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Fazit | Beitrag vom 23.12.2020

Hartmut Rosa zur Pandemie"Das ist eine neue Zeiterfahrung"

Hartmut Rosa im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Unterricht von Zuhause in Corona-Zeiten: Ein Schulkind sitzt am Tisch, guckt traurig-gelangweilt und stützt den Kopf in die Hand (Symbolbild) (imago images/MiS)
Die Zeit kann lang werden in der Pandemie. (imago images/MiS)

In unserer Reihe "Das große Innehalten" beleuchten wir, wie die Coronapandemie in diesem Jahr unser Leben verändert hat. Im dritten Teil sprechen wir mit dem Entschleunigungsforscher Hartmut Rosa über das Thema Zeit.

Ihm sei die Zeit seit Beginn der Coronapandemie sehr lang vorgekommen, sagt der Soziologe Hartmut Rosa von der Universität Jena. Das sei bekannt aus der Psychologie der Zeitwahrnehmung: Immer wenn sich Abläufe verändern, wenn neue Erfahrungen gemacht werden, die als wichtig empfunden werden, kommt einem ein Zeitabschnitt lang vor. 

Keine Reisen, keine Zukunft

"Ich glaube, in diesem Jahr sind ganz viele Sachen  nicht im Routinemodus verlaufen und waren uns doch wichtig. Deshalb hat man jetzt das Gefühl, das war eine lange Zeit seit März", so Rosa.

Hartmut Rosa (imago images / VIADATA)Viele Dinge seien in der Pandemie nicht im Routinemodus verlaufen, meint Hartmut Rosa. (imago images / VIADATA)

Er nenne diese neue zeitliche Erfahrung "Weltreichweitenverkürzung", sagt der 55-Jährige. Normalerweise sei das Leben in der modernen Gesellschaft darauf ausgerichtet, möglichst alles verfügbar zu haben. Das sei in der Pandemie anders, sowohl räumlich wie zeitlich: Weder könnten wir reisen noch in die Zukunft planen.

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"Das ist eine neue Zeiterfahrung, die sich nicht unbedingt toll anfühlt, weil wir die nicht planmäßig geschaffen haben, sondern weil sie uns aufgezwungen wird."

Totale Kontrolle langweilt

Auf der anderen Seite sei diese Unverfügbarkeit aber auch für positive Gefühle verantwortlich, sagt Rosa: "Wenn wir ein neues Musikstück entdecken, dann erfahren wir das nur so lange als faszinierend, wie wir das Gefühl haben: 'Ich habe es noch nicht völlig erschlossen. Ich habe dort noch nicht alles gehört.'"

Auch wenn wir uns in einen Menschen verlieben, erfahren wir einen Kontrollverlust, den wir als beglückend empfinden. "Eine Welt, die wir vollständig unter Kontrolle hätten, wäre für uns eine langweilige und leere Welt."

(beb)

In der Reihe "Das große Innehalten" kommen eine Woche lang namhafte Experten und Expertinnen zu Wort, die anhand von sieben Lebensbereichen beleuchten, was die Pandemie mit uns gemacht hat. Wer werden wir sein, wenn sie vorbei ist? Es geht um die Themen Freundschaft, Vertrauen, Wohnen, Heimat, Wissenschaft, Zeitempfinden und Mode.

WEITERE BEITRÄGE AUS DER REIHE "DAS GROSSE INNEHALTEN"

Pandemie und Wohnen - Homeoffice ist kein Zuckerschlecken
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