, so das Klischee über superreichen Erben. Die Wirklichkeit sieht anders aus, sagt der Soziologe Thomas Druyen, der sich schon lange beruflich mit der Welt des Geldadels beschäftigt.

Sie haben es richtig dicke, ohne dass sie irgendetwas dafür getan haben: die Erben. Allein zwischen den Jahren 2012 und 2027 werden in Deutschland bis zu 400 Milliarden Euro jährlich per Erbschaft weitergegeben.

Dass sich die Erben deswegen nun auf die faule Haut legen, dicke Autos fahren und Zigarren rauchen – vor einer solchen Pauschalisierung warnt der Soziologe Thomas Druyen ("Goldkinder – Die Welt des Vermögens"). Das sei ein Klischee, nicht die Realität.

Millionenerben sind auch nur Menschen

"Die Klientel der Reichen, Vermögenden, die ist nicht anders, menschlich und charakterlich, als viele andere Milieus auch", sagt er. Zudem würden die wenigsten Erben Millionen erhalten, die zum Verpulvern da seien.

Aus der Sicht von Druyen können die "Goldkinder" die Gesellschaft sogar voranbringen. Denn sie könnten nicht nur den Willen, sondern auch das Geld einbringen für mehr Sinnstiftung in der Welt. So sei beispielsweise der Anteil der Erben, der an Ökologie und Naturschutz Interesse zeige, in den letzten Jahren "sehr, sehr viel größer" geworden. "Und da wird dann auch eine Verantwortung wahrgenommen."

Eine höhere Erbschaftssteuer kann sinnvoll sein

Trotzdem kann Druyen sich auch eine höhere Erbschaftssteuer vorstellen. "Im Prinzip klingt das sehr attraktiv - und es bedient auch ein bisschen den Neidfaktor." Er plädiert aber dafür, genauer hinzuschauen. Werde beispielsweise ein Firma vererbt, sei oft "gar kein Spielgeld übrig", weil auch Arbeitsplätze daran hingen. Aber: "Wo Geld nicht unternehmerisch genutzt wird, kann man über so etwas nachdenken."

(lkn)

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