Steigende Lebensmittelpreise

„Eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze wäre angesagt“

06:59 Minuten
Kisten mit Lebensmitteln stehen bei der Blankenhainer Tafel für die Kunden bereit. In Thüringen gibt es 32 Tafeln, bundesweit sind es etwa 950.
Kisten mit Lebensmitteln bei einer Thüringer Tafel: Aufgrund der Preissteigerungen sind immer mehr Menschen auf Hilfe angewiesen. © picture alliance / dpa / Martin Schutt
Frank Waskow im Gespräch mit Axel Rahmlow  · 24.05.2022
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Die Preise für Lebensmittel steigen weiter. Die Hersteller schieben es auf den Ukraine-Krieg: Energie, Rohstoffe und Düngemittel hätten sich verteuert. Frank Waskow von der Verbraucherzentrale NRW vermutet, dass auch Mitnahmeeffekte eine Rolle spielen.
„Wir beobachten bei einigen Lebensmitteln überproportionale Preiserhöhungen, die sich alleine mit gestiegenen Energiekosten nicht rechtfertigen lassen“, sagt Frank Waskow. Laut dem Lebensmittelexperten der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfallen besteht zumindest die Vermutung, dass auch Mitnahmeeffekte eine Rolle spielen. Heißt: Händler und Hersteller schieben den Krieg in der Ukraine als Begründung für Preissteigerungen nur vor. Als Beispiel für Nahrungsmittel, die zuletzt sehr viel teurer geworden sind, nennt der Experte Weizenprodukte und Gurken.

Bundeskartellamt soll Preise prüfen

Für die Verbraucherschützer ist es laut Waskow derzeit nicht möglich, zu prüfen, ob die die Begründungen der Hersteller und Händler für die aktuellen Preiserhöhungen stimmen. Waskow wünscht sich eine politische Initiative: Das Bundeskartellamt soll demnach zusätzliche Kompetenzen erhalten, um sich Lebensmittelpreise genauer anschauen zu können. „Für uns ist wichtig, dass auch in der Lebensmittelwirtschaft klar ist: Ab und zu wird hingeschaut“, sagt Waskow. Stichproben reichten.

Günstigere Verpflegung in Kitas

Mit Blick auf die gestiegenen Preise plädiert Waskow für eine staatliche Unterstützung von Menschen mit geringem oder keinem Einkommen, wie etwa Hartz-IV-Bezieher, Studenten und Rentner. „Eine Erhöhung der Hartz-IV-Sätze wäre angesagt“, betont er. „Aber wir können uns auch andere Maßnahmen vorstellen, wie die Mehrwertsteuersenkung oder eine Entlastung von Obst und Gemüse.“ Auch könnte die Verpflegung von Schul- oder Kindergartenkindern günstiger gestaltet werden.
Bei etwaigen Steuersenkungen muss nach Ansicht des Experten allerdings sichergestellt werden, dass sie auch bei den Verbrauchern ankommen. Es brauche Instrumente, das zu kontrollieren.
(tmk)

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