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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.10.2018

Politologe zum Erfolg der GrünenAuf einer Welle des Erfolgs, aber keine Volkspartei

Uwe Jun im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Der Bundesvorsitzende Robert Habeck (l) und der bayerische Spitzenkandidat von Bündnis 90/Die Grünen, Ludwig Hartmann springen bei der Wahlparty der Partei von der Bühne ins Publikum.  (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)
Robert Habeck (links) und Ludwig Hartmann feiern den Erfolg der Grünen: (dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Die Grünen haben ihren Stimmanteil bei der Wahl in Bayern um neun Prozent gesteigert, auch bei der Hessen-Wahl deuten die Umfragen auf einen großen Zuwachs. Aber von einer neuen Volkspartei will der Politikwissenschaftler Uwe Jun doch nicht sprechen.

Exotisch, das war einmal! Die Grünen sind in der Lebenswirklichkeit der Menschen angekommen und surfen auf einer Erfolgswelle. Umwelt im Kopf, Welt im Blick, Freiheit im Herzen und Gerechtigkeit im Sinn – damit werben die Bündnis-Grünen auf ihrer Homepage und offenbar nehmen es ihnen immer mehr Wähler ab. Da ist das gute Ergebnis der Landtagswahl in Bayern, auch die Umfragen in Hessen vor Wahl sind erfolgversprechend. Und auch bundesweit scheint sich gerade was zu verschieben: Würde am kommenden Sonntag gewählt, kämen die  Grünen, laut aktuellem Deutschlandtrend, auf 19 Prozent und wären damit zweitstärkste Kraft. 

Gute Bedingungen für die Grünen

Uwe Jun ist Politikwissenschaftler an der Uni Trier und sagt, den Grünen gelinge es mittlerweile von beiden Volksparteien, von Union und SPD, Stimmen zu gewinnen. "Potenzielle CDU-Wähler wie potenzielle SPD-Wähler sind bereit, für die Grünen zu stimmen."

Zudem profitierten die Grünen davon, dass sie auf Themen setzen, die auf der Agenda weit oben stünden – Umweltpolitik, Klimaschutz, Migration –, während sozial- und wirtschaftspolitische Themen, wo die Grünen nicht so ein klares Profil hätten, gerade keine so große Rolle spielten.

Schließlich sei, nach 13 Jahren mit CDU-Kanzlerin Angela Merkel, auch der Wunsch nach etwas Neuem groß. Das gebe es oft nach so langen Kanzlerschaften, sagt Jun. Und das Führungsduo der Grünen, Robert Habeck und Annalena Baerbock, sei ja auch noch neu. 

Attribut Volkspartei verfehlt

Wenn die Grünen für sich in Anspruch nehmen, sie seien am nächsten dran an der Lebenswirklichkeit der Menschen, stimmt Jun allerdings nur eingeschränkt zu: Die Grünen repräsentierten eben nur eine bestimmte Gruppe: "Meistens gut ausgebildet, eher in den urbanen Zentren lebend, – deren Lebenswirklichkeit spiegeln sie ganz gut wider - übrigens auch eher jünger, also jedenfalls unter 60", sagt Jun. "Wenn Robert Habeck diese Gruppe meint, dann würde ich sagen, da ist was dran."

Von einer Volkspartei will Jun aber nicht sprechen. Die Grünen hätten nur 50.000 bis 60.000 Mitglieder, nicht sehr viele, wenn man davon ausgehe, dass eine Volkspartei sehr viele Gruppen integrieren solle. Zudem sei die Mitgliedschaft auch relativ homogen.

(mf)

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