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Literatur | Beitrag vom 12.04.2020

Himmel und Hölle in antiken TextenDie Geographie des Jenseits

Von Robert Brammer

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Ein Mann betrachtet Hieronymus Boschs Tryptichon "Garten der Lüste". (Getty Images / Pablo Blazquez Dominguez)
Alte Vorstellungen vom Jenseits mit ihrer Dichotomie von hell und dunkel bestimmen bis heute unser Denken. (Getty Images / Pablo Blazquez Dominguez)

Was nach dem Tod kommt, hat Menschen seit jeher beschäftigt. Dass überhaupt etwas folgt, ist nämlich sehr erleichternd. Das Leben mag der Tod beenden, aber er ist nicht das Ende überhaupt. Im Jenseits geht es weiter, wenn auch anders.

Die Vorstellung, dass die existierende Welt nicht die einzige ist, verschafft Menschen seit jeher große Erleichterung. Zumal die andere Welt, jene jenseitige, die nach dem Tod zu betreten ist, anders sein muss. Was wäre denn sonst ihr Sinn und Zweck? Besäße die jenseitige Welt dieselben Eigenschaften wie die existierende, handelte es sich ja nur um eine Verdoppelung. Aus dem Tod würde ein Jux und aus der gesuchten Erleichterung eine doppelte Last.

Das ganz Andere, höllisch oder paradiesisch

Nein, die jenseitige Welt – oder vielmehr die jenseitigen Welten, denn im Bereich der Vorstellung gilt der im Allgemeinen herrschende unausweichliche Mangel als Petitesse – muss ganz anders beschaffen sein. Das allein ist ihre hervorragendste Qualität. In welcher Weise anders? Darin ist der Vorstellungskraft keine Grenze auferlegt. Die jenseitigen Welten sind wunderbar oder schrecklich, ersehnt oder gefürchtet, paradiesisch oder höllisch. Nur eines sind sie nicht: alltäglich und jedermann bekannt.

Jenseitsvorstellungen korrespondieren, solange sich das Denken der Menschen zurückverfolgen lässt, mit Bildern von Gärten und Höhlen, Wäldern und Wüsten, Parks und Feuerseen. Es sind Träume oder Alpträume von menschenfernen Orten oder auch von Orten mit anderen Menschen (und Tieren). Die alten Bilder vom Jenseits mit ihrer Dichotomie von hell und dunkel, gut und böse beeinflussen bis heute unserer Denken, das nicht aufhört, immer neue Bilder dieser anderen Welten zu entwerfen, besonders einflussreich im Film, im Roman und im Cyberspace.

Das Ende der Konflikte und der Vorstellungskraft

Unverändert interessant erscheint offenbar die Unterwelt, die Welt der unglücklich Toten, während es vom Himmel, dem Paradies, weniger Erzählenswertes zu geben scheint. Denn wo alle Konflikte an ihr Ende gekommen sind und reiner Frieden winkt, verzweifelt die Vorstellungskraft bald und kann nur noch die Fortdauer konstatieren, also auf bereits Erzähltes und Bebildertes verweisen.

(pla)

Eine Produktion aus dem Jahr 2013. Das Manuskript können Sie hier herunterladen.

Sprecher: Jenny Schily, Julia Brabandt, Tonio Arango
Ton: Alexander Brennecke
Regie: Klaus-Michael Klingsporn
Redaktion: Barbara Wahlster

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