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Interview | Beitrag vom 16.05.2020

Offener Brief von 3000 Wissenschaftlern"Business as usual" darf es nach Corona nicht geben

Lisa Herzog im Gespräch mit Ute Welty

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Illustration einer Frau mit Taschenrechner-Rucksack, die eine Finanzprognose erstellt. (imago/Ikon Images/Alice Mollon)
(imago/Ikon Images/Alice Mollon)

3.000 Wissenschaftler aus aller Welt fordern, die Arbeitswelt nachhaltiger zu gestalten und zu demokratisieren – weil der Mensch mehr als nur Ressource ist. Für die Philosophin Lisa Herzog ist es kein Zufall, dass die Aktion von Frauen initiiert wurde.

Arbeit demokratisieren, von der Marktabhängigkeit befreien und nachhaltiger gestalten: Diese Konsequenz aus der Coronakrise zu ziehen, fordern 3.000 Wissenschaftler von 600 Universitäten weltweit in einem offenen Brief

"Diese Krise ist ein historischer Einschnitt, und die Frage ist: Wollen wir danach einfach zurück zu business as usual – obwohl wir ja eigentlich wissen, dass die Wirtschaftssysteme, die wir derzeit haben, viele Probleme aufweisen?", sagt die Mitunterzeichnerin Lisa Herzog, Professorin am Centre for Philosophy, Politics and Economics der Universität Groningen. 

Konkret fordern die Unterzeichnenden mehr Mitbestimmung für Beschäftigte, außerdem mehr öffentliche Beschäftigung, sollte nach der Coronakrise die Arbeitslosigkeit steigen. Und als dritten Punkt, die Wirtschaft und Arbeitswelt nachhaltig zu gestalten. "Denn wenn wir immer weiter in Richtung mehr CO2-Verbrauch gehen, dann ist das einfach für das menschliche Leben auf diesem Planeten nicht haltbar."

Frauen sehen die Wirtschaftswelt anders

Die Unterzeichner möchten erreichen, dass bei der Entscheidung über die richtigen Weichenstellungen nicht nur auf die Ökonomen gehört wird, sondern auch auf die Sozialwissenschaftler: "Es muss hier um den Dialog gehen."

Kein Zufall ist es für Herzog, dass die Aktion von Frauen initiiert wurde. Denn aufgrund ihrer Sozialisation hätten Frauen eine etwas andere Sicht auf die Wirtschaftswelt - "oft eine sehr viel kritischere", betont die Philosophin. "Und die Frage ist schon: Wurden da die Stimmen von Frauen einfach historisch oft auch nicht gehört?" Dazu solle hier ein gewisses Gegengewicht geschaffen werden.

(uko)

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