Josephine Baker

Ikone mit politischer Botschaft

12:39 Minuten
Die Tänzerin Josephine Baker liegt auf einem Tigerfell
Die Tänzerin Josephine Baker im Jahr 1936 in Hollywood © imago images/Cinema Publishers Collection
Mona Horncastle im Gespräch mit Sigrid Brinkmann · 30.11.2021
Audio herunterladen
Die Tänzerin, Sängerin und Résistance-Kämpferin Josephine Baker ist als erste schwarze Frau in Frankreichs Pantheon aufgenommen worden. Nicht wegen ihrer Hautfarbe, sondern als Frau und Mensch werde sie dort geehrt, sagt die Biografin Mona Horncastle.
Die Künstlerin und Aktivistin Josephine Baker wurde ab den 1920er-Jahren mit ihrem Erfolg in Paris ein Weltstar. Durch ihren Ruhm und Mut entwickelte sie sich auch zur politischen Akteurin: zunächst im 2. Weltkrieg für die Alliierten, beim Schmuggeln von Geheiminformationen, später auch im Kampf gegen Rassismus.

Befreiung aus der Armut

Geboren wurde sie in St. Louis in den USA in ärmlichen Verhältnissen. Schon früh erkennt sie, dass sie nur wenig Chancen in ihrer Heimat hat und wird Tänzerin, um im Slum ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

"Ich wurde Tänzerin, weil ich in einer kalten Stadt geboren bin und in meiner ganzen Kindheit entsetzlich gefroren habe."

Josephine Baker

Die USA in Richtung Frankreich zu verlassen sei dann ein Befreiungsschlag für Baker gewesen, sagt Mona Horncastle, die eine Biografie über Josephine Baker geschrieben hat. "Sie kam aus einem Land, in dem ganz strikte Rassentrennung herrschte, in ein Land, in dem zwar auch Rassismus herrschte, indem sie aber eine ungeahnte Freiheit hatte und gefeiert wurde für das, was eigentlich ihr Stigma war: nämlich ihre Hautfarbe.“

Entwicklung zum Weltstar

In den „Wilden Zwanzigern“ des vorigen Jahrhunderts wandelt sie dann in Europa ihre vermeintlichen Schwächen in Stärken. Afrika ist da in der Kunst und der Unterhaltungsbranche in Mode, Baker tanzt sich als "sexy-schwarz und amüsant" in die Herzen auf allen europäischen Bühnen. Sie wird zum Weltstar und zur französischen Staatsbürgerin – Paris wird ihre neue Heimat.

Redaktionell empfohlener externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Deutschlandradio hat darauf keinen Einfluss. Näheres dazu lesen Sie in unserer Datenschutzerklärung. Sie können die Anzeige jederzeit wieder deaktivieren.

Ihre Politisierung wird erst im 2.Weltkrieg sichtbar. Sie schmuggelt geheime Dokumente über die Grenzen, begibt sich dabei in Lebensgefahr, auch wenn sie als Weltstar bei Kontrollen meist nur um Autogramme gebeten wird.

Macht durch Ruhm

Sie folgt Charles de Gaulles Aufruf, für ein freies Frankreich in Nordafrika zu kämpfen. Als sie dort als Unterhalterin für die US-Truppen auftreten soll, gibt es noch immer die Segregation in deren Offiziersclubs bei Veranstaltungen.

"Alle Kriege sind grausam –ich will nicht töten. Ich liebe es, Menschen zusammenzubringen."

Josephine Baker

Doch Josephine Baker weigert sich und erzwingt, dass Schwarze und Weiße gemeinsam ihre Auftritte erleben können. Erst damit habe sie ihre Macht entdeckt, um Dinge zu verändern, sagt Horncastle. "Das hat sich dann im Laufe ihres Lebens weiter verstärkt. Zunächst mal war sie aber sehr intuitiv und ein Stück weit auch mutig, naiv-politisch."
Als Baker für ihre Verdienste in der Résistance im Kampf gegen die deutsche Besatzung geehrt wird, bleibt sie bescheiden.

"Ich habe nur meine Pflicht erfüllt, und es gibt so viele Menschen, die mehr als ich verdienen, für ihren Widerstand ausgezeichnet zu werden.“

Josephine Baker

Engagement als Bürgerrechtlerin

Im Kampf gegen Rassismus in den USA unterstützt sie die Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King. Als sie 1963 von ihm eingeladen wird, eine Rede zu halten, wird ihr Einreiseverbot in die USA aufgehoben - für Baker einer ihrer größten Triumphe.
Staatspräsident Macron am Rednerpult bei der Ehrung von Josephine Baker im Pantheon
Staatspräsident Macron erinnerte im Pantheon an die Verdienste von Josephine Baker als Kämpferin für die Freiheit © picture alliance / ASSOCIATED PRESS
Das Bild ihrer Anfangszeit als Glamourgirl und Nackttänzerin im Bananenrock habe lange Bakers andere Lebensleistungen überstrahlt, sagt Horncastle. Auch ihre zahlreichen Adoptivkinder hätten dies verhindert, viele kritische Publikationen seien nicht möglich gewesen.
Bilder von Josephine Baker werden an die Fassade des Pantheons in Paris projiziert
Bildprojektionen von Josephine Baker auf der Fassade des Pantheons bei der Zeremonie in Paris© imago images/VCG
Es sei richtig, dass Baker, die 1975 in Paris starb, nun als Widerstandskämpferin und Bürgerrechtlerin als erste schwarze Frau und 81. Nationalheldin in Frankreichs Ruhmeshalle, das Pantheon, aufgenommen wurde.

Erste "Regenbogenfamilie"

Der berührendste Moment bei der Zeremonie sei gewesen, als Staatspräsident Macron Bakers Kinder begrüßt habe. Offensichtlich hätten sie sich mit ihrer Mutter ausgesöhnt, die ihre "Regenbogenfamilie" – Baker habe diesen Begriff geprägt – einst so oft vorgeführt habe.
Josephine Baker mit ihren Adoptiv-Kindern im Jahr 1964
Sehnsucht nach einer großen Familie: Josephine Baker mit ihren Adoptiv-Kindern im Jahr 1964© imago images /United Archives International
Das Interesse an Bakers Kindern sei einst enorm gewesen, so Horncastle: "Um ein Exempel statuieren zu können, musste sie das auch in der Öffentlichkeit tun. Wir sehen aber, dass die Art und Weise, wie die Kinder alle miteinander verbunden geblieben sind, bis zum heutigen Tage, eben doch funktioniert hat.“

"Josephine Baker"
von Mona Horncastle
Molden Verlag
304 Seiten, 28 Euro

Mehr zum Thema