Berlinale-Eröffnungsfilm "Peter von Kant"

Tiefe Verneigung vor Fassbinder

06:47 Minuten
Ein Mann im weißen Anzug wendet sich von einer Frau im glitzernden Kleid ab, die ihn melancholisch anblickt.
Wortgefechte über den Sinn von Liebe und Beziehung: Regisseur Peter von Kant (Denis Ménochet) und seine Lieblingsschauspielerin Sidonie (Isabelle Adjani). © C. Bethuel, FOZ
Von Patrick Wellinski · 10.02.2022
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François Ozons "Peter von Kant" ist eine Hommage an den Filmemacher Rainer Werner Fassbinder. Ein Film mit einem sensationell aufspielenden Ensemble und voller intelligenter Reflexionen: rundum gelungen!
Worum geht es?
Der berühmte und berüchtigte deutsche Regisseur Peter von Kant (Denis Ménochet) lebt 1972 in Köln mit seinem Sekretär Karl zusammen. Er arbeitet an mehreren Projekten gleichzeitig, versucht, Romy Schneider für einen Film zu gewinnen, und liefert sich mit seiner Lieblingsschauspielerin Sidonie Wortgefechte über den Sinn von Liebe und Beziehung in der Kunst.
Über sie lernt er den jungen Schönling Amir kennen. Beide Männer gehen eine Beziehung ein. Von Kant macht Amir zum Star. Doch die Liebe und Leidenschaft erwidert der Jüngling mit der Zeit nur noch zögerlich.

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Was ist das Besondere?
Der französische Regisseur und Festivalliebling François Ozon verneigt sich mit "Peter von Kant" tief vor Rainer Werner Fassbinder, indem er dessen Meisterwerk „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ neu interpretiert. Ozon wechselt die Geschlechter in diesem Kammerspiel, in dem es aber immer noch um das Begehren in der Kunst geht, aber auch um die Last des Ruhms und die Frage, ob nicht am Ende jeder doch das eigene Glück vernichtet. Zusammen mit einem sensationell aufspielenden Ensemble fängt er mit viel Mut zur Künstlichkeit den Geist von Fassbinder ein.
Bewertung
Berührend und unterhaltsam sondiert Ozon die emotionalen Landschaften seiner Hauptfigur, die im Grunde Rainer Werner Fassbinder selbst darstellt. Dabei wird der Charakter des Meisterregisseurs sehr gut eingefangen. Sein selbstzerstörerisches Verhalten erscheint zwar monströs, doch Verletzlichkeit und Zärtlichkeit bekommen ebenfalls Raum. Damit verhandelt „Peter von Kant“ auch die Möglichkeiten der filmischen Darstellung von realen Biografien. Das Werk ist voller intelligenter Reflexionen und Interpretationsmöglichkeiten: ein spielerischer und rundum gelungener Berlinale-Eröffnungsfilm.

Peter von Kant
Regie: François Ozon
Frankreich 2022, 85 Minuten
mit Denis Ménochet, Isabelle Adjani, Khalil Gharbia, Hanna Schygulla

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