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    Das Internet vollschreiben – Neue Formen für Literatur?

    49:34 Minuten
    Viele Menschen teilen große Computertastatur.
    Wie beziehen sich Form und Inhalt aufeinander, wenn man digital publiziert? © imago / Ikon Images / Klaus Meinhardt
    Von Christine Watty und Berit Glanz · 26.08.2021
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    Kann ein Facebook-Post Literatur sein? Sind Bücher hochwertigere Formate als Blogs, nur weil Worte auf Papier gedruckt werden? Ein Gespräch über die Bedeutung alternativer Publikationswege mit der Lyrikerin Elisa Aseva und der Autorin Berit Glanz.
    Wörter brauchen keinen Ledereinband, um Literatur zu sein. Manchmal genügt auch ein Statusupdate. Und manchmal führt auch das eine zum anderen.
    Elisa Aseva schreibt seit Jahren Lyrik auf Facebook, im Oktober erscheinen ihre poetischen Posts nun auch als Buch. Doch Literatur im Internet ist mehr als nur ein Checkpoint auf dem Weg zur Veröffentlichung auf Papier. Die Grenzen des Formats bringen eine ganz eigene Kunst hervor.

    Social Media als Werkzeug

    Facebook sei ein Werkzeug, das begrenze und ermögliche, so Elisa Aseva. "Viele fangen an, weil sie sich zeigen wollen. Da steht dann oft der Vorwurf im Raum, es handele sich dabei gar nicht um Literatur, sondern um therapeutische Maßnahmen. Ich glaube, Schreiben geht immer so los, dass man etwas nach außen bringen möchte, transferieren möchte, zeigen möchte, was sonst nicht in der Welt ist."
    Der kreative Prozess werde dabei von den Rahmenbedingung der Plattform bedingt. Und die können sich regelmäßig ändern. Wenn eine Plattform wie Twitter die mögliche Zeichenanzahl verdoppelt, dann beeinflusse das die Dynamik des kreativen Prozesses.

    Permanentes Nebeneinander

    Literatur existiert auf Facebook in einem permanenten Nebeneinander zwischen Kunst und Alltag. Auf einen klar sprachlich überformten Status folgt dann vielleicht ein Link zu den neuen gekauften Kopfhörern. Das senke die Schwelle, Literatur zu produzieren – aber auch auf sie zu treffen, so die Autorin Berit Glanz.
    "Die Frage, ab wann ich mich als Autorin bezeichne, hat sich für mich gar nicht gestellt, ich habe einfach geschrieben". Das habe enorm viel Druck rausgenommen. "Ich schreibe Tweets, weil mir das Spaß bringt, ohne mich Autorin nennen zu müssen. Ich glaube, das ist ein Privileg, was man hat, wenn man im Internet schreibt."
    Wie also beziehen sich Form und Inhalt aufeinander, wenn man vor allem digital publiziert? Wir sprechen in unserem Kulturpodcast über konkrete Beispiele, eigene Erfahrungen und wissenschaftliche Hintergründe der Weiterentwicklung des Schreibens online.
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