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Tonart | Beitrag vom 18.07.2019

Rainald Grebes neues Album "Albanien""Ein schöner Name für ein Album"

Rainald Grebe im Gespräch mit Martin Böttcher

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Reinald Grebe mit guter Laune beim Sächsischen Unternehmerpreis im Alten Schlachthof. Auf dem Kopf trägt er einen Fahrradhelm und ein Wiener Würstchen an einer Stange.  (imago images / Max Stein)
Kommt als Musiker viel in Deutschland herum: Rainald Grebe (imago images / Max Stein)

Seinen berühmtesten Song "Brandenburg" spielt Rainald Grebe nicht mehr, oder wenn, dann nur noch auf Sorbisch. 15 Jahre später bringt er nun das Album "Albanien" heraus. Musik für Menschen sei das, hofft er – während er zunehmend ratlos auf seine Heimat blickt.

"In Brandenburg, in Brandenburg ist wieder einer einmal gegen einen Baum gegurkt."

Eine Zeile aus dem Lied "Brandenburg" des Liedermachers und Kabarettisten Reinald Grebe - Kult, aber mittlerweile auch schon 15 Jahre alt. Zeit für ein neues Album also. "Albanien" heißt es, ist in einer Zeitspanne von fünf Jahren entstanden, und er hat es mit seiner Band, der Kapelle der Versöhnung, aufgenommen. Warum es "Albanien" heißt? Grebes Antwort: "Weil es ein schöner Name ist für ein Album." Und warum ist es so rockig? "Weil meine Band mit Strom arbeitet".

Im Song "Das Volk" ist ein Refrain zu hören, den Grebe eigenen Aussagen nach so nicht mehr schreiben würde:  

Wer hat Sixpacks und nen Tribal am Bein / Wer trägt Feinripp überm Wampilein
Wer liegt in Malle besoffen am Strand / Mit seinem gesunden Menschenverstand
Das Volk

Grebe betont, der Song sei vor der Pegida-Bewegung entstanden. Aber wer ist denn eigentlich das Volk?

"Das sind die 83 Millionen, die in einem Staatskörper zusammenleben. Aber das wechselt ja auch dauernd und war immer ein Kampfbegriff. Was ist es heute?"

Er als Künstler komme häufig in seltsames Fahrwasser, erzählt Grebe. Er wolle Musik für Menschen schreiben, gerne auch für viele. Und er schreibe nicht nur Songs für sich, sondern auch für diejenigen, die seine Songs mitsingen wollten. Der Song und auch das Album sagten einerseits etwas aus über die Sehnsucht nach dem Vielen und welche Kompromisse man dafür eingehen müsse. Und andererseits: "Das Volk ist mir eigentlich egal, oder die Nation." Da habe er keine Bezüge.

Reinald Grebe kommt als Musiker viel herum. Er sehe natürlich viel von Deutschland und was in diesem Land derzeit vor sich geht. Die Aufregung verstehe er nicht, sagt er: "Ich bin auch gar nicht aufgeregt, sondern eher ratlos." In Brandenburg wählten nun teilweise ein Viertel der Menschen AfD. Das mache ihm Angst, sagt er. Nun gebe es bald noch eine Wahl. "Gemütlicher wird es nicht", glaubt er. Und die alten Zeiten, in denen man Brandenburg mit Grebes Song assoziierte? Den Song "Brandenburg" spiele er kaum noch, erzählt er. Und "wenn, dann auf Sorbisch."

(aba)

Tonart

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