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Frühkritik | Beitrag vom 23.11.2018

Louise Penny: "Hinter den drei Kiefern"Ein Dorf mit einem schrecklichen Geheimnis

Von Sonja Hartl

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Buchcover vor Hintergrundbild: Blauer Himmel und rötliche Ahornblätter. (Kampa / Unsplash / Justin Cron)
Louise Penny - Hinter den drei Kiefern. (Kampa / Unsplash / Justin Cron)

Für den kanadischen Polizisten Armand Gamache ist Three Pines ein Zufluchtsort vor den Sorgen und Grausamkeiten seiner täglichen Arbeit. Doch dann passiert mitten in der Idylle ein Mord. Das Ende einer Utopie?

Das Cover zeigt rot gefärbte Ahornblätter und Holzhäuser, die sich in einem See spiegeln. Dazu der Titel: "Hinter den drei Kiefern". Schon auf den ersten Blick verspricht Louise Pennys hintersinniger Kriminalroman pure Idylle. Dazu das Setting: Ein kleines Dorf in Kanada, Three Pines, das südlich von Montréal an der Grenze zu Vermont liegt. Dort kennt man sich seit Jahren, die Menschen kümmern sich umeinander und nehmen auch immer wieder Gestrandete in ihre Dorfgemeinschaft auf. Sie treffen sich in einem Bistro mit einem großartigen Koch, es gibt eine Buchhandlung und Kinder, die auf dem Dorfplatz spielen.

Geheimnisvolle Gestalt in schwarzer Robe

Einer der Bewohner ist Armand Gamache, Leiter der Sûreté de Québec, der zu Beginn des Romans in einem beunruhigenden Fall vor Gericht steht: Auf dem Dorfanger von Three Pines war zu Halloween eine geheimnisvolle Gestalt in einer schwarzen Robe aufgetaucht, die die Bewohner in Unruhe versetzte, und kurz darauf geschah ein Mord. Für Gamache ist das mehr als nur ein Fall. Es ist ein Übergriff auf sein ganz persönliches Refugium Three Pines, seinen "Zufluchtsort vor den Sorgen und Grausamkeiten der Welt, mit denen er täglich zu tun hattem, der Welt jenseits des Waldes".

Die Ereignisse werden von der Gerichtsverhandlung aus nach und nach aufgefächert Im Grunde genommen eine gewöhnliche Ausgangssituation, jedoch wird sie von Louise Penny virtuos und konsequent genutzt: Sie versteht es, die Identität sowohl des Opfers als auch die des Täters unter Verschluss zu halten, ohne dass es wie ein billiger dramaturgischer Trick wirkt. Sie wechselt Handlungsorte und Perspektiven, verschachtelt Gegenwart und Vergangenheit mit mitunter großartigen Cliffhangern. Es ist ein Erzählen, das sehr an eine Serie erinnert, die immer wieder den Schauplatz, die Handlungszeit und die handelnden Personen verändert und in der sich erst allmählich einzelnen Passagen zueinander fügen und die verschiedenen Orte und Geschichten sich verbinden.

Schockierende Wendungen und ein perfides Komplott

Leicht und gemütlich wirkt dieses Buch anfangs. Die leicht skurrile Dorfwelt, deren hinreißendste Bewohnerin eine Dichterin ist, die stets mit ihrer Ente Rosa anzutreffen ist und immer die Wahrheit sagt, erinnert ebenso wie der versonnene Gesetzeshüter Gamache ein wenig an die Welt von Fred Vargas. Dazu passt auch, dass eine mythische Gestalt eine Rolle spielt. Jedoch sollte man sich in diesem Buch niemals allzu sicher fühlen, denn Louise Penny kennt auch die Wirklichkeit und weiß, dass man manchmal ein schlechtes Gewissen ertragen muss.

Leise offenbaren sich mitunter schockierende Wendungen und letztlich ein nachgerade perfides Komplott, das ebenso realistisch wie ernüchternd ist. Zu Louise Pennys eigenwilligem Ton kommt nämlich auch eine Haltung gegenüber der Welt, die ebenso moralisch wie wütend ist. Die Wahrheit kann grausam sein, aber auch poetisch. Doch alles ist zu ertragen, wenn man an ein Dorf wie Three Pines glauben kann, in dem die Menschen sich entschieden haben, gut zueinander zu sein. Three Pines ist eine Utopie – die Gamache um jeden Preis zu retten will.

Louise Penny: "Hinter den drei Kiefern"
Aus dem kanadischen Englisch von Andrea Stumpf und Gabriele Werbeck
Kampa, Zürich 2018
496 Seiten. 16,90 Euro

Louise Pennys "Hinter den drei Kiefern" ist im November neu auf Platz 3 unserer Krimibestenliste.

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