Kunst oder Diebstahl?

    Künstler kassiert 70.000 Euro für leere Bilderrahmen

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    Ein leerer Bilderrahmen: Das Kunstwerk "Take the money and run" von Jens Haaning.
    In diesem Bild sind 70.000 Euro versteckt. Aber wo? "Take the Money and Run" hat Künstler Jens Haaning sein Werk genannt. © Imago / Ritzau Scanpix / Henning Bagger
    Stefan Haupt im Gespräch mit Boussa Thiam · 30.09.2021
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    Der Künstler Jens Haaning sollte für ein Museum im dänischen Aalborg eine Collage aus Geldscheinen im Wert von 70.000 Euro erstellen. Das Geld bekam er vom Museum. Dem lieferte er allerdings nur eine leere Leinwand.
    Aus 70.000 Euro eine Collage erstellen: Das war der Auftrag, den Künstler Jens Haaning vom Kunst-Museum in Aalborg erhielt. Das Geld für das Kunstwerk bekam er, allerdings fand Haaning seine Bezahlung unangemessen. Lediglich 1340 Euro sollte er erhalten. Deswegen lieferte er dem Museum keine Geld-Collage, sondern lediglich eine leere Leinwand.
    "Take the Money and Run" (Nimm das Geld und hau ab) nennt Haaning sein Werk, das in Aalborg nun ausgestellt wird. Er möchte damit auf die prekäre Situation von Künstlern aufmerksam machen. Das Museum will dennoch seine 70.000 Euro zurück. Wo das Geld ist, verrät Haaning derzeit nicht.

    Diebstahl oder nicht?

    Um zu beurteilen, ob der Tatbestand des Diebstahls wirklich erfüllt ist, müsste man in den Vertrag schauen, der zwischen Künstler und Museum geschlossen wurde, sagt Sammler und Rechtsanwalt Stefan Haupt.
    Er könne sich allerdings nicht vorstellen, dass es in dem Vertrag irgendwelche Vorgaben gebe, was der Künstler genau mit dem Geld machen soll, sagt Haupt. "Dann wäre er ja in seiner künstlerischen Freiheit eingeschränkt. Um die Möglichkeit zu schaffen, dass das Museum das Geld zurückfordert, müsste eigentlich im Vertrag stehen, dass er eine Collage mit Geld anfertigt und das Geld erhalten bleibt."
    "Ich finde es immer gut, wenn Aktionen gemacht werden, die die Menschen wachrütteln", sagt Haupt. Jens Haaning habe es geschafft, auf die Situation der Künstler aufmerksam zu machen. "Die Künstler hatten es während der Coronazeit besonders schwer", so Haupt. "Die Frage ist immer, wie man seine Sorgen zum Ausdruck bringt."
    (nho)
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