Pianist und Musikpädagoge Volker Ahmels

    Erinnerungsarbeit mit Musik

    33:51 Minuten
    Der Direktor des Schweriner Konservatoriums, Volker Ahmels, zeigt in Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) eine Partitur des Komponisten Paul Ben-Haim aus der umfangreiche Partiturensammlung von verfemten Komponisten.
    Ob in der Uni oder im Konzertsaal: Volker Ahmels rettet Musik vor dem Vergessen, die in der Nazizeit verfemt war. © picture alliance / Jens Büttner
    Moderation: Britta Bürger · 18.08.2021
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    "Verfemte Musik", also Musik von in der Nazizeit verfolgten Komponisten, ist ein Spezialgebiet von Volker Ahmels. Dabei verbrachte der Pianist und Musikpädagoge in seiner Jugend oftmals mehr Zeit am Schachbrett als am Klavier.
    Klavierspielen und Schach passen wunderbar zusammen, davon ist Volker Ahmels überzeugt. Auch beim Komponieren brauche man Logik und mathematisches Verständnis. "Es ist auch dieser Fantasiebereich, strategische Überlegungen, wie man Dinge lernt, die Merkfähigkeit schult."

    Der Bewahrer "verfemter Musik"

    Und so vereint Volker Ahmels beides: Mit 15 Jahren gewann er 1976 die deutschen Schülermeisterschaften im Schach, heute ist er ein anerkannter Pianist und Musikpädagoge. Unter anderem ist er Direktor des Konservatoriums in Schwerin und Leiter des Zentrums für Verfemte Musik an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock.
    "Das war in der Entstehungszeit meiner Projekte eine große Herausforderung: Wie benenne ich eigentlich das, was ich mache, weil wir im Jahr 2001 in Schwerin den Wettbewerb 'Verfemte Musik' erfunden hatten. Und die Frage war: Wie kann ich eigentlich alle Verfolgten, die also nicht nur jüdischer Herkunft sind, wie kann ich die definieren? Es gibt ja auch viele Menschen, die verfolgt wurden, die Berufsverbote bekamen, die in die innere Immigration, Isolation gegangen sind. Oder auch politisch verfolgte Kommunisten, die nicht unbedingt jüdischer Herkunft waren. Und dieser Begriff, der hat eigentlich das alles für mich am besten erschlossen."

    Das "Piano Duo": Vierhändig durchs Leben

    Nicht nur die Komponisten und Komponistinnen seien vergessen, so Volker Ahmels, auch ihre Stücke. Sie fänden sich oftmals sprichwörtlich auf dem Dachboden wieder. "Das passiert tatsächlich, dass Familienangehörige noch irgendwelche Noten gefunden haben, wie zum Beispiel im Fall des Komponisten Dick Kattenburg. Und dann sind diese Noten erst mal da. Sie leben noch nicht, und das heißt, da muss es Menschen geben, Musikerinnen und Wissenschaftlerinnen, die dann aus diesem Material die Kunst zaubern und das dann präsentieren."
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    © imago / fStopImages / Malte Müller
    Und auch dies lässt sich Volker Ahmels nicht nehmen: Gemeinsam mit seiner Frau, der Pianistin Friederike Haufe, bildet er das "Piano Duo". Gerade haben sie die CD "Stolen Melodies" eingespielt, mit Stücken des niederländisch-jüdischen Komponisten Dick Kattenbach. Sein Schicksal bewege ihn: "Dieser junge Mensch wurde mit Anfang 20 in Auschwitz ermordet – und eigentlich hat das keiner richtig wahrgenommen. Und wenn man dann sieht, auch so eine kleine Melodie, was sie für einen Charme hat. Der hatte so ein Erfindungsgeist an wunderschönen Melodien."

    Begegnungen mit Zeitzeugen

    Außerdem ist für den Musikpädagogen Ahmels die Begegnung mit Zeitzeugen wichtig, die er zu Schulprojekten einlädt. "Das ist eigentlich das Authentischste, was man lernen kann, wie Menschen betroffen sind von den Schicksalen." Er sei jedes Mal berührt, wie interessiert die Jugendlichen an den Erzählungen seien. "Das sind die schönsten Momente, die man erleben kann, wenn sich Zeitzeugen mit diesen jungen Leuten begegnen."
    (sus)
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