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Chormusik | Beitrag vom 21.10.2020

Händels "Messiah" mit dem RIAS Kammerchor und Justin DoyleDer große Bogen

Gast: Justin Doyle, Dirigent; Moderation: Ruth Jarre

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Ein Cover mit gedekcten Fraben, das an einen Auszug eines Kirchenfensters erinnert.  (PENTATONE / Graphik deutschlandradio)
Das Album wurde in der Jesus-Christus-Kirche, Berlin-Dahlem aufgenommen. (PENTATONE / Graphik deutschlandradio)

Mit der Neueinspielung des "Messiah" von Georg Friedrich Händel will Justin Doyle beweisen, dass dieses Oratorium nicht nur eine Abfolge von schönen Nummern, Chören und Arien ist, sondern ein Gesamtwerk, das als solches mit seiner besonderen Dramaturgie funktioniert.

Denn Händel war zwar ein exzellenter Wiederverwerter - vorwiegend, aber nicht nur, seiner eigenen Einfälle – aber eben auch ein Komponist mit Sinn für das Theater, für das dramatische Gefüge. Und so wird hier ein Bogen vom Alten bis zum Neuen Testament und darüber hinaus entfaltet.

Altes und Neues Testament

Aus drei Teilen besteht das Werk – und der Textdichter Charles Jennens wollte mit diesem weiten Bogen tatsächlich etwas Neues erschaffen. Der erste Teil beschäftigt sich mit den alttestamentarischen Prophezeiungen zum Messias, zu seinem Kommen, Leben und Wirken. Im zweiten Teil wird die Geburts-, die Lebens- und Leidensgeschichten Jesu ausgebreitet, auch vorwiegend anhand alttestamentarischer Bibelstellen, und im dritten Teil geht es um die Erlösungen, die Wiederkehr des Messias und das kommende Heil.

Gemälde des sitzenden Komponisten mit typischer Lockenperücke und blauem Samtmantel. (imago images / Leemage)Georg Friedrich Händels Porträt im Civico Museo Bibliografico Musicale in Bologna. (imago images / Leemage)

Händel schrieb das gesamte Werk in nur drei Wochen nieder, inklusive Partitur. Nachdem er eigentlich in der Saison 1741/42 pausieren und gar nichts schreiben wollte, ließ er sich dann aber von Jennens überreden, sich mit dessen Textvorlage zu befassen. Und schob dann gleich noch die Oper "Samson" hinterher.

Nah an der Uraufführung

Bei dieser Aufnahme des RIAS Kammerchors mit der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Chefdirigent Justin Doyle wollte man sich eng an den Gegebenheiten der Uraufführung im April 1742 in Dublin orientieren. 50 Mitwirkende waren damals beteiligt, zur Hälfte besetzt mit dem Chor. Gemessen an den riesenhaften Besetzungen, die relativ schnell auch üblich wurden mit bis zu 500 Mitwirkenden, nehmen sich die knapp 70 hier beteiligten Musikerinnen und Musiker geradezu sparsam aus.

Im November 2019 war der RIAS Kammerchor übrigens auf Konzertreise in Dublin und hat dabei nicht versäumt, sich den Ort der Uraufführung anzuschauen: die Dubliner Music Hall.

Neue Zeitrechnung

Ganz britisch ist das Solistenquartett, das sich bestens mit Händels Messias auskennt, und fast wie eine kleine, eingeschworene Familie funktioniert.

Die Aufnahme, eine Koproduktion von Deutschlandfunk Kultur mit dem Label Pentatone, ist im Januar 2020, direkt im Anschluss an das Neujahrskonzert mit Händels "Messiah", entstanden. Damals war das Corona-Virus zwar bereits auf dem Weg, aber es hatte Europa noch nicht erreicht. Jetzt, im Oktober 2020, die CD ist soeben erschienen, ist alles anders: der Konzertbetrieb, das Proben und Arbeiten des RIAS Kammerchors, Aufnahmemöglichkeiten und -bedingungen.

Justin Doyle interagiert vom Pult aus mit den Orchestermusikern. (RIAS Kammerchor Berlin / Matthias Heyde)Justin Doyle mit Freude am Pult. (RIAS Kammerchor Berlin / Matthias Heyde)

Es ist also die letzte Aufnahme des RIAS Kammerchors vor Corona: in normaler Aufstellung, ohne umständliche Hygienepläne, ganz selbstverständlich mit allen Sängerinnen und Sängern, mit einer stark besetzten Akademie für Alte Musik Berlin und mit Solisten.

Wie denkt Justin Doyle an diese Aufnahme zurück? Wie hört er sie heute? Und welche Bedeutung hat Händels "Messiah" aus seiner Sicht? Diese Fragen werden in der Sendung erörtert.

Georg Friedrich Händel
"Messiah" (Auszüge)

Julia Doyle, Sopran
Tim Mead, Altus
Thomas Hobbs, Tenor
Roderick Williams, Bass
RIAS Kammerchor Berlin
Akademie für Alte Musik Berlin
Leitung: Justin Doyle

Produktion: DLF Kultur / Pentatone 2020

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