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Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.02.2020

Klassik Stiftung Weimar zur Thüringen-Wahl"Wir müssen uns stärker politisieren"

Ulrike Lorenz im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Ulrike Lorenz, im November 2018 noch Mannheimer Kunsthallen-Chefin, wird auf einer Pressekonferenz als erste Frau an der Spitze der Klassik Stiftung Weimar vorgestellt. Der Stiftungsrat wählte die 55-Jährige am selben Tag einstimmig zur neuen Präsidentin.  (picture alliance / dpa-ZB / Martin Schutt)
Was müssen KZ-Überlebende angesichts der Vorgänge in Thüringen von uns denken? Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar. (picture alliance / dpa-ZB / Martin Schutt)

Als Katastrophe wertet Ulrike Lorenz, Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, das Ministerpräsidentenwahl-Debakel in Thüringen. Sie zieht daraus den Schluss, dass sich Kulturinstitutionen politisch stärker einmischen müssen.

Wie positioniert man sich als wichtige Kulturinstitution angesichts des Ministerpräsidentenwahl-Debakels in Thüringen? "Es geht nun darum, dass wir uns als große Kulturinstitution - die das Vertrauen von vielen Menschen hat - stärker politisieren, in den öffentlichen Raum reingehen", sagt die Präsidentin der Klassik Stiftung Weimar, Ulrike Lorenz. Das kulturelle Erbe, das die Stiftung verwalte und bewahre, müsse stärker als Vorbild in den Vordergrund gerückt werden.

Ramponierte Zustimmung zum demokratischen System

Dass die Landesverbände von CDU und FDP aus Angst vor Stimmenverlusten nun Neuwahlen in Thüringen verhindern wollten, sei "eine Katastrophe", betont Lorenz: "Weil einmal mehr die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben, dass ihre Stimme letztlich nicht zählt."

Die ohnehin schon ramponierte Zustimmung zum demokratischen System werde damit weiter abnehmen, die perfide Strategie der AfD gehe auf.

Angesichts der "sozialliberalen Politik", die Bodo Ramelow in Thüringen betrieben habe, sei es nicht richtig, dass die Bundes-CDU die Zusammenarbeit mit der Linken von vornherein abgelehnt habe, kritisiert Lorenz.

"Vor wenigen Tagen hat der Thüringer Landtag noch den 75. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz würdevoll und fast phrasenfrei begangen. Und da saßen drei wunderbare Menschen, drei Überlebende der KZs Auschwitz und Buchenwald. Was müssen die von uns denken?"

Die Dämonisierung der AfD

Ulrike Lorenz sieht auch das Cover der aktuellen Ausgabe des "Spiegel" sehr kritisch. Abgesehen davon, dass Thüringens AfD-Chef Höcke darauf wirke "wie ein in die Jahre gekommener HJ-Führer", transportiere das Bild vor allem eines: Dämonisierung. Das versperre den Blick und verhindere eine rationale Auseinandersetzung mit der AfD.

Die Stiftung betreut ein Ensemble von historischen Wohnhäusern, Schlössern, Museen und Parkanlagen in und um Weimar sowie mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek und dem Goethe- und Schiller-Archiv auch bedeutende Forschungseinrichtungen.

(mkn)

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