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Fazit / Archiv | Beitrag vom 25.08.2017

Museumsshop in der Hamburger KunsthalleSeifenoper zum Schnäppchenpreis

Von Axel Schröder

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Eine Elbphilharmonie aus Seife im Museumsshop der Hamburger Kunsthalle (Deutschlandradio / Axel Schröder)
Eine Elbphilharmonie aus Seife im Museumsshop der Hamburger Kunsthalle (Deutschlandradio / Axel Schröder)

Seit 1923 verkauft der Museumsladen in der Hamburger Kunsthalle "risikoarmes" Kulturgut wie Postkarten, Kataloge und Radiergummis. Für 29 Euro ist nun auch die Elbphilharmonie zu erwerben - aus Seife und in "limitierter" Auflage von 789 Millionen Stück.

In einer Stunde, um zehn Uhr früh öffnet die Hamburger Kunsthalle und mit ihr der Museumsshop des Hauses. Noch ist es leer im weiten Treppenhaus, nur die Putzkolonnen sind unterwegs, der Terrazzoboden aus vielen hellen Mosaiksteinen bereit für die Besucherscharen. Meike Cattarius, die Leiterin des Museumsshops, schließt die schweren, hohen Türen auf.

"Wir haben den schönen alten Liebermann-Saal bekommen, wo ursprünglich die 'Liebermänner' hingen. Und haben einen wunderbaren Ausblick aus drei großen Fenstern auf die Stadt. Und haben einen sehr, sehr hohen Raum. Knapp sechs Meter hoch, mit Stuck, den wir, denke ich, ganz schön gestaltet haben mit ganz klassischen schwarzen Möbeln, nach Themen sortierte Tische, eine ganze große Postkartenwand mit den ganzen Sammlungsmotiven. Hier findet, glaube ich, jeder, was er möchte und was er braucht."

Natürlich finden die Kunden hier auch ganz typische Museumsshop-Produkte: Bleistifte, Radiergummis mit klugen Sprüchen großer Künstler, unzählige Postkarten, nach den Künstlernamen alphabetisch sortiert oder dicke Ausstellungskataloge. Aber sofort fällt ins Auge, dass auf den fünf Tischen kein Einheits-Standard-Repertoire angeboten wird, sondern sorgsam ausgewähltes Material.

Aus Anlass der aktuellen Ausstellung "Art and Alphabet" arbeitet der Museumsshop mit dem Hamburger Künstler Harald Stoffers und den Behindertenmanufaktur "Elbe-Werkstätten" zusammen: "Er ist Künstler und lebt dort auch. Und er hat mit dem Thema 'Schrift' sich sein Leben lang beschäftigt. Das ist so eine Manie quasi, die sich bei ihm aber sehr ästhetisch auswirkt."

"Und wir haben ganz viele Produkte von ihm: wir haben Schals von ihm, die er bestickt und beschrieben hat, dann haben wir Tassen hier. Er hat immer so einen bestimmten Schriftzug: 'Liebe Mutti…' – er schreibt immer Briefe an seine Mutter. Wir haben einen Stoffbeutel von ihm, der unglaublich gut läuft, weil er einfach auch dekorativ ist. Dann haben wir natürlich Literatur zum Thema 'Alphabet', zu Schriften: Japanisch, Aramäisch, alle möglichen Typographie-Bücher, Spiele zu Typographie. Wir haben viele Kinderbücher zum Thema 'ABC'. Ein sehr reichhaltiges, unterschiedliches Angebot."

"Risikoarme" Literatur passend zur Ausstellung

Zu dem auch die Druckmaschinen-Enthusiasten des Hamburger "Museums der Arbeit" aufwendig gesetzte Drucke beigesteuert haben. Seit 1923 gibt es den Museumsshop in der Kunsthalle. Damals gründete sich der "Verein der Freunde der Kunsthalle" und machte es sich zum Ziel, mit dem Verkaufsladen den Museumsbetrieb mit zu finanzieren. Das gelänge auch heute noch, erzählt Meike Cattarius.

"Diesen Shop, den betreibt der Förderverein. Und wir machen den ganz in eigener Regie. In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Felix Jud am Neuen Wall. Die beliefern uns mit Büchern. Risikoarm. Wir arbeiten ganz eng zusammen für Ausstellungen, überlegen, welche Literatur passt. Aber wir dürfen eigentlich frei entscheiden. Ich habe völlig freie Hand beim Bestellen, im Produzieren von Artikeln. Es ist ein Traumjob!"

Im Museumsshop der Kunsthalle entdeckt man Dinge, von denen man bislang nicht mal ahnte, dass es so etwas geben könnte. Mein klarer Favorit: die so genannte "Seifenoper Hamburg" für 29 Euro: auf einer kleinen dunkelgrauen Beton Schale thront ein Stück Seife in Form der Elbphilharmonie. Die Oberseite ist sanft geschwungen wie das Dach des Konzerthauses. Die Auflage ist limitiert auf 789 Millionen Stück - eine Anspielung auf den wahnwitzigen Preis der echten Elbphilharmonie.

"Es ist natürlich mit einem Augenzwinkern gemacht. Sie wird immer weniger, die Elbphilharmonie, ist aber tatsächlich erschwinglich. Jeder kann sich sein Stück Elbphilharmonie kaufen, sein Stück Kulturgut sozusagen."

Und Postkarten, Popup-Klappkarten, Bildbände des Konzerthauses sind im ersten Jahr nach dessen Fertigstellung ein Verkaufsschlager, erzählt Meike Cattarius. Zum Hype um die "Elphi" ist die "Seifenoper Hamburg" in jedem Fall ein erfrischend ironisches Statement.

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