Kabarett in Wien: "Hader on Ice"

    Der schwarze Bettler darf den Diener machen

    08:13 Minuten
    Josef Hader in bekannter Pose auf der Bühne der Stadtsaals Wien: gekleidet in einem schwarzen, weitaufgeknöpften Hemd und einer Silberkette um den Hals. Der Kabarettist sitzt breitbeinig auf einem Hocker und hält ein Glas mit vermeintlich Whisky oder Cognac in der Hand.
    Josef Hader mit weit aufgeknöpftem Hemd und einem Glas Karibikrum: 17 Jahre hat Österreich darauf gewartet. © Lukas Beck
    Von Martin Pesl · 10.06.2021
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    Lange musste das Publikum auf Josef Haders neues Programm warten. Nun ist "Hader on Ice" da: Es geht um einen reichen, erfolgreichen und unangenehm kaputten Prominenten, der jeden Bezug zur Realität verloren hat. Melancholischer Zynismus in Reinform.
    Unglaubliche 17 Jahre hat Josef Hader gebraucht, um nach "Hader muss weg" ein neues Kabarettprogramm auf die Beine zu stellen. Zuvor waren nach dem Kultstück "Hader privat", aus dem Generationen von Österreichern noch heute zitieren, "nur" zehn Jahre vergangen.
    Auch im neuen "Hader on Ice" geht der heute 59-jährige von vermeintlich biografischen Ereignissen aus. Er halte es in Wien nicht mehr aus und lebe jetzt im Weinviertel, erklärt er eingangs, der Toskana Österreichs – "genauso überschätzt".
    Die Kunstfigur, die zu uns spricht, ist Josef Hader, der viel zu erfolgreiche, reiche Prominente, der jeden Bezug zur Realität verloren hat, den das Alter und der Erfolg in den Alkoholismus getrieben haben und der traurig auf seinem Vierkanthof sprechende Wölfe halluziniert, der aber immer noch im Brustton der Überzeugung meint, die Schlechtigkeit der Menschheit oder die Zerstörung des Klimas anprangern zu dürfen.

    Die junge Frau ist auch schon weg

    Seine junge Frau hat ihn verlassen, erfahren wir später, und dass er den aus Nigeria stammenden Bettler, der immer vor seinem Supermarkt sitzt, geringfügig angestellt hat – als, nun ja, als Diener.
    Je abstoßender das Publikum die kaputte Figur finden muss, die sich da auf der Bühne selbst demontiert, desto mehr bewundert es den Autor Hader für seinen einzigartigen melancholischen Zynismus, und den Performer Hader für die Konsequenz, mit der er im Laufe des zweiteiligen Abends immer mehr verfällt.
    Manisch genießt Hader den Lockdown, beobachtet Tiere durch das Zielfernrohr eines alten Gewehres, verschlingt Verschwörungstheorien im Internet und folgt einem strengen Tagesablauf im Sinne der Trunksucht.

    Perfekt gebaut und musikalisch schludrig

    Vielleicht, weil es viel um das Alter und den Tod geht (der, so vermutet Hader, ihn niemals ereilen wird), wirkt dieses perfekt gebaute, mit schludriger Musikalität dargebrachte Stück wie ein Alterswerk. Es sei sein letztes Programm, erklärt Hader. Aber das ist ja nur die Kunstfigur, die da aus ihm spricht. Spätestens in 24 Jahren fällt dem Unsterblichen bestimmt wieder etwas ein.
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