Meine perfekte Beerdigung

Der Tod und Ich

06:40 Minuten
Eine steinerne Urne steht auf einem moosbewachsenen Grabstein. Im Hintergrund sind weitere moosbewachsene Grabsteine erkennbar.
Über den Tod denken viele Menschen gar nicht nach. Dabei lohnt es sich - schon, um das Leben bewusster zu erleben. © imago / Arnulf Hettrich
Von Louise Brown · 31.10.2021
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Über den eigenen Tod denken wir nur ungern nach. In dieser Reihe kommen Menschen zu Wort, die sich über ihre Vergänglichkeit Gedanken gemacht haben. Für die einen gehört der Tod zu ihrem täglich Brot, andere freuen sich an ihrem Glück, dass sie noch leben.
Manche Menschen haben beruflich mit dem Tod zu tun - Bestatter zum Beispiel. Was denken sie über den Tod und über die eigene Vergänglichkeit? Andere versuchen das Leben anderer Menschen zu retten und scheitern - Krankenpfleger zum Beispiel. Wieder andere waren durch eine schwere Krankheit oder andere Umstände selbst vom Tod bedroht.
Das Nachdenken über den eigenen Tod verstärkt die Erkenntnis über den Wert des Lebens. In dieser Reihe sprechen Menschen über die Gedanken, die sie sich über ihren eigenen Tod gemacht haben.

Teil 1: Kerzen statt Blumen

Mit 14 Jahren machte Seren Gören ein Praktikum bei einem Bestatter. Seitdem ist sie davon überzeugt, dass es ein schöner Beruf ist. Heute ist sie 26 Jahre alt und arbeitet tatsächlich in ihrem Traumberuf. Als Jugendliche wuchs sie in einer norddeutschen Kleinstadt auf. Neben dem Friedhof lag dort eine Eisdiele und schon damals ging sie mit dem Eis in der Hand über den Friedhof und fand die Gräber und die Atmosphäre faszinierend.
Porträtfoto. Seren Gören blickt in die Kamera. Sie steht in einem hellen Raum. Im Hintergrund sind Urnen erkennbar und ein weißes Klavier.
Als junge Bestatterin macht Seren Gören sich Gedanken über ihre eigene Beerdigung.© Deutschlandradio / Louise Brown
Von ihrer eigene Beerdigung hat sie ganz genaue Vorstellungen. In ihrem Sarg möchte sie in einem schwarzen Samtkleid liegen, geschminkt mit einem bordeauxroten Lippenstift. Blumen hätten auf ihrer Beerdigung nichts zu suchen, sagt sie. "Ich möchte in einem Meer von Kerzen begraben werden." Es soll aber keine Trauerfeier werden, sondern eine Lebensfeier, bei der getanzt und gelacht wird.
Meine perfekte Beerdigung - Kerzen statt Blumen
06:40 Minuten

Teil 2: Schüsse an der Autobahn

Firas Alshater stammt aus Syrien und lebt seit acht Jahren in Berlin. In Syrien verbrachte er neun Monate im Gefängnis. Bei seiner Verhaftung sagte einer der Polizisten zu den anderen, sie sollten ihn neben der Autobahn irgendwo umbringen. "Sie haben mich dort dann auf den Boden geschmissen, ihr Gewehr rausgenommen und haben zweimal geschossen. In dem Moment dachte ich, ich bin tot."
Porträt von Firas Alshater. Er trägt eine graue Jacke, einen Vollbart und hat krauses Haar. Er lächelt in die Kamera.
Firas Alshater wurde in Syrien verhaftet und wäre in der Haft beinahe gestorben.© Deutschlandradio / Louise Brown
Obwohl er aus einer Kultur komme, in der Verstorbene nicht verbrannt werden, könne er sich genau das vorstellen. Seine Freunde könnten dann einen Teil seiner Asche mit auf eine Reise nehmen und sie überall auf der Welt verteilen. Wenn er aber begraben werde, dann an einem Ort, wo er sich heimisch und sicher fühle. Für ihn ist dieser Ort Deutschland.
Meine perfekte Beerdigung - Schüsse an der Autobahn
06:28 Minuten

Teil 3: Lichterketten, Cake-Pops und Queen

Oft fotografiert Daniela Lilienthal Hochzeiten. Sie liebt Bilder, auf denen Menschen Spaß haben, die vor Glück sprühen. "Ich mag gerne die lauten Fotos", sagt sie. Doch ein Teil ihrer Arbeit besteht darin, sogenannte "Sternenkinder" zu fotografieren.
"Das sind Kinder, die schon vor der Geburt oder unmittelbar danach gestorben sind, oder Kinder, die zu früh geboren wurden, und es nicht geschafft haben. Ich fotografiere das Leben - mal laut und mal leise", sagt Lilienthal.
Laut hört sie gerne Musik und laut singt sie auch dazu - am liebsten zu Queens "Don't stop me now". In ihrer Handtasche hat sie immer ein kleines Mikrofon dabei und im Auto holt sie es raus und singt ihr ganz eigenes Konzert. "Ich kann aber eigentlich gar nicht singen", gesteht sie.
Daniela Lilienthal sitzt an einem Tisch und hält ein Mikrofon in der Hand. An der Zimmerdecke hängen Lichterketten.
Daniela Lilienthal singt gerne laut beim Autofahren.© Deutschlandradio / Louise Brown
Bei ihrer eigenen Beerdigung wünscht sie sich, dass alle Gäste singen. "Wenn viele Menschen zusammen singen, hört es sich immer schön an." Und es soll Lichterketten und Cake-Pops geben und jeder, der an ihren Sarg tritt, soll sich dort dann einen Cake-Pop mitnehmen.
Meine perfekte Beerdigung - Lichterketten, Cake-Pops und Queen
06:24 Minuten

Teil 4: Graf Platen und der Begräbniswald

In einem Wald an der Ostsee hat Sebastian Graf Platen einst gespielt. Schön sei, dass man von der Steilküste aus immer einen schönen Blick über die Ostsee habe, erzählt er. Heute betreibt er dort einen Begräbniswald. Ein Ort in diesem Wald ist ihm besonders wichtig. Dort liegen Kinder, die vor oder gleich nach der Geburt gestorben sind. Er habe auch eine Tochter verloren, die zwei Wochen nach der Geburt plötzlich verstarb.
Sebastian Graf von Platen steht im Wald. Er trägt eine olivgrüne Arbeitshose und ein hellblau-weiß kariertes Hemd.
Sebastian Graf von Platen im Wald seiner Familie an der Ostsee, wo auch das Familiengrab liegt.© Deutschlandradio / Louise Brown
Er selbst möchte eines Tages im Familiengrab beigesetzt werden. Das liegt ganz malerisch mitten im Wald, umsäumt von einer Buchenhecke und hinter einem schmiedeeisernen Tor. Für ihn ist es ein tröstlicher Gedanke, irgendwann auf dem Familienfriedhof im Wald begraben zu werden - neben seiner verstorbenen Tochter.
Meine perfekte Beerdigung - Graf Platen und der Begräbniswald
06:17 Minuten

Teil 5: Ein Lied für den verstorbenen Bruder

Mit seiner Gitarre auf dem Schoß sitzt der Musiker Ingo Pohlmann in seiner Hamburger Wohnung. Auf seinem neuen Album widmet er seinem verstorbenen Bruder den Song "In deinen Schuhen". Die Schuhe seines Bruders hat Pohlmann bis heute. Vor einigen Jahren trug er sie beim Tanzen und fühlte sich seinem Bruder plötzlich ganz nah.
Ingo Pohlmann sitzt mit seiner Gitarre auf dem Schoß auf einem Sessel in seinem Wohnzimmer.
Der Musiker Ingo Pohlmann wünscht sich, dass seine Tochter eines Tages nach seinem Tod seine Gitarre behält.© Louise Brown
Wenn er selbst irgendwann verstorben ist, wünscht er sich, dass seine Tochter seine Gitarre aufbewahrt. "Nach 40, 50 Jahren kommt da sicher eine gewisse Schwingung heraus", meint er. Pohlmann möchte in einem Sarg beigesetzt werden und er rechnet damit, dass bei seiner Beerdigung wohl viele Leute dabei sein werden. Sein Garbstein soll dann die Inschrift tragen: "Irgendwas ist immer".
Extra: Meine perfekte Beerdigung (5) - Ein Lied für den verstorbenen Bruder
07:02 Minuten

Teil 6: Hauptsache Pflanzen, die schön duften

Seit seiner Kindheit träumt Alfons Mühlenbrock davon, mit Pflanzen zu arbeiten. Als Florist findet er es faszinierend, den Charakter und die Stimmung eines Verstorbenen mit Pflanzen und Blumen widerzuspiegeln. Wenn die Familie das möchte, inszeniert er mit Pflanzen eine Stimmung in der Kapelle, die nicht nur etwas fürs Auge ist, sondern zu einem echten Erlebnis wird.
Alfons Mühlenbrock steht mit dem Arm an eine Mauer gestützt. Im Hintergrund ist der Turm einer Burg erkennbar.
Pflanzen sind sein Leben. Der Florist Alfons Mühlenbrock wollte seit seiner Kindheit mit Pflanzen arbeiten.© Volker Elsen
Für seine eigene Beerdigung wünscht sich Mühlenbrock Pflanzen, die duften. Eisenkraut findet er toll, erzählt er, oder Storchenschnabelgewächse und Blaurauten - hauptsache die Pflanzen duften schön. Und Mühlenbrock träumt von einem Sarg, den es wohl aber nie geben wird.
Meine perfekte Beerdigung - Alfons Mühlenbrock
06:30 Minuten
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