François Ozon zu "Peter von Kant"

"Ich wollte, dass die Tränen echt sind"

12:14 Minuten
Der Regisseur François Ozon lächelt in die Kamera.
"Was mir bei Fassbinder gefällt, ist, dass er die Wahrheit sagt", sagt François Ozon. © picture alliance / Associated Press / Brynn Anderson
François Ozon im Gespräch mit Susanne Burg · 24.09.2022
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François Ozons "Peter von Kant" ist eine Hommage an Rainer Werner Fassbinder. Aber anders als dieser setzt Ozon auf echte Gefühle. Und auch einer toxischen Arbeitsatmosphäre, für die Fassbinder berüchtigt war, kann Ozon nicht viel abgewinnen.
Schon im Filmtitel klingt Rainer Werner Fassbinder an: Wer müsste bei "Peter von Kant" nicht an Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant" denken? Aus der lesbischen Dreiecksgeschichte des Originals wird die Liebe des schwulen Star-Regisseurs Peter von Kant zu dem jungen Amir.
"Ich wollte natürlich kein Remake machen", sagt Regisseur François Ozon mit Blick auf den Fassbinder-Film, "deswegen habe ich das Geschlecht der Hauptfiguren geändert." Aber eigentlich sei die Geschichte universell: "Ob das Frauen oder Männer sind, ist egal."

Im Kino mit der Deutschlehrerin

Ozon entdeckte Fassbinder, als er noch auf das Gymnasium ging. Die Deutschlehrerin nahm die Klasse mit ins Kino, es wurde "Bolwieser" (1983) gespielt. Später als Filmstudent gefiel ihm Fassbinders Arbeitsweise: "Vor allen Dingen, dass er immer mit demselben Team arbeitet, immer mit den gleichen Schauspielern, den gleichen Technikern."

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Auch Fassbinders Blick auf die deutsche Gesellschaft beeindruckte Ozon. Das Gewicht der Vergangenheit und den Schuldkomplex der Deutschen habe Fassbinder in seinen Filmen gezeigt. "Er war da sehr aufrichtig, und sein Blick auf die Deutschen nach dem Krieg war ohne jegliche Scheinheiligkeit. Was mir bei Fassbinder so gefällt, ist, dass er die Wahrheit sagt, und das finde ich sehr stark", sagt Ozon.
Aber anders als der deutsche Regisseur setzt Ozon nicht auf Künstlichkeit, sondern auf große Gefühle: "Ich wollte, dass die Tränen von Peter von Kant echt sind, dass sie den Zuschauer wirklich berühren", sagt er.

Kein sadistischer Machtrausch

Auch die Stimmung am Set sei eine andere gewesen, als bei Fassbinder. Er kenne alle Geschichten, die man sich über den Regisseur erzählt, sagt Ozon: "Wie er seine Macht ausgeübt hat. Wie er sich an dieser Macht berauscht hat, bis hin zu einem gewissen Sadismus." So könne man heute nicht mehr arbeiten. "Ich bin auch der Meinung, man muss das nicht tun. Als Regisseur ist es sehr wohl möglich, auch mit einer gewissen Freude etwas zu schaffen. Man muss dabei nicht immer auf das Leiden setzen“, sagt Ozon.
Filmszene aus "Peter von Kant" mit Hanna Schygulla und Denis Ménochet.
Filmszene aus "Peter von Kant" mit Hanna Schygulla und Denis Ménochet.© MFA+ Film / FOZ / Carole Bethuel
Personell gibt es aber sehr wohl Überschneidungen: Hanna Schygulla, die in vielen Fassbinder-Filmen mitspielt, verkörpert Peter von Kants Mutter. Sie hat das Drehbuch gelesen, erzählt Ozon, und gesagt, dass es Fassbinder sicher gefallen hätte, aber sie mache den Film nicht. Aber warum nicht, habe er gefragt.
"Und sie sagte: 'Im Drehbuch steht, die Mutter ist eine alte Frau mit geliftetem Gesicht, und ich habe niemals irgendwas an mir machen lassen.' Und ich musste lachen und sagte: 'Aber Hanna, darum geht es doch nicht. Das habe ich doch nur so ins Drehbuch geschrieben. Es ist doch egal, ob du geliftet bist oder nicht, ich will mit dir drehen.' Und daraufhin hat sie den Film gemacht", erzählt Ozon.
(beb)

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