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Tonart | Beitrag vom 23.08.2021

Kulturerbe Musik in AfghanistanDie Angst vor der Zerstörungswut der Taliban

Tiago de Oliveira Pinto im Gespräch mit Mathias Mauersberger

Ein traditionelles afghanisches Musikinstrument: die Dambora, ein Saiteninstrument (Photo by Arif Karimi/Xinhua) (picture alliance / Xinhua News Agency / Arif Karimi)
Die afghanische Musik kann auf eine jahrtausendealte Tradition zurückblicken. Diese ist durch die erneute Machtübernahme der Taliban in Gefahr. (picture alliance / Xinhua News Agency / Arif Karimi)

Bei dem Musikwissenschaftler Tiago de Oliveira Pinto weckt die Situation in Afghanistan schlimme Erinnerungen: Vor 25 Jahren gerieten auch Musikarchive in den Blick der Taliban. Der Weimarer Forscher fürchtet um ein deutsch-afghanisches Projekt.

Seit die Taliban erneut die Macht in Afghanistan übernommen haben, geht nicht nur die Sorge um Wohl und Leben der Bevölkerung um. Auch Kulturgüter sind in Gefahr. Schon einmal hatten die Taliban die Macht über Afghanistan: Zwischen 1996 und 2001 wurde unter anderem das Museum in Kabul geplündert, die 1500 Jahre alten Buddha-Statuen von Bamiyan wurden zerstört.

Auch einem anderen Kulturerbe rückten die Taliban damals zu Leibe: Das Herstellen, der Besitz und das Spielen von Musikinstrumenten waren verboten, Musikarchive wurden vernichtet.

Hier geht es zum Literatursommer von Deutschlandfunk Kultur. (Foto: imago / fStopImages / Malte Müller)

Einiges konnte damals gerettet werden, etwa viele Jahrzehnte alte Tonaufnahmen aus dem Archiv von Radio Television of Afghanistan, weil Mitarbeiter Tonbänder mit falschen Beschriftungen versahen. Der Musikwissenschaftler Tiago de Oliveira Pinto macht sich große Sorgen, dass die Taliban dieses Mal alles finden und zerstören könnten. 

Sorge um das Afghanistan Music Research Centre

"Musik ist Teil des Kulturerbes einer jeden Nation", sagt de Oliveira Pinto, der an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar die Unesco-Professur für Transkulturelle Musikforschung innehat und unter anderem auch in ein deutsch-afghanisches Projekt, das Afghanistan Music Research Center, involviert ist.

Er bedauert, dass die Digitalisierung der Archivbestände noch nicht weiter vorangetrieben werden konnte. "Im Augenblick ist es eine unserer Tätigkeiten hier, Teile des Archivs zu retten. Er sei in ständigem Kontakt mit den Mitarbeitenden in Afghanistan, berichtet der gebürtige Brasilianer. Sollten die Bestände dort tatsächlich von den Taliban zerstört werden, "dann hieße das, Weimar hat mit seinen Beständen das größte und wichtigste Archiv überhaupt mit Dokumenten historischer und traditioneller Musik aus Afghanistan."

Musikerinnen nicht in Gefahr bringen

Musik werde von den Islamisten nicht gerne gesehen, werde als Problem wahrgenommen – sofort nach der Einnahme von Kabul seien dort alle Lautsprecher stumm geschaltet worden, sagt de Oliveira Pinto. Musiker seien jetzt in großer Gefahr und in noch größerer Gefahr seien Musikerinnen, wie etwa die Mitglieder des einzigen afghanischen Frauenorchesters.  Die Angst sei "riesengroß". Alles müsse vermieden werden, was die Künstlerinnen ins Blickfeld der Taliban rücken könnte.

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