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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 19.10.2015

Mongolei Ein Land der Extreme

Von Markus Rimmele

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Schamane aus der Mongolei (dpa / picture alliance / EPA / How Hwee Young)
Der mongolische Schamane Batgerel Batmunkh segnet ein Messer mit der Zunge während eines Heilungsrituals. (dpa / picture alliance / EPA / How Hwee Young)

Vor allem China hat in der Mongolei für Konjunktur gesorgt. Jetzt schwächelt die Wirtschaft der Volksrepublik, und mongolische Exportgüter wie Kupfer, Öl und Eisenerz werden weniger nachgefragt. Die Abhängigkeit von China macht sich in Der Mongolei schmerzhaft bemerkbar.

Ulan Bator, 15. September. Die Mongolei feiert den 800. Geburtstag von Kublai Khan, dem Enkel Dschingis Khans, der über das größte Staatsgebilde der Weltgeschichte herrschte. Das mongolische Reich im 13. Jahrhundert reichte von Osteuropa bis nach China. An der Feier nehmen Vertreter des Staates und der Regierung teil.

Die Geschichte ist wieder ein wichtiger identitätsstiftender Faktor in der modernen Mongolei. Vom alten Ruhm ist freilich wenig übrig. Jahrhunderte lang war das Land im östlichen Zentralasien von China beherrscht. Dann, im 20. Jahrhundert, gewann die Sowjetunion Einfluss. Die Mongolei wurde kommunistisch. 1992 verwandelte sich das Land schließlich in eine parlamentarische Demokratie. An der Spitze steht der Staatspräsident, der direkt gewählt wird. Die Regierung führt der vom Parlament bestimmte Ministerpräsident.

Die Mongolei ist ein Land der Extreme. Von der Fläche her viereinhalb Mal so groß wie Deutschland, bewohnt aber nur von drei Millionen Einwohnern. Der Großteil des Staates ist von Wüsten, Steppen und Grasland bedeckt. Das Land ist eingequetscht zwischen den Riesen Russland im Norden und China im Süden. Die geographische Lage ist Segen und Fluch zugleich.

"Die Mongolei ist von zwei großen Nachbarn umgeben, sagt der Premierminister Tschimediin Saichanbileg von der Demokratischen Partei, die seit 2012 regiert. Das kann man als Nachteil ansehen. Wir sind ein eingeschlossener Binnenstaat. Aber unsere Lage hat auch Vorteile: China ist heute einer der größten Märkte der Welt, und er liegt vor unserer Haustür. Diesen Vorteil müssen wir nutzen."

Und die Mongolei nutzt ihn. 90 Prozent der Exporte, vor allem Rohstoffe, gehen in die boomende Volksrepublik. Das ist lukrativ, schürt aber auch Ängste in einem Land, dessen kleine Bevölkerung bequem in einem Shanghaier Vorort Platz finden könnte. Die mongolische Journalistin Delgermaa.

"Die Mongolen hatten immer Angst vor den Chinesen. Und diese Angst ist in den letzten Jahren noch mehr geworden, weil sie noch abhängiger von China geworden sind."

Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Währungsverfall

Die doppelte Abhängigkeit vom Rohstoffexport und von China macht sich jetzt schmerzlich bemerkbar. Nach Jahren des Bergbaubooms steckt die Branche seit zwei Jahren in der Krise. Chinas Wirtschaft wächst deutlich langsamer, braucht weniger Kohle, Kupfer und andere Rohstoffe aus der Mongolei, einem der rohstoffreichsten Länder der Welt. Weltweit fallen zudem die Preise. Hinzu kommen Querelen mit ausländischen Bergbaukonzernen, deren Investitionen stark gesunken sind.

Hohe Staatsverschuldung, Arbeitslosigkeit und Währungsverfall machen dem Land zu schaffen. Ein Drittel der Bevölkerung lebt in Armut. Jenseits des Bergbaus gibt es nur wenige größere Wirtschaftsbereiche. Fleisch, Wolle, Milchprodukte aus der Viehzucht, ein bisschen Ackerbau. Mehr als 40 Prozent der Mongolen wohnen in der Hauptstadt Ulan Bator. 30 Prozent leben noch immer von der Viehwirtschaft. Die Alphabetisierungsquote erreicht hohe 98 Prozent. Die größten Herausforderungen der Regierung sind eine von der Bevölkerung mit getragene Vergabe der Bergbaulizenzen und die Diversifizierung der Wirtschaft.

Neben den beiden großen Nachbarn Russland und China kommt Deutschland in der Mongolei eine wichtige Rolle zu. Zu kommunistischen Zeiten entstanden enge Kontakte zur DDR. 30.000 Mongolen sprechen Deutsch. Die Journalistin Delgermaa.

"Das ist das einzige Land in Europa, zu dem wir viel und guten Kontakt und Beziehung haben. In Deutschland studieren auch sehr viele mongolische Studenten. In der DDR-Zeit auch. Und wir haben auch bis heute einen sehr guten Kontakt."

Seit der Demokratisierung der Mongolei leben alte Traditionen wieder auf. Der tibetisch geprägte Buddhismus zum Beispiel. Nationalsportarten sind Ringen, Bogenschießen und Pferderennen. International bekannt ist zudem der mongolische Obertongesang.

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