Schriftstellerin Isabel Bogdan

Jedes Buch ein neuer Berg

35:42 Minuten
Isabel Bogdan vor einer grünen Hecke
Vom Übersetzen zum eigenen Roman: die Bestseller-Autorin Isabel Bogdan. © Heike Blenk
Moderation: Britta Bürger · 05.04.2022
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Mit der Satire "Der Pfau" glückte Isabel Bogdan auf Anhieb ein Bestseller. In ihrem zweiten Roman "Laufen" überzeugte sie auch mit ernsteren Tönen. Doch bis heute fragt sich die Autorin: Wie geht das eigentlich mit dem Romanschreiben?
Isabel Bogdan vergleicht das Übersetzen gern mit dem Schauspiel: Dort müsse man seine „ganze Persönlichkeit“ in die fertiggeschriebene Rolle geben und sie interpretieren. „Beim Übersetzen ist das eigentlich genauso.“
Übersetzen ist für Bogdan „auf jeden Fall was Eigenes“ und kein „Schreiben zweiter Klasse“. Wenn sie heute die von ihr übersetzen Bücher der englischen Autorin Jane Gardam im Laden liegen sieht, denkt sie: „Das ist unser Buch.“

Aus dem Stand ein Bestseller

Zunächst übersetzte die studierte Anglistin Gebrauchsanleitungen und Sachbücher, anschließend „lustige Frauenromane und Krimis“, was im Übrigen „auch nicht unbedingt einfacher als die hohe Literatur ist". Außerdem hat sie seitdem Bücher von Nick Hornby, Jonathan Safran Foer und Miranda July ins Deutsche übertragen.
Die dabei gewonnenen Erfahrungen kamen der Hamburgerin zugute, als sie vor einigen Jahren ihren ersten eigenen Roman schrieb: "Der Pfau", erschienen 2016.
Die Arbeit daran waren für sie „eindeutig ein Berg und ein Kampf“ gewesen. Noch dazu habe sie sich zu diesem Zeitpunkt lange genug im Literaturbetrieb herumgetrieben, „um zu wissen, wie unwahrscheinlich das ist, was dann passiert ist“.
Was passierte: Die Geschichte um einen durchgedrehten Pfau, der auf einem Anwesen in den schottischen Highlands alles attackiert, was blau ist, wurde zum Bestseller. 400.000 Exemplare des satirischen Romans haben sich mittlerweile verkauft.
Die Geschichte habe „eine leichte, ironische, britische Distanziertheit“ gebraucht, „der Sound, die Stilebene war mir von Anfang an klar“.

Diese Arbeit braucht Empathie

Ähnlich ging es ihr beim Verfassen ihres zweiten Roman "Laufen", erschienen 2019. Unbeeindruckt vom Erfolg ihres Debüts, ließ Bogdan dessen skurrilen Witz hinter sich und begab sich mit der Geschichte über eine Frau, deren Partner sich das Leben genommen hat, auf völlig neues Terrain.
Die Idee dazu entstand aus einer Kurzgeschichte, auch wenn Isabel Bogdan ihre Protagonistin anfangs noch eine Trennung verarbeiten lassen wollte.
An das Thema Depression und Suizid hat sich die 53-Jährige zunächst „noch nicht so richtig ran getraut“. Sie haderte, „ob ich das darf“ – eine solche Geschichte zu erzählen, ohne sie erlebt zu haben. Aber: „Es ist der Job einer Autorin, sich in andere Menschen hineinzuversetzen“.

Jeder Roman ein neuer Anlauf

Gerade hat die Autorin ihre neues Buch veröffentlicht – eine Liebeserklärung an die Insel Helgoland. Ihre beiden Romane sind mittlerweile verfilmt worden: „Der Pfau“ soll ins Kino kommen, „Laufen“ wird im Herbst im ZDF zu sehen sein. Die Hauptrolle spielt Anna Schudt.
Isabel Bogdan arbeitet mittlerweile an ihrem dritten Roman. Ein erstes Buch könne jeder schreiben, das zweite sei das schwerste - solche Sätze habe sie schon häufiger gehört. Doch mittlerweile sage man ihr auch: „Ob jemand wirklich schreiben kann, stellt sich dann beim dritten raus“.
Diesem Druck versucht sie sich zwar zu entziehen. Doch auch nach einem Bestseller und zwei verfilmten Romanen befindet sie sich derzeit wieder in einem Stadium des Schreibprozesses, in dem sie sich fragt: „Wie soll das überhaupt gehen mit dem Romanschreiben?“
(era)

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