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Interview | Beitrag vom 10.02.2020

Oscar-Verleihung in Los Angeles"Parasite" als bester Film ausgezeichnet

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Regisseur Bong Joon Ho und sein "Parasite"-Team auf dem roten Teppich. (picture alliance / Photoshot)
Regisseur Bong Joon Ho und sein "Parasite"-Team auf dem roten Teppich. (picture alliance / Photoshot)

Der südkoreanische Film "Parasite" hat den Oscar als bester Film des Jahres gewonnen. Die schwarze Komödie von Regisseur Bong Joon-ho wurde in Hollywood mit dem wichtigsten Filmpreis der Welt ausgezeichnet - als erster fremdsprachiger Film in der Oscar-Geschichte.

Renée Zellweger bekam den Preis für die beste weibliche Hauptrolle ("Judy"). Als bester männlicher Hauptdarsteller wurde Joaquin Phoenix ("Joker") geehrt. Phoenix hielt eine außergewöhnlich engagierte Dankesrede:

Der Regie-Oscar ging an den Regisseur von "Parasite", Bong Joon-ho. Der Streifen aus Südkorea gewann insgesamt vier Oscars, darunter die Auszeichnung für den besten Film. Erstmals hat damit eine nicht-englischsprachige Produktion in der Königskategorie der Academy Awards triumphiert. Bong Joon-ho zeigte sich in seiner Dankesrede überwältigt und würdigte Branchengrößen wie Martin Scorsese, Quentin Tarantino und Sam Mendes.

Unser Filmkritiker Patrick Wellinski begrüßt den Triumph von "Parasite". Die Gesellschaftssatire, bei der sich eine arme Familie in eine reiche einschleuse, handle von einem Thema, mit dem alle etwas anfangen könnten: "Klassengesellschaft, Ungerechtigkeit, das hat nicht nur etwas mit Südkorea heute zu tun, das hat genauso mit Berlin-Mitte zu tun oder mit New York." Zudem bespiele "Parasite" die gesamte Klaviatur des Kinos, sei Komödie, Drama und Horrorfilm zugleich.

Szene aus dem Film "Parasite" von Regisseur Joon-ho Bong. Eine junge Frau und ein junger Mann sitzen in einem Badezimmer und starren auf ihr Smartphone.  (picture alliance/dpa/Neon/Entertainment Pictures/ZUMAPRESS)Überraschungssieger: Szene aus dem Film "Parasite". (picture alliance/dpa/Neon/Entertainment Pictures/ZUMAPRESS)

Zudem sieht Wellinski Bong Joon-hos Film als "Hoffnungsschimmer" für das Kino überhaupt. Denn der Film funktioniere nach Mustern, die Hollywood erfunden habe, aber derzeit offenbar nicht umsetzen könne: "Diese Branche steckt in einer Krise. Man weiß nicht, was man produzieren muss. Man geht auf Nummer sicher."

Inspiration für Hollywood

Wellinski hofft nun, dass "Parasite" Hollywood inspiriert: "Hollywood sieht: Parasite ist keine Comicverfilmung, Parasite ist kein Remake, Parasite ist kein Franchise, Parasite kommt nicht von Disney." Bereits im Oktober sprach Wellinski in unserer Kinosendung "Vollbild" mit dem Regisseur über seinen Film. Hier können Sie das Gespräch hören:

"Parasite" stellte unter anderem das Weltkriegs-Epos "1917" in den Schatten, das als großer Oscar-Favorit gegolten hatte. An das Kriegsdrama gingen drei Oscars: Es wurde für die Tonmischung und die besten Spezialeffekte ausgezeichnet, Roger Deakins bekam den Preis für die beste Kamera.

Brad Pitt und Laura Dern gewannen Oscars als beste Nebendarsteller. Pitt wurde für seine Rolle in dem Tarantino-Film "Once Upon a Time... in Hollywood" ausgezeichnet, Dern für "Marriage Story" des Regisseurs Noah Baumbach. Es waren die ersten Schauspiel-Oscars für Pitt und Dern.

Zeichen für einen Sinneswandel

"Joker" war mit elf Nominierungen ins Rennen gegangen. "The Irishman", "Once Upon a Time... in Hollywood" und "1917" folgten mit jeweils zehn Nominierungen. "Jojo Rabbit", "Little Women", "Marriage Story" und "Parasite" waren je sechs mal nominiert worden.

Die Oscars wurden zum insgesamt 92. Mal in Los Angeles vergeben. Der Hauptpreis für "Parasite" ist auch ein Zeichen eines Sinneswandels - Hollywood stand zuletzt zunehmend in der Kritik, zu alt, zu weiß und zu männlich zu sein.

(ahe/uko)

Alle Oscars in der Übersicht:
Bester Film:
"Parasite" von Bong Joon-ho
Regie: Bong Joon-ho für "Parasite"
Hauptdarsteller: Joaquin Phoenix in "Joker"
Hauptdarstellerin: Renée Zellweger in "Judy"
Nebendarstellerin: Laura Dern in "Marriage Story"
Nebendarsteller: Brad Pitt in "Once Upon a Time ... in Hollywood"
Internationaler Film: "Parasite" von Bong Joon-ho
Kamera: Roger Deakins für "1917"
Original-Drehbuch: Bong Joon-ho und Han Jin Won für "Parasite"
Adaptiertes Drehbuch: Taika Waititi für "Jojo Rabbit"
Schnitt: Michael McCusker und Andrew Buckland für "Le Mans 66: Gegen jede Chance"
Filmmusik: Hildur Gudnadóttir für "Joker"
Filmsong: "(I'm Gonna) Love Me Again" von Elton John und Bernie Taupin (für "Rocketman")
Produktionsdesign: Barbara Ling und Nancy Haigh für "Once Upon a Time ... in Hollywood"
Tonschnitt: Donald Sylvester für "Le Mans 66 - Gegen jede Chance"
Tonmischung: Mark Taylor und Stuart Wilson für "1917"
Visuelle Effekte: Guillaume Rocheron, Greg Butler und Dominic Tuohy für "1917"
Animationsfilm: "A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" von Josh Cooley
Animations-Kurzfilm: "Hair Love" von Matthew A. Cherry, Everett Downing Jr. und Bruce W. Smith
Dokumentarfilm: "American Factory" von Steven Bognar und Julia Reichert
Dokumentar-Kurzfilm: "Learning to Skateboard in a Warzone (if you're a Girl)" von Carol Dysinger
Make-up/Frisur: Kazu Hiro, Anne Morgan und Vivian Baker für "Bombshell - Das Ende des Schweigens"
Kostümdesign: Jacqueline Durran für "Little Women"
Kurzfilm: "The Neighbors' Window" von Marshall Curry

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