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Fazit | Beitrag vom 21.12.2020

ModeFFP2 ist besser als die Designermaske

Elke Gaugele im Gespräch mit Vladimir Balzer

Zwei Hände halten eine eingepackte FFP2-Maske. (picture alliance / dpa / Eibner-Pressefoto | Fleig)
Die FFP2-Maske: Schön ist anders. Aber sie schützt. (picture alliance / dpa / Eibner-Pressefoto | Fleig)

In unserer neuen Reihe "Das große Innehalten" beleuchten wir, wie die Coronapandemie in diesem Jahr unser Leben verändert hat. Zum Auftakt sprechen wir mit der Kulturwissenschaftlerin Elke Gaugele über das Thema Mode.

In der Reihe "Das große Innehalten" kommen eine Woche lang namhafte Experten und Expertinnen zu Wort, die anhand von sieben Lebensbereichen beleuchten, was die Pandemie mit uns gemacht hat. Wer werden wir sein, wenn sie vorbei ist? Es geht um die Themen Freundschaft, Vertrauen, Wohnen, Heimat, Wissenschaft, Zeitempfinden und Mode.

Die Kulturwissenschaftlerin Elke Gaugele, Professorin für Moden und Styles an der Akademie der Bildenden Künste in Wien, hat während der Pandemie einen verstärkten Trend zum Legeren beobachtet. Das könne man beispielhaft bei den Herstellern von Herrenanzügen beobachten, sagt Gaugele.

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Abgesagte Konferenzen und Reisen, der Gang ins Büro: Die Anlässe, Anzüge zu tragen, seien weggefallen, die Modefirmen hätten sich deswegen umorientiert und casual wear und Sportbekleidung gefertigt. Dass dieser Trend auch nach der Pandemie anhält, glaubt Gaugele aber nicht.

Elke Gaugele blickt in Richtung des Betrachters. (Die Presse / Clemens Fabry)Für Elke Gaugele, Modeprofessorin in Wien, ist bei Masken der Schutzfaktor wichtiger als die ästhetische Dimension. (Die Presse / Clemens Fabry)

Obwohl es mittlerweile von so gut wie jeder Designermarke Masken zum Schutz gegen eine mögliche Virusinfektion gibt, bevorzugt die Modefachfrau die funktionale FFP2-Maske. Diese erinnert Gaugele an einen Kaffeefilter: "Ich finde, es soll etwas bringen. Ich finde sie zwar schrecklich, aber ich möchte einfach, dass sie schützt und ich möchte etwas dazu beitragen, dass das Virus sich nicht verbreitet, deswegen lieber Kaffeefilter als Designermaske."

Verlust von Arbeitsplätzen in der Modeindustrie

Den Wunsch vieler Menschen, mit einer Maske ein modisches Statement abgeben zu wollen, könne sie aber gut verstehen, sagt Gaugele. Die Modewirtschaft habe auch entsprechend reagiert, indem beispielsweise auf German Fashion Net, einem Portal der deutschen Modeindustrie, eine "Maskenplattform" eingerichtet worden sei.

Die Modebranche habe unter der Pandemie extrem gelitten, sagt Gaugele. Auf dem Watchportal Clean Clothes Campaign könne man beispielsweise nachvollziehen, wie viele Arbeiterinnen und Arbeiter, hauptsächlich in ostasiatischen Ländern, coronabedingt ihre Arbeitsplätze verloren haben.

Diskussion um mehr soziale Gerechtigkeit

Doch der Lesart, dass die Pandemie die Hoffnung auf mehr Gerechtigkeit bei der Herstellung von Mode zurückgeworfen habe, will sich Gaugele nicht anschließen.

Sie geht vielmehr vom Gegenteil aus. Modestücke würden "jetzt mehr über ihren Wert angeschaut". Die Pandemie habe die Diskussion über "Fashion Revolution" und "Slow Fashion" beschleunigt, betont sie. Die hier sichtbaren Trends und Verhaltensmuster werden ihrer Ansicht nach über die Pandemie hinaus Bestand haben.

(rja)

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