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Interview / Archiv | Beitrag vom 28.05.2020

Pandemie und SpielCoronakrise bietet Kindern ungeahnte Chancen

Fabienne Becker-Stoll im Gespräch mit Ute Welty

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Eine Kinderhand berührt vorsichtig eine kleine Schnecke auf einem grünen Blatt. (imago/Photocase)
Entdeckung der Langsamkeit: In der Natur zeigen Kinder ihren Spielgeist, sagt die Psychologin Fabienne Becker-Stoll. (imago/Photocase)

Fußball, Musikschule, Englisch: Vor Corona war die Freizeit vieler Kinder durchgetaktet. Jetzt biete sich die Chance für mehr Ruhe und selbstbestimmtes Spielen, sagt die Psychologin Fabienne Becker-Stoll. Voraussetzung dafür: nicht gestresste Eltern.

Die Pandemie hat aus Sicht der Psychologin Fabienne Becker-Stoll durchaus positive Folgen für Kinder. Das Leben ohne den üblichen Termindruck sei "sehr befreiend, sehr entspannend". Und dies auch für Eltern, die sonst ihre Kinder bringen und abholen müssten.

Kinder, gerade im Kindergarten- und Grundschulalter, seien bei uns "sehr stark in die zeitlichen Abläufe und Bedürfnisse der berufstätigen Eltern eingespannt", so die Direktorin des Münchner Staatsinstituts für Frühpädagogik.

"Einer der Sätze, die die Kinder von ihren Eltern am häufigsten hören, heißt: Beeil dich!"

Um allerdings die neu gewonnenen Freiheiten auch wirklich nutzen zu können, bräuchten Kinder die Unterstützung der Eltern, um freie Zeit auch gut strukturieren zu können. Anderenfalls wäre ein vier- bis fünfjähriges Kind überfordert, so Becker-Stoll. In einem sicheren Rahmen könne Kreativität entstehen. 

Stress schadet der Entfaltung

Natürlich sei es eine Herausforderung, wenn Eltern in dieser besonderen Zeit gestresst seien, räumt die Psychologin ein. Doch diese Herausforderung gebe es im "normalen Nicht-Corona Alltag" auch.

"Stressfaktoren sind leider die Entfaltungsmöglichkeitskiller Nummer eins", sagt Becker-Stoll. Für gestresste Eltern sei es "besonders schwierig, sich den Kindern so zuzuwenden, dass sie sie auch gut sehen in ihren Bedürfnissen". 

Eltern sollten gemeinsam mit ihren Kindern deren eigene Wünsche spüren lassen und ihnen zeigen: Wir haben Zeit. "Kinder, die dazu nie Gelegenheit hatten, tun sich da etwas schwerer, aber Eltern auch", sagt Becker-Stoll. Es gehe darum, sich auf ein "kindgeleitetes Spiel" einzulassen:

"Das ist eine wunderbare Sache, weil die Kinder dann etwas lernen können, was sie in hektischen Zeiten kaum lernen können - nämlich zu spüren, was tut mir jetzt gut, was möchte ich jetzt machen."

Das Motto des heutigen Weltspieltages, "Raus in die Natur!", hält die Psychologin auch für Stadtkinder umsetzbar. Man könne in Deutschland relativ gut einen nahegelegenen Forst finden: "Im Wald wird Kindern normalerweise – mit Eltern, die sie begleiten – nie langweilig." 

(bth)

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