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Interview | Beitrag vom 28.06.2019

Paläoökologe über Moore und KlimaschutzEiner der größten CO2-Speicher der Welt

Hans Joosten im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Abgestorbene Bäume und Wolken spiegeln sich im Wasser des Schwenninger Moos, Baden-Württemberg (picture alliance/ imagebroker/ Markus Lange)
Moore schützen das Klima, aber nur, wenn sie intakt sind. (picture alliance/ imagebroker/ Markus Lange)

Moore speichern Kohlendioxid in riesigen Mengen. Werden sie jedoch trocken gelegt, etwa für Weideflächen oder Getreideanbau, setzen sie das CO2 frei, sagt Moor-Experte Hans Joosten. Er erforscht, wie Bauern Moore nutzen können, ohne sie zu zerstören.

Sie enthalten bis zu 95 Prozent Wasser, bedecken etwa drei Prozent der Erdoberfläche und speichern mehr CO2 als alle Wälder der Welt zusammen. Schon an diesen wenigen Zahlen lässt sich ablesen, dass intakte Moore eine große Rolle beim Klimaschutz spielen. Denn legt man diese trocken, geben sie das gespeicherte CO2 frei – und das ist wiederum schädlich für das Klima.

"Moore sind spannende und eigentlich ideale Ökosysteme. Sie besitzen die Eigenschaften von Organismen, die sich selbst regulieren", sagt der Paläoökologe und Moorkundler Hans Joosten, der diese Ökosysteme an der Universität Greifswald erforscht. Bislang seien etwa 15 Prozent der Moore weltweit entwässert worden – vor allem, um diese landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Doch diese 15 Prozent seien "verantwortlich für fünf Prozent aller von Menschen verursachten Emissionen."

Ein Dilemma: Bauern brauchen trockene Flächen

Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, müssten trockengelegte Moore wieder vernässt werden, so Joosten. Damit befänden die Menschen sich in einem Dilemma: Um Milchwirtschaft betreiben und Mais, Getreide oder Kartoffeln anbauen zu können, brauche es trockene Flächen. Damit die Bauern nicht ihre Existenzgrundlage verlören, müssten alternative Kultivierungsformen weiterentwickelt werden – sodass sich Moore weiterhin wirtschaftlich nutzen ließen. Dafür arbeiten Joosten und seine Kollegen und Kolleginnen an der Weiterentwicklung der sogenannten Paludikultur.   

Der Anbau von Röhrichten für Dachreet ist ein Beispiel dafür. Schilfanbau kann auch für die Energiegewinnung aus Schilfbiomasse genutzt werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Kultivierung von Torfmoosen  - als Torfersatz in Kultursubstraten im Gartenbau.

(mkn)

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