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Studio 9 | Beitrag vom 05.06.2019

Konferenz in Novi Sad Mit Empathie zur europäischen Verständigung

Michael Groth im Gespräch mit Julius Stucke

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Ausblick von der Festung Petrovaradin auf die Freiheitsbrücke oder Regenbogenbrücke über die Donau, Novi Sad. (imago / imagebroker)
Passend zum Titel der Konferenz: In Novi Sad führt die Freiheitsbrücke über die Donau. (imago / imagebroker)

"Brücken bauen in Europa": So heißt die internationale Konferenz, die die Konrad-Adenauer-Stiftung im serbischen Novi Sad veranstaltet. Wissenschaftler, Politiker, Schriftsteller und Studenten treffen sich, um das Verständnis füreinander zu schärfen.

"Europa ist ein Prozess, der nur miteinander funktionieren kann", so lautet eine wichtige Erkenntnis der Veranstalter der Konferenz. Unter dem Titel "Brücken bauen in Europa" kommen zurzeit Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus West-, Mittel- und Osteuropa im serbischen Novi Sad zusammen. Zum 10. Mal findet diese Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung statt, in diesem Jahr jedoch erstmals außerhalb der Europäischen Union.

Der Untertitel "Europa erzählen" bezieht sich auf den wissenschaftlichen und kulturellen Schwerpunkt der Veranstaltung. Es geht zum Beispiel auch um Literatur, erläutert unser Reporter Michael Groth: "Zu jeder Tagung werden Schriftsteller eingeladen, die aus ihren Werken erzählen. Und für die Studierenden ist es eine Gelegenheit, ihre literarischen Helden kennenzulernen."

Novi Sads bewegte Geschichte

Die serbische Stadt Novi Sad als Veranstaltungsort ist nicht durch Zufall gewählt: Sie soll im Jahr 2021 europäische Kulturhauptstadt werden. Und auch Brücken spielen dort eine besondere Rolle, denn die Bauwerke über die Donau wurden im letzten europäischen Krieg zerstört und wieder aufgebaut.

"Der Balkankrieg, die Auseinandersetzungen der 90er Jahre, die sind in Serbien noch sehr spürbar", erklärt Groth. "Das ist sehr wichtig, darüber zu reden und zu einer Art Selbstfindung zu kommen, auch im Dialog mit den Nachbarn." Hinzu kommt, dass in Novi Sad viele unterschiedliche ethnische Gruppen leben, die miteinander klar kommen müssen.

"Eine Veranstaltung, die Hoffnung machen soll"

Weil zu verschieden Schwerpunkten und Fragestellungen diskutiert wird, ginge es nicht darum, allumfassende Antworten auf Probleme zu finden, sagt Michael Groth über das Treffen.

Ein Veranstaltungsteilnehmer, der Historiker Andreas Rödder von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, gibt folgendes Fazit: "Die historische Erfahrung zeigt, dass Wahrnehmungen der einen von den anderen historisch und politisch bedeutsam sind. Und deswegen ist es für die europäische Verständigung wichtig, sich um mehr Empathie zu bemühen. Das heißt, sich versuchen klar zu machen, warum der andere eigentlich so reagiert."

Nur ein Verständnis füreinander könne zu einer europäischen Verständigung und Integration führen. "Das ist eine Veranstaltung, die Hoffnung machen soll", fasst Groth die Tagung zusammen.

(nho)

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