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Lesart / Archiv | Beitrag vom 12.06.2017

Pulitzer-Preisträger Richard Russo"Hätten meine Figuren Donald Trump gewählt?"

Moderation: Joachim Scholl

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Der US-amerikanische Schriftsteller Richard Russo zu Gast in der Lesart (Deutschlandradio / Maria Lang)
Der US-amerikanische Schriftsteller Richard Russo widmet sich in seinem Roman "Mann der Tat" dem Milieu der kleinen Leute in der US-Provinz. (Deutschlandradio / Maria Lang)

Donald Trump wird die vier Jahre seiner Amtszeit nicht überstehen, prognostiziert der amerikanische Schriftsteller Richard Russo. Es gebe viel Widerstand im Land. Für ihn als Buchautor habe sich plötzlich alles verändert: Er müsse nun auch politische Vorgänge in seinem Land erklären.

Der US-amerikanische Schriftsteller und Pulitzer-Preisträger Richard Russo  ist berühmt  für die Schilderungen des sozialen Milieus in kleinen amerikanischen Städten. Auf diesem Terrain spielt auch sein neuer Roman "Mann der Tat". Es ist das fiktive Städtchen Bath im Staat New York – ein Ort, wo es im Café nicht einmal Espresso gibt.

Richard Russo sieht sich auf gewisse Weise auch als Anwalt und als Stimme der kleinen Leute. Die Faszination für diese Gesellschaftsschicht entspringe einer bestimmten Auffassung, so beschreibt er im Deutschlandfunk Kultur:

"Zu meinen wenigen Überzeugungen als Mann und auch als Schriftsteller gehört es, dass ich der Meinung bin: So etwas wie ein kleines Leben, das gibt es einfach nicht. Und es bereitet mir wirklich auch sehr viel Freude, diese Figuren mit einem reichen, auch emotionsreichen Leben auszustatten, so dass sie einen größeren Resonanzraum erreichen.

Der ist ja nicht nur reserviert für Bürger, denen ganz andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, die Geld haben, die gut ausgebildet worden sind."

Der Buchautor Russo wird plötzlich zum Politikspezialisten  

Das literarische Klientel von Russo, die sogenannten "kleinen Leute", seien die Wähler von Donald Trump gewesen, so heißt es in Analysen. Und mit diesen politischen Ereignissen hat sich auch die Existenz des Buchautors Rosso plötzlich verändert. Er müsse nun auch zu sozialen und politischen Themen in seinem Land Stellung nehmen:

"Ich muss plötzlich politische Fragen beantworten, das war bisher noch nie der Fall. Man fragt mich dann immer: 'Was, zum Teufel, ist los in Amerika? Wie konnte das geschehen?' Und natürlich kommt man dann auch auf meine Figuren zu sprechen. Und die Frage habe ich mir dann auch gestellt: Wie hätten sie wohl gewählt? Obwohl ich natürlich mein Buch weit vor den Wahlen angefangen und geschrieben habe."  

Trump-Wahl: "Mir ist das Herz in die Hose gerutscht"

Nach der Wahl von Trump sei ihm "das Herz in die Hose gerutscht", schildert Russo seine persönliche Einstellung. Er müsse zugeben, dass Trump ihn überrascht habe. Welche Veränderungen wird Amerika unter diesem Präsidenten durchlaufen?

"Ich bin jetzt vorsichtig mit Voraussagen. Weil meine erste Voraussage bestand darin: Er wird niemals Präsident. Trotzdem halte ich es für unwahrscheinlich, dass er wirklich die vier Jahre seiner Amtszeit erleben wird. Ich halte es sogar für unwahrscheinlich, dass er die Halbzeit, also die 'midterm' wirklich noch erleben wird."

Russos Prognose: Trump wird die Midterms nicht überstehen 

Es mache ihm Hoffnung, dass es sofort viel Widerstand gegen Trump und erheblichen Gegenwind gebe, sagt Russo und wagt dann doch eine eindeutige Prognose:

"Wenn es zu den Wahlen in zwei Jahren kommt, den sogenannten 'midterm elections', dann ist es doch sehr wahrscheinlich, dass sowohl das Haus wie auch der Senat wieder zurück an die Demokraten fallen. Und einen Tag später wird es dann mit dem Impeachment losgehen." (ue)

Richard Russo: "Ein Mann der Tat"
Aus dem Amerikanischen von Monika Köpfer
Dumont Verlag, Köln 2017
688 Seiten, 26 Euro

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