Fotojournalistin Pamela Spitz

Unterwegs mit „Mister Parkinson”

36:25 Minuten
Pamela Spitz tanzt am Strand.
Pamela Spitz am Meer in Portugal: Solange es noch geht, möchte die Parkinson-Betroffene ihre Beweglichkeit ausnutzen und reisen. © privat
Moderation: Tim Wiese · 22.02.2022
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"Noch zehn gute Jahre", dachte Pamela Spitz, als sie mit 41 die Diagnose Parkinson bekommt. Die Fotojournalistin ändert ihr Leben und begibt sich auf Wanderschaft. In ihrem Buch schreibt sie, wie man sich auf das besinnt, was einen glücklich macht.
Seit sechseinhalb Jahren lebt die Fotojournalistin Pamela Spitz mit der Diagnose Parkinson. Sie leidet derzeit weniger unter einem Zittern, womit die Krankheit häufig assoziiert wird, sondern an einer zunehmenden Versteifung des Körpers. Grund dafür ist, dass die Dopamin produzierenden Nervenzellen langsam absterben.
Direkt nach der Diagnose war sie zunächst froh zu wissen, was mit ihr los war, auch wenn das nicht die besten Aussichten waren: "Ich dachte, vielleicht noch zehn gute Jahre, und dann ist es vorbei."

Konzentration auf das Wesentliche

Um sich klar darüber zu werden, was diese Krankheit, die sie Mister P. nennt, für ihr Leben bedeutet, begibt sich Spitz allein auf eine Wanderung durch Portugal. "Ich habe dann einige Strukturen geändert und mich von Dingen losgelöst. Das hat einfach gut getan."
Auch ihr Mann zählte dazu. Unterwegs habe sie sich auf das Wesentliche konzentrieren können. Ernährt habe sie sich tatsächlich fast nur von dem, was sie unterwegs fand: "Das waren viele Weintrauben, vor allem viele Feigen, Nüsse, Mandeln."
Dieser ersten Reise folgen viele weitere, darunter sehr abenteuerliche. Grenzwertige Begegnungen mit Giftschlangen und Felsspalten schrecken sie nicht. Solange es noch geht, möchte Spitz ihre Beweglichkeit ausnutzen.

Eine Kindheit voller Umzüge

Ein einfaches, naturnahes Leben kennt Spitz schon aus ihrer Kindheit. Als sie zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Ecuador aufs Land – Grund war die Flucht des Vaters, wie sie später erfuhr: "Mein Vater war ein Schlawiner. Der hat in den 70er-Jahren eine Privatbank durch Fehlspekulationen zu Fall gebracht. Er wurde jahrelang von Interpol verfolgt."

Pamela Spitz: "Wanderlust mit Mister Parkinson. Meine Reisen in die Ferne und zu mir selbst"
Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2021
288 Seiten, 18 Euro

Einige Zeit, nachdem der Vater die Familie verlassen hatte, geht die Mutter mit den Kindern zurück nach Deutschland, wo die Schwestern erstmal Deutsch lernen müssen. 1986 folgt ein weiterer Umzug: Aufgrund der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl wird die spanische Insel Formentera zum neuen Lebensmittelpunkt. Dort genießt sie einerseits die Idylle und das Meer, andererseits fehlt neben Strom und fließend Wasser in der Hütte auch die Möglichkeit eine gute Schule zu besuchen. So werden wieder die Sachen gepackt und es folgt der nächste Umzug, diesmal nach München.
"Es war eine sehr abwechslungsreiche Kindheit", resümiert sie.

Vom Fotografieren zum Schreiben

Von Anfang an habe Spitz gewusst, dass sie Journalistin werden will – aber: "Ich habe mir nicht zugetraut, dass ich schreiben könnte." Das habe sich inzwischen geändert, aber damals wählte sie den Umweg über die Fotografie – mit großem Erfolg.
Nach vielen Jahren als Fotojournalistin und Porträtfotografin arbeitet sie heute als Bildredakteurin für eine deutsche Zeitung: ein Job, den sie online erledigen kann, so dass es egal ist, an welchem Ort der Erde sie sich gerade befindet. Eigene Fotos macht sie momentan hauptsächlich für ihren Blog Wanderlust with P, wo sie über ihre Reisen als Parkinson-Betroffene berichtet. 

Hoffen und Reisen

Auf Formentera wird demnächst eine Ausstellung mit Porträtfotos der Inselbewohnerinnen und Inselbewohner zu sehen sein, die Spitz auch als Buch herausbringen wird. Jetzt schon lesen kann man ihr Reisebuch "Wanderlust mit Mister Parkinson".
Spitz hofft, noch eine Weile weiter schreiben zu können, eine Hand funktioniere schon nicht mehr richtig. Mit der Standardmedikation ist sie aufgrund der Nebenwirkungen dennoch vorsichtig, probiert auch andere Behandlungsmöglichkeiten aus und reist vor allem weiter durch die Welt: "Ich habe ja nichts zu verlieren. Das Wichtigste ist, einfach nur glücklich zu sein und sich dieses Glück auch zu holen."
(mah)

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