- "In meinem Garten" von Reinhard Mey
- "Running Up That Hill" von Kate Bush
- "Master Of Puppets" von Metallica
- Das italienische Volkslied "Bella Ciao"'
- "Sugar Man" von Sixto Rodriguez
- "Where Is My Mind?" von Pixies
- "Perfect Day" von Lou Reed
- "Girl You'll Be A Woman Soon" von Neil Diamond / Urge Overkill
- "Johnny B. Goode" von Chuck Berry
Musik im Film
Kate Bush, hier bei einem Konzert Mitte der 1980er, erlebt durch "Stranger Things" ein Revival © picture alliance / Sammlung Richter / Sammlung Richter / Max Kohr
Wie alte Hits ein neues Leben bekommen

Dank Streaming und Social Media sind sie wieder in aller Ohren: Songs wie „Running Up That Hill“ von Kate Bush aus der Serie „Stranger Things“ oder „In meinem Garten“ von Reinhard Mey aus der Haftbefehl-Doku. Auch Filme machen Stücke wieder bekannt.
Inhalt
„In meinem Garten“ von Reinhard Mey in "Babo – Die Haftbefehl-Story" (2025)
Dass den 83-jährigen Liedermacher Reinhard Mey und den 40-jährigen Rapper Aykut Anhan alias Haftbefehl einmal ein Song verbinden würde, hätte wohl kaum jemand erwartet. Doch dank der Erfolgsdoku „Babo – Die Haftbefehl-Story“, in der Anhan in einer emotionalen Szene das Mey-Lied „In meinem Garten“ aus dem Jahr 1970 hört und mitsingt, ist es passiert. Der Song kletterte auf Platz 15 der von GfK ermittelten Hitliste und war in den Charts der großen Musik-Streamingplattformen. Für Reinhard Mey ist es die höchste Chartplatzierung seiner Karriere. Zudem handelt es sich laut GfK um den größten Abstand zwischen Erstveröffentlichung und einem Chartdebüt, den ein deutschsprachiger Titel jemals hatte.
Haftbefehl schreibt auf Instagram, Meys Team habe dem Filmprojekt zunächst skeptisch gegenübergestanden und gezögert, „In meinem Garten“ für die Dokumentation zur Verfügung zu stellen. Nachdem er aber den Film gesehen habe, habe Mey sich bei Haftbefehl gemeldet und ihm damit etwas gegeben, „das tiefer geht als Zustimmung“.
„Running Up That Hill“ von Kate Bush in "Stranger Things", Staffel 4 (2022)
„Running Up That Hill“ vom Album „Hounds of Love“ zählt zu den erfolgreichsten Songs von Kate Bush. Das Lied erschien 1985 und erreichte in vielen Ländern der Welt hohe Chartplatzierungen – in Deutschland und Großbritannien sogar Platz 3. Auch wenn der Song nie ganz weg war, so oft wie heute war er seit den Achtzigern nicht mehr zu hören.
Der Grund: Der Klassiker läuft an prominenter Stelle in der vierten Staffel der Netflix-Serie „Stranger Things“; nämlich als Max, eine der jugendlichen Protagonistinnen, von Oberbösewicht Vecna verfolgt wird und ihre Freunde sie mit dem Song retten. Die sonst eher öffentlichkeitsscheue Kate Bush schrieb auf ihrer Webseite, dem Song sei „neues Leben eingehaucht worden“.
„Master of Puppets“ von Metallica in "Stranger Things", Staffel 4 (2022)
Ein Musterbeispiel für äußerst gelungene Crosspromotion ist die Verwendung der Thrash-Metal-Hymne „Master Of Puppets“ von Metallica in derselben Staffel von „Stranger Things“, die auch Kate Bushs Lied enthielt. Der Song aus dem Jahr 1986, obwohl seit Jahren weltweit bekannt, erreichte so erstmals die US-Top 40.
In der Serie lenkt Metalhead Ed Munson mit dem Song einen Haufen Monsterfledermäuse von seinen Freunden ab und opfert sich für die Gruppe. James Hetfield outete sich als "Stranger Things"-Fan und die Band erwies sich als äußerst dankbar für die Hommage. Metallica spielten bei einem Festival-Gig auf Leinwänden die entsprechende Szene aus „Stranger Things“ ab und Fiktion wurde zu Realität: Sie schenkten dem verdutzten Munson-Darsteller Joseph Quinn eine E-Gitarre wie in der Serie, natürlich signiert von der ganzen Band.
„Bella Ciao“ in "Haus des Geldes", Staffel 1 (2017)
In der ersten Staffel der spanischen Netflix-Serie „Haus des Geldes“ bekommt „Bella Ciao“ besonders viel Gewicht. Das Lied, das aus dem 19. Jahrhundert stammt und im Laufe seiner Geschichte mehrere Textfassungen kannte, ist heute in jener Fassung populär, die während des Widerstandes gegen die Nazis gedichtet wurde. So richtig bekannt wurde es aber erst nach dem Krieg, denn während der Besatzung wurde es in Italien nicht so oft gesungen wie andere Widerstandslieder.
Heute gilt es als das Widerstandslied schlechthin und wurde bei den Gezi-Protesten in der Türkei oder bei Fridays-for-Future-Demos ebenso geschmettert wie bei Anti-Nazi-Demos oder bei Protesten in der Ukraine, im Iran, in Chile und Hongkong. Die Bankräuber in der Serie sehen sich ebenfalls als Widerstandskämpfer und sind im Zweifel bereit, für ihre Ideale zu sterben. Entsprechend zeigt der Abspann der letzten Folge von Staffel 1 zahlreiche Szenen des Widerstandes verschiedener Epochen der Weltgeschichte, musikalisch unterlegt mit „Bella Ciao“.
„Sugar Man“ von Sixto Rodriguez in "Searching for Sugar Man" (2012)
„Sugar Man“ und andere Songs von Sixto Rodriguez aus den frühen 1970ern waren in Südafrika über Jahrzehnte Hits, die jedes Kind kannte. Auch in Australien und Neuseeland waren die Songs von Rodriguez beliebt. Der Interpret lebte jedoch, völlig unberührt von seinem Ruhm, in bescheidenen Verhältnissen in Detroit, wo er trotz eines Universitätsabschlusses in Philosophie auf dem Bau arbeitete, während seine Plattenfirma gut an ihm verdiente.
1997 entdeckte seine Tochter eine Website über Rodriguez. Endlich kam zusammen, was zusammengehörte: Rodriguez trat 1998 erstmals in Südafrika auf, wo er gefeiert wurde wie ein verlorener Sohn. Der Oscar-gekrönte Dokumentarfilm "Searching for Sugar Man" (2012) skizziert das Leben und die künstlerische Wiedergeburt von Rodriguez und gewann den Oscar als bester Dokumentarfilm. Rodriguez starb mit 81 Jahren im Jahr 2023.
„Where Is My Mind?" von Pixies in "Fight Club" (1999)
Die Pixies sind eine der wichtigsten und einflussreichsten Alternative-Bands der 1980er und 1990er Jahre. Kurt Cobain erwähnte sie immer wieder als einen der Haupteinflüsse seiner Band Nirvana. Der Pixies-Song „Where Is My Mind?“ wurde zu seiner Entstehungszeit im Jahr 1988 kein großer Hit, sondern gewann über die Jahre Kultstatus.
Mit dem immens populären Film „Fight Club“ von David Fincher, der seinerseits eine ganze Generation von Filmemacherinnen und Filmemachern prägte, wurde der Song erst richtig groß. Er läuft in der Schlussszene, in der die beiden Protagonisten Hand in Hand dabei zusehen, wie ganze Wolkenkratzer einstürzen. Seither wird der Song immer wieder in Film, TV und Werbung verwendet, sei es im Original oder in einer der vielen Coverversionen, eine der beliebtesten ist die Piano-Fassung von Maxence Cyrin, die auch in der gefeierten HBO-Serie "The Leftovers" zu hören ist.
„Perfect Day“ von Lou Reed in "Trainspotting" (1996)
Ähnlich wie den Pixies erging es Lou Reed, der die Wiederauferstehung seines Songs „Perfect Day“ in dem britischen Junkie-Epos „Trainspotting“ erlebte, als er selbst noch tourender Musiker war. Der US-amerikanische Songwriter und Velvet Underground-Gründer schrieb „Perfect Day“ 1972 für sein zweites Soloalbum „Transformer“, produziert von David Bowie und Mick Ronson.
In „Trainspotting“ wird der Song, der einen perfekten Tag beschreibt, ironisch verwendet: Der Protagonist stirbt um ein Haar an einer Überdosis Heroin, wird in ein Taxi verfrachtet und im Krankenhaus wiederbelebt. Neben „Pulp Fiction“ und „Fight Club“ gehört „Trainspotting“ zu den prägenden Filmen der 1990er. Der Song war später auch titelgebend für Wim Wenders‘ Spielfilm „Perfect Days“ (2023), der für den Oscar nominiert wurde. Sein Verfasser Lou Reed starb im Jahr 2013.
„Girl You'll Be A Woman Soon“ von Neil Diamond / Urge Overkill in "Pulp Fiction" (1994)
Immer wieder hat Quentin Tarantino in seinen Filmen Schlüsselszenen mit Retro-Songs unterlegt und ihnen dadurch wieder deutlich mehr Aufmerksamkeit verschafft. In diesem Fall handelt es sich um einen Song des US-amerikanischen Singer/Songwriters Neil Diamond, der es 1967 auf Platz 10 der US-Singles-Charts schaffte. Tarantino verwendet in seinem Film "Pulp Fiction" allerdings die fast identische Coverversion der Band Urge Overkill.
Dank dem Riesenerfolg von "Pulp Fiction", Tarantinos großem internationalem Durchbruch, wurde der Song in seinem neuen Gewand in den Neunzigern erneut zu einem Gassenhauer. Er unterlegt die Szene, in der Mia Wallace, gespielt von Uma Thurman, selbstvergessen zu dem Song tanzt, während Vincent Vega, gespielt von John Travolta, im Badezimmer mit sich hadert: Soll er ein Techtelmechtel mit der Frau seines Chefs anfangen oder nicht?
„Johnny B. Goode“ von Chuck Berry in "Zurück in die Zukunft" (1985)
Ein frühes Beispiel für die nostalgische Neuauflage eines alten Hits ist wohl „Johnny B. Goode“ in „Zurück in die Zukunft“ von Robert Zemeckis. Der Song wurde eigens für den Film neu aufgenommen und erscheint in der Szene, in der Michael J. Fox als Zeitreisender in der Schule seiner Eltern auftritt und die ganze Aula rockt. Die Szene spielt allerdings im Jahr 1955 – drei Jahre, bevor der Originalsong veröffentlicht wurde. Kein Filmfehler, sondern ein kleiner musikalischer Gag: Ein Mitglied der High-School-Band ruft Chuck Berry an, stellt sich als dessen Cousin Marvin vor und lässt Berry mit den Worten "You know that new sound you're looking for? Listen to this!" am Telefon mithören.
Chuck Berry war einer der ersten Rock’n’Roller und beeinflusste unter anderem die Beatles und die Rolling Stones. „Johnny B. Goode“ erreichte 1958 hohe Chartplatzierungen und zählt heute zu den größten Hymnen des Rock’n’Roll. Die Verwendung des Songs im nicht minder ikonischen 1980er-Bockbuster „Zurück in die Zukunft“ machte ihn neuen Generationen bekannt und festigte seinen Legendenstatus. Bis heute wird der Song über den armen Jungen Johnny aus Louisiana, der davon träumt, mit seiner Gitarre ein Star zu werden, immer wieder gecovert. Sogar auf der goldenen Datenplatte, die die NASA 1977 ins All schoss, ist der Song neben Musik von Bach, Beethoven und Mozart enthalten.



















