Seit 20:03 Uhr Konzert
Dienstag, 11.05.2021
 
Seit 20:03 Uhr Konzert

Fazit | Beitrag vom 23.12.2020

Hartmut Rosa zur Pandemie"Das ist eine neue Zeiterfahrung"

Hartmut Rosa im Gespräch mit Marietta Schwarz

Unterricht von Zuhause in Corona-Zeiten: Ein Schulkind sitzt am Tisch, guckt traurig-gelangweilt und stützt den Kopf in die Hand (Symbolbild) (imago images/MiS)
Die Zeit kann lang werden in der Pandemie. (imago images/MiS)

In unserer Reihe "Das große Innehalten" beleuchten wir, wie die Coronapandemie in diesem Jahr unser Leben verändert hat. Im dritten Teil sprechen wir mit dem Entschleunigungsforscher Hartmut Rosa über das Thema Zeit.

Ihm sei die Zeit seit Beginn der Coronapandemie sehr lang vorgekommen, sagt der Soziologe Hartmut Rosa von der Universität Jena. Das sei bekannt aus der Psychologie der Zeitwahrnehmung: Immer wenn sich Abläufe verändern, wenn neue Erfahrungen gemacht werden, die als wichtig empfunden werden, kommt einem ein Zeitabschnitt lang vor. 

Keine Reisen, keine Zukunft

"Ich glaube, in diesem Jahr sind ganz viele Sachen  nicht im Routinemodus verlaufen und waren uns doch wichtig. Deshalb hat man jetzt das Gefühl, das war eine lange Zeit seit März", so Rosa.

Hartmut Rosa (imago images / VIADATA)Viele Dinge seien in der Pandemie nicht im Routinemodus verlaufen, meint Hartmut Rosa. (imago images / VIADATA)

Er nenne diese neue zeitliche Erfahrung "Weltreichweitenverkürzung", sagt der 55-Jährige. Normalerweise sei das Leben in der modernen Gesellschaft darauf ausgerichtet, möglichst alles verfügbar zu haben. Das sei in der Pandemie anders, sowohl räumlich wie zeitlich: Weder könnten wir reisen noch in die Zukunft planen.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Das ist eine neue Zeiterfahrung, die sich nicht unbedingt toll anfühlt, weil wir die nicht planmäßig geschaffen haben, sondern weil sie uns aufgezwungen wird."

Totale Kontrolle langweilt

Auf der anderen Seite sei diese Unverfügbarkeit aber auch für positive Gefühle verantwortlich, sagt Rosa: "Wenn wir ein neues Musikstück entdecken, dann erfahren wir das nur so lange als faszinierend, wie wir das Gefühl haben: 'Ich habe es noch nicht völlig erschlossen. Ich habe dort noch nicht alles gehört.'"

Auch wenn wir uns in einen Menschen verlieben, erfahren wir einen Kontrollverlust, den wir als beglückend empfinden. "Eine Welt, die wir vollständig unter Kontrolle hätten, wäre für uns eine langweilige und leere Welt."

(beb)

In der Reihe "Das große Innehalten" kommen eine Woche lang namhafte Experten und Expertinnen zu Wort, die anhand von sieben Lebensbereichen beleuchten, was die Pandemie mit uns gemacht hat. Wer werden wir sein, wenn sie vorbei ist? Es geht um die Themen Freundschaft, Vertrauen, Wohnen, Heimat, Wissenschaft, Zeitempfinden und Mode.

WEITERE BEITRÄGE AUS DER REIHE "DAS GROSSE INNEHALTEN"

Pandemie und Wohnen - Homeoffice ist kein Zuckerschlecken
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 22.12.2020)

Mode - FFP2 ist besser als die Designermaske
(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 21.12.2020)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsCancel Culture und "Kanzelkultur"
Wegweiser zeigen die Optionen Meinungsfreiheit und Ausgrenzung. (Imago / U. J. Alexander)

Menschen wegen bestimmter Überzeugungen ausschließen - das nennt man Cancel Culture. Die "FAZ" fügt eine "Kanzelkultur" hinzu: Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat das Buch "Papierklavier" als nicht preiswürdig abgekanzelt.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur