Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern

    Warum wählt Mecklenburg rot und Vorpommern schwarz/blau?

    10:33 Minuten
    Ein Auto fährt an einem Wahlplakat zur Landtagswahl von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) vorbei. Auf dem Plakat steht der Slogan "Die Frau für MV".
    Die SPD mit Spitzenkandidatin Manuela Schwesig führt in den Umfragen zur Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern. Doch gerade im östlichen Vorpommern hat die SPD eher schlechte Chancen. © picture alliance / dpa / Stefan Sauer
    Stefan Fassbinder und Sandra Nachtweih im Gespräch mit Heidrun Wimmersberg und Korbinian Frenzel · 23.09.2021
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    Vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern führt die SPD in den Umfragen. Schaut man sich die Wahlkreise näher an, wird deutlich: Das westliche Mecklenburg wählt eher rot, das östliche Vorpommern eher schwarz/blau. Woher kommt diese Spaltung?
    Der Osten Mecklenburg-Vorpommerns hat Strukturprobleme: Die Wirtschaft ist tendenziell schlechter als im Westen des Landes, genauso die Mobilität und die gesundheitliche Versorgung. Die Arbeitslosigkeit ist höher. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, hat die aktuelle Regierung den Posten des Staatssekretärs für Vorpommern geschaffen. Amtsträger Patrick Dahlemann von der SPD hält die Entscheidung für diesen Posten nach wie vor für richtig und verweist auf das Gefühl des Abgehängtseins, das auch noch mal zwischen dem Norden Vorpommerns und dem Süden, zwischen Demmin und Usedom, herrsche.
    Es hätten sich allerdings Dinge verbessert: "Das Verständnis dafür ist gewachsen, dass auch Vorpommern nicht eine homogene Masse ist, sondern sehr heterogen aufgestellt ist mit den beiden pulsierenden Städten Stralsund und Greifswald, mit den erfolgreichen Inseln Hiddensee, Rügen, Usedom, aber eben auch mit dem ländlichen Beritt und dem ganz besonderen Raum an der deutsch-polnischen Grenze."

    Die Schweriner Ministerien waren weit weg

    Ähnlich sieht das Sandra Nachtweih von der CDU und Bürgermeisterin der Stadt Pasewalk, gelegen im Süd-Ost Vorpommerns. Pasewalk gehört zum Wahlkreis Vorpommern-Greifswald V, der bei den Landtagswahlen 2016 mit 28,6 Prozent an den AfD-Politiker Jürgen Strohschein ging. Das Gefühl des Abgehängtseins betreffe aber eher den ländlichen Raum, sagt Nachtweih, also auch manche Regionen der Mecklenburgischen Seenplatte, die sich aufgrund ihrer Strukturen nicht so entwickelt hätten, wie der westliche Landesteil.
    "Das hat mit der Zentralisierung auch der größeren Orte zutun, das hat mit den weiten Wegen hier zutun, aber auch mit der Nichts-Sichtbarkeit gerade der Schweriner Ministerien, weil die ja doch weit, weit weg waren von den gesamten Prozessen, die dann in Schwerin entschieden worden sind." Deshalb habe auch der verstärkte Blick durch die Einführung des Staatssekretärs Vorpommern positive Einflüsse gehabt, so die Bürgermeisterin von Pasewalk.

    Seit Weimarer Zeiten gibt es diese Spaltung

    Stefan Fassbinder von Bündnis 90/Die Grünen und Bürgermeister der Stadt Greifswald, fragt sich schon lange, warum es das Phänomen des roten Ostens und des schwarzen Westens im Land gibt. "Das geht ja schon über mehrere Systeme hinweg. Also schon seit Weimarer Zeiten und davor gibt es diese Wähler*innen-Spaltung." (*)
    Fassbinder weist aber darauf hin, dass die Bevölkerung über diese Zeit hinweg nicht stabil gewesen sei. Sowohl 1945 als auch zu DDR Zeiten seien Menschen neu hinzugezogen. Trotzdem gäbe es dieses gespaltene Wähler:innen-Verhalten. "Dafür habe ich keine wirkliche Erklärung, weil ökonomisch sind die beiden Gebiete sehr ähnlich. Also wir haben eine ähnliche Wirtschaftsstruktur, wir haben eine ähnliche Bevölkerungsstruktur und auch eine ähnliche historische Entwicklung," sagt Fassbinder.

    Der Frust wird weniger

    Frust über die Situation in Vorpommern nehmen weder Sandra Nachtweih noch Stefan Fassbinder war. Die Bürgermeisterin von Pasewalk sagt, es werde wenig Frust direkt an sie herangetragen. Dass er existiere, nehme sie eher über Social Media Kanäle etwa wahr. Stefan Fassbinder in Greifswald findet, dass der Frust eher weniger werde. Er verweist auf die Startup- und Kreativszene in seiner Stadt. Viele Menschen kämen in letzter Zeit dafür nach Greifswald und das strahle auch ins Umland aus.
    (jeg)
    (*)Redaktioneller Hinweis: Wir haben die Angabe zur Parteizugehörigkeit von Stefan Fassbinder korrigiert.
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