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Lesart | Beitrag vom 10.02.2021

Isaac Rosa: "Glückliches Ende"Die Liebe in Zeiten der Krise

Von Katharina Döbler

Zu sehen ist das Cover des Buches "Glückliches Ende" von Isaac Rosa. (Liebeskind Verlag / Deutschlandradio)
Große, enttäuschte Hoffnung: In der spanischen Wirtschaftskrise bleibt die Liebe auf der Strecke. (Liebeskind Verlag / Deutschlandradio)

Angela und Antonio wollten zusammen alt werden. Doch die sozialen Härten im Zuge der Krise in Spanien bringen auch ihre Liebe zum Wanken. Schließlich scheitert die Beziehung an den Mühen des Alltags unter prekären Bedingungen.

Ein glückliches Ende hat sie nicht, die Liebesgeschichte von Angela und Antonio. Oder doch: Denn Isaac Rosa hat seinen neuesten Roman von hinten her geschrieben. Er beginnt in einer von Möbelpackern geleerten Wohnung, inmitten der Abnutzungsspuren von zwölf Jahren, und endet mit den frühesten gemeinsamen Erinnerungen des Paares, jener fieberhaft glücklichen Zeit, als sie sich kennenlernten. Damals war Antonio noch mit einer anderen Frau verheiratet, hatte schon ein kleines Kind. Er verließ diese erste Familie für Angela, für ein gemeinsames Leben. Sie wollten zusammen alt werden.

Zwei Stimmen

Rosa erzählt von dieser Beziehung in zwei Stimmen: Angela und Antonio ergreifen abwechselnd das Wort, fallen einander ins Wort, behaupten die Deutungshoheit über ihr gemeinsames Leben. Hörbar werden die gegenseitigen Vorwürfe, die über die Jahre immer schwerer wiegen, während das Lachen über die Marotten des anderen verstummt.

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Hörbar werden Frustration und Erschöpfung, hörbar wird aber auch die kritische Reflexion der eigenen Strategien, um vom anderen Zuneigung, Verständnis, Rücksicht zu erpressen. Kurz: Rosa spielt hier die ganze Klaviatur eines Beziehungsalltags mit den uns allen wohlbekannten Themen und Variationen. Die beiden Übersetzer Marianne Gareis und Luis Ruby haben den jeweiligen Sound – mal Selbstmitleid, mal Wut, mal Beschämung – sehr überzeugend ins Deutsche übertragen.

Unter materiellem Druck

Doch wenn Rosa, 1974 in Sevilla geboren, der Frage nachgeht, "warum wir so schlecht lieben", tut er das nicht ausschließlich psychologisch. Zwar stellt er die Sehnsucht seiner Protagonisten, ihre Liebe zueinander, ihre Enttäuschung aneinander, in den Mittelpunkt, aber die soziologischen und ökonomischen Bedingungen dieses gemeinsamen Lebens werden dabei mit beschrieben und mitbedacht. So entsteht das Bildnis eines Paares in Zeiten der Krise.

In seinen Romanen hat sich Rosa meist mit großen gesellschaftlichen Fragen auseinandergesetzt: "Im Reich der Angst" fragte er nach den Ursachen unserer irrationalen Wehrlosigkeit, in anderen (nicht auf Deutsch erschienenen) Büchern ging es um Arbeit oder um die erstaunliche Ruhe in einem Land, das seit 2008 in einer Krise steckt.

Ein großer Erzähler vom Unbehagen in der Gesellschaft

Auch dieser Liebesroman spielt vor dem Hintergrund sozialer Härten: Antonio verliert seine Stelle als Zeitungsredakteur und muss sich mühsam als Freelancer durchschlagen. Angelas Lehrerinnengehalt reicht nicht aus für eine Familie, die in Madrid eine Mietwohnung zu bezahlen hat. Sie will ein Haus auf dem Land, sie will Sicherheit, dem Druck entfliehen. Er aber träumt immer noch vom Erfolg, fühlt sich wertlos, kämpft um Anerkennung.

Rosa gestaltet dieses Paar einerseits als typisches Beispiel des gebildeten städtischen Prekariats, andererseits macht er die beiden als Individuen sichtbar, die in einem schwierigen Alltag mit zu viel Arbeit, mit ihren Kindern und unter ständigem materiellem Druck zunehmend verzweifelt hinter ihrem Lebensglück her sind: miteinander, aneinander vorbei, gegeneinander.

Ein analytischer Liebesroman also, vom Ende her erzählt und in den Anfängen endend, als alles noch Versprechen war und das Unmögliche möglich schien: zusammen alt zu werden. Lange vor der Krise.

Isaac Rosa: "Glückliches Ende"
Aus dem Spanischen von Marianne Gareis und Luis Ruby
Liebeskind Verlag, München 2021
352 Seiten, 22 Euro

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