Impfschulungen für Apotheker

Ein Booster für die Impfkampagne auf dem Land

04:57 Minuten
Die Apothekerin Barbara Oberüber (2.v.r) erklärt einer Frau in der Impfstelle Metropolishalle eine Corona-Impfung, während die Ãrztin Bushra Malik ihr beratend zur Seite steht.
In Brandenburg starten die Schulungen von Apothekerinnen und Apotheker zur Corona-Impfung. © picture alliance / dpa / Jörg Carstensen
Von Christoph Richter · 19.01.2022
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Ein niedrigschwelliges Impfangebot durch Apotheker: Davon erhofft sich Brandenburgs Landesregierung einer Erhöhung der Impfquote, die mit 66 Prozent die zweitniedrigste der Republik ist. In Potsdam haben nun die Schulungen begonnen.
Am Filmpark Potsdam-Babelsberg, im Foyer der Metropolishalle, wo sonst Messen, Galas oder Konzerte stattfinden, lernen seit dem gestrigen Dienstag Brandenburgs Apothekerinnen und Apotheker das Impfen. Eine von ihnen ist die 60-jährige Barbara Oberüber von der Lindenapotheke in Luckau am Rand des Lausitzer Braunkohlereviers.
„Wir hoffen, dass wir helfen und viel Positives bewirken können; dass wir eine schnelle Durchimpfung bekommen", sagt sie. "Dass es uns bald freier und besser geht.“

Unterstützung für Ärzte im ländlichen Raum

Oberüber hat sich sofort für die Schulung angemeldet, als sie hörte, dass demnächst auch Apotheker impfen dürfen. Sie hofft, dass sie schon Ende des Monats in ihrer Apotheke Impfungen anbieten kann:
„Ich denke, es ist wichtig, dass wir wo nötig im Gesundheitsbereich zusammenarbeiten und unterstützen. Deswegen bieten wir unsere Hilfe an, um die Ärzte im ländlichen Bereich zu unterstützen, die nun sehr angespannt arbeiten müssen.“
Die praktische Fortbildung der Pharmazeuten findet im laufenden Impfbetrieb statt. Dabei werden die Impfnovizen von Ärzten praktisch angeleitet.

"Impfen an sich ist nicht schwierig"

Geduldig erklärt die aus Hannover kommende 27-jährige Lehrärztin Bushra Malik den Apothekern die Technik des Impfens. Die Spritze muss dabei gerade und drei Fingerbreit unter dem Schulterdach angesetzt werden. Wichtig ist, dass die künftige Impfärztin tief genug spritzt, um den Impfstoff perfekt zu applizieren, wie es im Fachjargon heißt.
"Ganz genau prüft, dass man nicht ins Schultergelenk impft. Dass man direkt in den Musculus deltoideus impft", sagt Malik. "Das üben wir heute. Darauf kommt es an. Impfen an sich ist nicht schwierig."
Ärzte mahnen zur Umsicht, denn das intramuskuläre Impfen sei nicht ohne. Im ländlichen Bereich sei es allerdings unabdingbar, dass ein Notfallkoffer in der Nähe ist, auch weil der nächste Notarzt oft weiter entfernt ist.

Mögliche Impfreaktionen im Blick haben

Die praktische Fortbildung dauert vier Fortbildungsstunden. Der theoretische Teil umfasst sechs Stunden. Erarbeitet wurde das Curriculum von der Bundesapothekerkammer, erläutert Tobias Störmer, Vorstandsmitglied der Landesapothekerkammer Brandenburgs. Man wird auf den Umgang mit allergischen Impfreaktionen wie etwa einem anaphylaktischen Schock vorbereitet: 
„In der Theorie lernen wir, wie sich das symptomatisch äußern kann. Die Ärzte weisen uns darauf hin, okay, ihr müsst sensibel sein. Fragt noch mal explizit nach, wenn dem Patienten übel ist, wenn er innerhalb einer bestimmten Zeitspanne Kopfschmerzen bekommt, dass das wirklich Warnsignale sind, dass ihr da hellhörig werden müsst.“

Den Ärzten keine Konkurrenz machen

Anfangs gab es Vorbehalte in der Ärzteschaft. Es hieß, Apothekerinnen und Apotheker seien für das Impfen nicht qualifiziert genug. Ein Vorwurf, mit dem Störmer, Apotheker in der Havellandklinik Nauen, nichts anfangen kann. Er betont ausdrücklich, dass man den Ärzten keine Konkurrenz machen wolle:
„Uns ist wichtig zu unterstreichen, dass wir niemandem etwas wegnehmen wollen. Wir wollen ein zusätzliches Impfangebot machen.“
Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher von Bündnis 90/Die Grünen erhofft sich mit dem Einsatz der Apotheken, die Impfquote im Land deutlich zu verbessern. Denn mit 66,2 Prozent vollständig geimpfter Menschen ist Brandenburg eines der Schlusslichter Deutschlands. Genau genommen Vorletzter, nur in Sachsen sind mit 61,8 Prozent noch weniger Menschen geimpft.

Ein niedrigschwelliges Impfangebot

Ziel ist es letztlich, das Impftempo deutlich anzuziehen. Nonnemacher setzt auf das niedrigschwellige Angebot.
„Viele Leute haben ein Vertrauensverhältnis zum Apotheker und zur Apothekerin. Wenn in diesem Verhältnis ein Vertrauen aufgebaut ist und die Leute sagen, okay, da lasse ich mich impfen, dann ist es eine gute Sache.“
65 Apothekerinnen und Apotheker haben sich für eine ärztliche Schulung in dieser Woche für die erste Impfschulung in Potsdam angemeldet. Das soll im Land Brandenburg aber nur der Anfang sein. Nächste Woche will man in Cottbus weitere Impfschulungen für Apotheken anbieten.

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