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Lakonisch Elegant | Beitrag vom 25.10.2018

Lakonisch Elegant#3 Irgendwas mit Haltung – Kritik am Bauhaus

Von Katrin Rönicke und Christine Watty

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Der Schriftzug "100 jahre bauhaus" bei einer Pressekonferenz zum Bauhaus-Jubiläum. 2019 findet das 100-jährige Gründungsjubiläum des Bauhauses statt. (picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)
100 Jahre Bauhaus – kein Stil und auch keine Haltung mehr? (picture alliance/Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa)

Das Bauhaus Dessau möchte nicht, dass die Band „Feine Sahne Fischfilet“ dort auftritt, erntet Empörung und entschuldigt sich: Keine Haltung ist auch keine Lösung. Wir waren vor Ort in Dessau und sprechen mit dem Typographen Erik Spiekermann.

Seit Tagen wird über die Konzertabsage in Dessau diskutiert. Es geht, so inzwischen die Bauhaus-Direktorin Claudia Perren, vor allem um die Sorge vor aufmarschierenden Neonazis vor dem Haus und den Schutz der Einrichtung, die UNESCO-Weltkulturerbe ist. Gleichzeitig wirbt das Bauhaus zum 100. Geburtstag mit dem Slogan: "Das Bauhaus – kein Stil, sondern eine Haltung."

Nix mit Jubel – jetzt wird gestritten!

Irgendwas mit Haltung ist da also los – und wir begeben uns in der dritten Episode von "Lakonisch Elegant. Der Kulturpodcast" auf zwei parallele Pfade in der eskalierten Debatte: Katrin Rönicke besucht in Berlin eine Pressekonferenz, bei der das Programm fürs große Jubiläum des Bauhauses im nächsten Jahr präsentiert wird.

Doch was eigentlich als reine Jubelveranstaltung geplant war, wird zum Ort kritischer Debatte über den Umgang mit Rechts.

Christine Watty reist nach Dessau, um mit den Daheimgebliebenen zu sprechen. Also mit denen, die arbeiten, am Bauhaus oder in der Uni daneben und die Diskussionen hinter den Kulissen ebenso heftig führen.

Von den Nazis dichtgemacht

Mindestens "bedauerlich" wird die Entscheidung dort gefunden. Weil beispielsweise für jemanden, der regelmäßig Leute durchs Haus führt, Politik in der Geschichte des Bauhauses, das 1932 von den Nazis dichtgemacht wurde, tief verankert ist.

Eine Führung durch das Haus kommt nicht ohne Verweise auf die Gegenwart aus. Studierende der daneben liegenden Hochschule positionieren sich, machen Flashmobs und verteilen Flyer und wollen die Konzertabsagen nicht hinnehmen - aber inzwischen auch nicht mehr mit der Presse reden. In Dessau wird gerade dringend nach einem "Zusammen" gesucht, damit die Rechten nicht noch mehr Angriffsflächen haben.

Schule statt Museum

Inzwischen hängt die Debatten-Luft voll mit wolkigen Begriffen, von "Verantwortung" bis hin zu "gemeinsamen Maßnahmen und Strategien". Aber wie geht dann Haltung konkret?

Der Typograph Erik Spiekermann hat Bauhaus-Schriften für das 100-jährige Jubiläum rekonstruiert. Er findet die Entscheidung aus Dessau gegen das Konzert falsch und hat deswegen einen offenen Brief an das Bauhaus Dessau unterschrieben.

Spiekermann möchte am liebsten das Bauhaus Dessau nicht mehr als Museum, sondern als lebendige Schule sehen. Mit jungen Menschen drin, die im Geist des Bauhauses Ideen für die Gesellschaft entwickeln. Und er hat auch noch konkrete Ideen, was man in Dessau jetzt tun könnte: "Ironie ist immer noch die beste Waffe – auch wenn sie nur was für Erwachsene ist."


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