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Fazit | Beitrag vom 11.10.2019

KZ-Gedenkstätte BuchenwaldFührungsstil und Personalpolitik in der Kritik

Henry Bernhard im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Rekonstruierter Lagerzaun mit Wachturm im Konzentrationslager Buchenwald. (picture alliance/dpa/imageBROKER)
Rekonstruierter Lagerzaun mit Wachturm im Konzentrationslager Buchenwald. (picture alliance/dpa/imageBROKER)

Der Chef der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, Volkhard Knigge, sieht sich mit Kritik an seinem Führungsstil konfrontiert. Zudem gibt es Streit um eine Personalfrage. Unser Landeskorrespondent Henry Bernhard verfolgt die Geschichte schon seit längerem.

Am vergangenen Wochenende hatte der "Spiegel" über massive Vorwürfe von Mitarbeitern gegenüber Volkhard Knigge, dem Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, berichtet. Von einem autoritären und selbstherrlichen Führungsregime ist die Rede. Besprechungen sollen im Stile "stalinistischer Militärtribunale" abgehalten worden sein. Knigge selbst dementiert diese Vorwürfe vehement. 

Nun will die oppositionelle CDU-Fraktion im thüringischen Landtag von der Landesregierung und dem Stiftungsrat wissen, was unternommen worden sei, um Klarheit in den Sachverhalt zu bringen.

Proteste gegen eine fristlose Kündigung

Zusätzlich geht es um eine Personalfrage: Der Leiter der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, Stefan Hördler, wurde im Mai vom Stiftungsrat fristlos gekündigt. Gegen diese Kündigung hatte sich Widerstand geregt.

Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Buchenwald und Mittelbau-Dora. Ein Mann steht vor einer Vitrine mit Häftlingskleidung. (picture alliance/dpa/Martin Schutt)Volkhard Knigge, Direktor der Stiftung Buchenwald und Mittelbau-Dora (picture alliance/dpa/Martin Schutt)
In einem über alle Parteigrenzen hinweg unterzeichneten Protestbrief an den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow hätten verschiedene Vertreter der Zivilgesellschaft und der regionalen Wirtschaft Aufklärung über den Fall gefordert, sagt unser Landeskorrespondent Henry Bernhard.

Außerdem hätten sich die Unterzeichner für eine Rehabilitierung Hördlers eingesetzt, mit dessen Arbeit man sehr zufrieden gewesen sei. "Daraufhin kam seit Juli keine Reaktion von der Staatskanzlei."

Das Finanzministerium ändert seine Meinung

Die CDU will das Thema nächste Woche ins Plenum bringen. "Der Bedarf nach Öffentlichkeit ist groß und natürlich befinden wir uns auch in der Endphase des Wahlkampfs für die Landtagswahl", meint Bernhard. Was hinter der Kündigung stecke, sei unklar. Beide Seiten schwiegen darüber. Der Termin vor dem Arbeitsgericht im November stehe fest.

Der Stiftungsrat habe im Mai in einer außerordentlichen Sitzung über die Kündigung Hördlers debattiert. Hördler sei dabei weder vom Stiftungsrat noch von Knigge angehört worden. "Es soll aber Angebote für ein Gespräch gegeben haben. Angeblich habe Hördler diese nicht angenommen." Es sei auch um die Frage einer gütlichen Einigung gegangen. Dazu sei es aber nicht gekommen.

In der folgenden Abstimmung hätten sich dann fünf Stimmen für die Kündigung ausgesprochen und zwei dagegen. Das Finanzministerium und der Landkreis Nordhausen hätten für die Gegenstimmen gesorgt. Für die Kündigung wäre aber noch die Stimme des Finanzministeriums notwendig gewesen, sagt Bernhard. Also sei die Abstimmung am nächsten Tag im Umlaufverfahren, also schriftlich, wiederholt worden. Da habe das Finanzministerium plötzlich für die Kündigung gestimmt.

"Wie diese wundersame Meinungsänderung zustande kam, darüber schweigen alle Beteiligten. Am Vortag hatte man anderthalb Stunden über die Frage diskutiert, da war das Finanzministerium noch nicht überzeugt." Den Vorwurf, dass Druck ausgeübt worden sei, weise die Staatskanzlei vehement von sich. "Wie diese Meinungsänderung zustande gekommen ist, wird nächste Woche im Landtag debattiert."

(rja)

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