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Frühkritik | Beitrag vom 18.12.2020

Nick Kolakowski: "Love & Bullets"Ein Gangsterpärchen im Kugelhagel

Von Sonja Hartl

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Das Cover des Buches von Nick Kolakowski: "Love and Bullets" auf orangen-weißem Hintergrund. (Suhrkamp / Deutschlandradio)
Nick Kolakowskis "Love & Bullets": ein witzig-cleverer Gangster-Roman. (Suhrkamp / Deutschlandradio)

Coldplay-Songs, Kakerlaken und ein Killer im Elvis-Kostüm: Nick Kolakowski hat mit "Love & Bullets" den witzigsten Gangster-Roman des Jahres geschrieben – und der Geschichte von Bonnie und Clyde ein cleveres Update verpasst.

Der Betrüger Bill hatte eine ziemlich schlechte Idee. Er hat sich mit ein paar Millionen Dollar des Gangster-Syndikats abgesetzt, für das er in New York gearbeitet hat. Nun ist er mit seinem Auto auf dem Weg an die Westküste, aber er weiß, dass der Rockaway-Mob ihn verfolgen wird. Aber Bill hat Glück: Sie haben Fiona auf ihn angesetzt. Fiona ist eine effektive Killerin – und war mit Bill liiert. Sie ist ziemlich sauer auf ihn, aber sie rettet ihn aus den Fängen einer psychopathischen Großfamilie in Oklahoma und macht sich mit ihm auf den Weg gen Mexiko.

Ein aberwitziger Zwischenfall jagt den nächsten

Das ist lediglich der erste, sehr komische Akt von Nick Kolakowskis "Love & Bullets", zwei weitere folgen. In den USA sind die einzelnen Teile nacheinander erschienen, hierzulande erscheinen sie in einem Buch. Das gibt diesem Krimi ein ungemein hohes Tempo, bei dem aberwitziger Zwischenfall auf noch aberwitzigeren Zwischenfall folgt, ohne dass es übertrieben ist. Vielmehr erinnert "Love & Bullets" bisweilen an ein klassisches Drama – mit sehr vielen umherfliegenden Kugeln.

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Die klassisch angehauchte Geschichte eines Liebespaares gegen die Gangster dieser Welt steckt voller Drehungen, Wendungen und gut überlegter Details. Bill ist auf den ersten Blick ein harmloser Dandy, der mutiger ist, als ihm oftmals zugestanden wird. Fiona hat das Sagen, weiß aber auch sehr genau, dass Bill ihr schwacher Punkt ist. Dazu kommen ein Killer im Elvis-Kostüm, Verbrecher mit klaren Verhaltensvorstellungen, das perfekte Versteck für ein Drogenlabor und ein Erzähler, der pointierte Vergleiche findet:

"Ich musste es dem Mann lassen: Warum sich die Mühe machen und seinen Mut bei einer Schießerei beweisen, wenn man auch Meeresfrüchte in einem Etablissement bestellen kann, dessen Kakerlaken so groß sind, dass sie die Defensive Line eines NFL-Teams bilden könnten".

Clevere Genre-Geschichte ohne überhöhtes Pathos

Schon diese Sätze bieten mehr als eine Pointe, in ihnen steckt auch eine gelassene Erzählhaltung. Und Haltung haben die wichtigsten Figuren in diesem großen Krimi-Spaß allemal. So würde sich Bill lieber direkt ermordet lassen, als weiter in dem Tesla eines psychopathischen Gangster-Pärchens dessen Lieblingsband Coldplay anhören zu müssen. "Love & Bullets" ist daher schlichtweg eine sehr witzige, gekonnt dreckige und clevere Genre-Geschichte ohne überhöhtes Pathos. Komischer wird es dieses Jahr nicht mehr.

Nick Kolakowski: "Love & Bullets"
Aus dem Amerikanischen von Stefan Lux
Suhrkamp, Berlin 2020
423 Seiten, 11 Euro

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