Polens rechtskonservative Kulturpolitik

    Nun sind die Kunstmuseen an der Reihe

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    Eines der Ausstellungsstücke: Kristian von Hornsleth, Head, 2019.
    Auch der dänische Konzeptkünstler Kristian von Hornsleth stellt in Warschau aus. © Ujazdowski Castle / Centre for Contemporary Art
    Martin Sander im Gespräch mit Britta Bürger · 27.08.2021
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    In Polen findet seit geraumer Zeit ein rechtskonservativer Umbau der Museumslandschaft statt. Der Kunstbetrieb blieb weitgehend verschont. Mit der Ausstellung "Political Art" im Warschauer Zentrum für Moderne Kunst ist damit nun Schluss.
    "Für mich ist vieles wirklich eins zu eins als Hassbotschaft rübergekommen", sagt der Journalist Martin Sander über die aktuelle Ausstellung im Warschauer Zentrum für Moderne Kunst. Sie heißt: Political Art, doch seiner Ansicht nach beschränkt sich diese politische Kunst auf den Tabubruch von rechts.

    Die Ausstellungsmacher propagierten die Freiheit der Kunst und die Freiheit des Wortes nur, wenn es um eine Kritik am Islam, an Migranten oder an der LGBTQ-Community gehe, so Sander, aber kein Wort zu den Begrenzungen der Kunstfreiheit durch die katholische Kirche oder die Nationalkonservativen in Polen oder in anderen Ländern Europas.

    Kritik am "scheinliberalen Westen"

    Den 30 ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern und dem neuen Museumsdirektor Piotr Bernatowicz geht es vordergründig um eine kritische Auseinandersetzung mit der sogenannten Political Correctness, also um die Auseinandersetzung mit einer – in ihren Augen – "scheinheiligen, scheinliberalen und scheintoleranten Kultur des Westens, vor allen Dingen des liberalen Westeuropas", so Sander. Unter den ausstellenden Künstlern ist auch der Schwede Dan Park, der 2009 in Malmö mit Zyklon-B-Behältern vor der jüdischen Gemeinde protestiert hat.
    Doch hintergründig arbeitet Polens nationalkonservativer Kulturminister Piotr Gliński seit geraumer Zeit am Umbau der polnischen Museumslandschaft. Davon waren vor allem die historischen Museen betroffen, die Kunstmuseen konnten weiter ein "unangetasteter Betrieb für Experimente" sein, so Sander.

    Begeisterung und Protest

    Doch mit dieser Ausstellung "ist jetzt wirklich ein Bruch passiert. Da geht etwas Neues los, da versucht man, einen nationalkonservativen Kunstbetrieb zu inszenieren, und das klappt erst mal, da gab es auch zum Teil begeistertes Publikum – aber eben auch viel Protest."
    Vor dem Museumsgebäude wurden Flugblätter verteilt, wurden Durchsagen über Megafone gemacht. 20 große Polizeiautos standen außerdem vorsorglich bereit, sollte die Lage eskalieren. Doch so weit kam es nicht. Aber auch innerhalb der Museumsbelegschaft regt sich Widerstand: Eine Mitarbeiterinitiative hat sich gebildet, wie Sander berichtet. Diese richtet sich nicht nur gegen die Ausstellung selbst, sondern "auch gegen das Verhalten und Vorgehen des gegenwärtigen Direktors".
    "Piotr Gliński, der nationalkonservative Kulturminister, hat klare Vorstellungen, wo er mit seinem Direktor, Piotr Bernatowicz, den er 2020 ernannt hat, hin will. Das ist ganz klar hier. Es geht um eine rigide Durchsetzung nationalkonservativer Vorstellungen im Kulturbetrieb."
    (ckr)
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