Neu im Kino: "Online für Anfänger"

    Drei gegen die Tech-Giganten

    06:41 Minuten
    Die drei Darsteller von Corinne, Bertrand und Blanche sitzen nebeneinander.
    Corinne, Bertrand und Blanche beraten ihre Situation: Szene aus "Online für Anfänger" von Bénoit Delépine und Gustave Kervern. © X Verleih AG / filmpresskit.de
    Von Jörg Taszman · 28.10.2021
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    Von Online-Shopping bis Mobbing: Marie, Bernard und Christine sind Gestrauchelte im Alltag einer digitalisierten Welt. Da kann nur noch ein genialer Hacker helfen, glauben die drei in der französischen Filmkomödie „Online für Anfänger“.
    Es ist ein Film über unsere Welt im digitalen Zeitalter. Marie und Bernard sind Nachbarn in einer langweiligen Einfamilienhaus-Siedlung. Beide sind arbeitslos und verschuldet. Bernard lässt sich immer neue Verträge per Handy und Internet aufschwatzen.
    Marie wird von einem jüngeren One-Night-Stand-Liebhaber erpresst, der ohne ihre Zustimmung ein Sexvideo mit ihr drehte und droht, es ins Netz zu stellen. Aus längst vergangenen Protesttagen als Gelbwesten kennen beide noch Christine, die als Kurierfahrerin arbeitet und immer nur schlechte Bewertungen und daher weniger Aufträge erhält.
    Für Marie, Bernard und Christine sind die Tech-Giganten wie Facebook oder Google schuld an ihrer Misere. Sie wollen sich rächen und suchen einen genialen Hacker auf, der nur Gott genannt wird.

    Was ist das Besondere?

    Die beiden Regisseure Bénoit Delépine und Gustave Kereven stehen für so schräge Anarcho-Komödien wie "Louise Hires a Contract Killer" oder "Mammuth" und riefen in "Der Tag wird kommen" auch schon einmal zur Revolution auf. Treffend beobachten sie unseren absurden Alltag, der aus vergessenen Passwörtern, sinnlosen Onlinebewertungen und Mobbing im Netz besteht.
    Dabei sympathisieren sie eindeutig mit den Verlierern des Kapitalismus, setzen auf einen Schuss Sozialkritik und bleiben ihren "Losern" treu, ohne sich in Larmoyanz zu verlieren.

    Bewertung

    "Online für Anfänger" bleibt immer eine Tragikomödie mit Ecken und Kanten, glänzt durch ein paar schöne Regieeinfälle, die zu klamaukige Szenen relativieren. Vielleicht der bisher überzeugendste Film der beiden selbsterklärten Regie-Punks, weil er mehr als sonst auch auf Empathie mit den Figuren setzt. Ideale Unterhaltung für alle vom digitalen Alltag geschädigten Otto-Normal-User.

    "Online für Anfänger"Komödie, Frankreich 2020
    Regie: Bénoit Delépine und Gustave Kervern
    Mit Blanche Gardin, Denis Podalydès und Corinne Masiero
    110 Minuten, ab 12 Jahren

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