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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 08.11.2018

Lakonisch Elegant#5 Traurige Kartoffeln - Reden wir über Rassismus?

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Rote und gelbe Kartoffeln. (imago / ITAR-TASS)
Der Bild-Chef Julian Reichelt empfindet es als diskriminierend, wenn er als "Kartoffel" bezeichnet wird. Zurecht? (imago / ITAR-TASS)

"Kartoffel" sei eine Beleidigung, die sich auf die Herkunft bezieht - so "Bild"-Chef Julian Reichelt als er den "Goldene Kartoffel"-Preis bekommen sollte. Ist "Kartoffel" rassistisch? Wir fragen die Neuen Deutschen Medienmacher (NDM) und die "halbe Kartoffel" Frank Joung.

Die Neuen Deutschen Medienmacher (NDM) sind ein Verein, der bundesweit Medienschaffende vernetzt. Ihr Ziel: mehr Vielfalt in den Medien. Zu ihrem zehnjährigen Jubiläum haben sie einen Preis ausgelobt: Die "Goldene Kartoffel". Die gibt es für besonders schlechte Berichterstattung über die Einwanderungsgesellschaft.

Der erste Preisträger hätte Julian Reichelt sein sollen. Denn seit er Chefredakteur der BILD-Zeitung sei, findet Sheila Mysorekar, Vorsitzende der NDM, sei der Ton der Zeitung wesentlich schärfer geworden. Es werde hart gegen Migranten und Geflüchtete ausgeteilt und pauschalisiert.

Fehlende interkulturelle Kompetenz

"Freundlich-ironisch" sei der Name des Preises gemeint gewesen, erzählt Mysorekar uns in der fünften Episode von "Lakonisch Elegant. Der Kulturpodcast".

"Kartoffel", das sei vor allem ein Ausdruck für Menschen ohne Migrationshintergrund, die sich häufig durch fehlende interkulturelle Kompetenz auszeichnen.

Reichelt sah das anders und lehnte den Preis ab, da seiner Meinung nach "das Wort 'Kartoffel' in Grundschulen, in denen Migration kein Erfolgsgeschichte ist, eine Beschimpfung geworden ist, die sich auf Rasse und Herkunft bezieht".

Seitdem die Aussage als Video-Schnipsel die Runde macht, kochen die Debatten hoch: Die einen empören sich über Reichelts Umkehr der Debatte, die anderen applaudieren. Grund genug für uns, genauer hinzuschauen.

Kartoffel - ein rassistisches Schimpfwort?

Stimmt es, dass Kartoffel eine Beschimpfung geworden ist – zumal auf Schulhöfen? Wir fragen Yanni Fischer. Er ist Lehrer und arbeitet für das Netzwerk "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" in Hessen.

Fischer macht deutlich, dass es einen Unterschied gibt, zwischen Mobbing und Rassismus, und dass Rassismus auch immer mit einer strukturellen Komponente einhergeht. SchülerInnen untereinander seien da auch ein Spiegelbild des gesamtgesellschaftlichen Umgangs miteinander.

Wenn "Kartoffel" ein Schimpfwort wäre, dann würde der Podcaster Frank Joung sich selbst und seine Gäste beschimpfen, denn er nennt sich und seine Sendung "Halbe Katoffl".

Wie kommt es, dass sich der weiße Medienmacher Reichelt empört - während Frank Joung, der nicht-deutsche Wurzeln hat und mit Rassismus immer wieder konfrontiert wird, die Kartoffel zur Selbstbezeichnung wählt? Und welche Probleme haben die "halben Kartoffeln", von denen Weiße, also "Vollkartoffeln", meistens nichts mitkriegen?


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